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45 Heimatforscher tauschten sich in Woltersdorf aus / Anregung für Heft über Fürstenwalder Flurnamen

Schlangengift und Ahnenforschung

Beliebtes Motiv: Die Heimatforscher Hans-Joachim Notroff (Fürstenwalde) und Frank Retzlaff (Erkner) vor der weißen Villa.
Beliebtes Motiv: Die Heimatforscher Hans-Joachim Notroff (Fürstenwalde) und Frank Retzlaff (Erkner) vor der weißen Villa. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 07.09.2014, 20:57 Uhr
Woltersdorf/Fürstenwalde (MOZ) Die Giftschlangen von Horst Gettel produzierten genug Gift, um den Bedarf der DDR zu decken. Ab 1980 war die Farm in Woltersdorf ansässig. Das und noch viel mehr konnten die 45 Ortschronisten und Heimatforscher des Landkreises am Sonnabend bei ihrem Besuch erfahren.

Gisela Schuldt mahnt zum Aufbruch, aber die Gäste können sich nicht losreißen. Sie bleiben einfach auf den bis zu 100 Jahre alten Schulbänken in der Alten Schule von Woltersdorf, in der sich heute das Heimatmuseum befindet, sitzen. Viel zu spannend ist der Film über die Giftschlangenfarm von Horst Gettel, die 1980 von Berlin Weißensee nach Woltersdorf zog. Bis zu 2000 Tiere lebten einst auf der Farm. Das Gift der Kreuzottern, Sandvipern, Kobras und Klapperschlangen wurde zur Herstellung von Medikamenten genutzt. Für Rheumasalbe zum Beispiel.

"Dass die Farm so groß war, wusste ich auch nicht", stellte Marina Aurich erstaunt fest. Sie ist die Leiterin des Archivs, Lese- und Medienzentrums der Kreisverwaltung Oder-Spree. Immer am ersten Septemberwochenende organisiert sie für die Heimatforscher und Ortschronisten des Kreises einen spannenden Tag. In diesem Jahr ging es auf Einladung von Gisela Schuldt, der Vorsitzenden des Woltersdorfer Verschönerungsvereins, in den idyllischen Ort an der Schleuse. 45 Gäste waren dabei.

Unter ihnen auch der Fürstenwalder Heimatforscher Hans-Joachim Notroff. Mit Interesse blätterte er in einem Büchlein über Woltersdorfer Straßen- und Flurnamen. "So etwas wollen wir auch für Fürstenwalde mal zum Thema machen", sagt er. Da kämen Anregungen zum Aufbau immer gelegen. Vom Kreisarchiv würden Ortschronisten und Heimatforscher bei ihren Recherchen gut unterstützt, sagt Notroff: "Wenn ich etwas brauche, wird es mir immer schon vorher rausgesucht."

Unterdessen hat die Gruppe einen Bus bestiegen, um das 1926 errichtete Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu besichtigen. Die große, dreigliedrige Anlage ziert ein Relief des Woltersdorfer Jugendstil-Künstlers Fidus (Hugo Höppener). Wenige Schritte weiter steht die "Weiße Villa". 1902 wurde sie von Karl Thielbörger errichtet. Dieser war der Schwager von Hans Knoch, der 1896 ein Kurhaus in Woltersdorf gründete - aus dem das heutige Evangelische Krankenhaus hervorging, berichtet Gisela Schuldt. "Für viele Erkneraner war das der Geburtsort", weiß Frank Retzlaff vom Heimatverein der Nachbarstadt. "Meine beiden Kinder sind auch hier geboren", sagte Doris Walpert vom Heimatverein Grünheide sogleich.

Apropos Geburtsorte - die interessieren auch Frank Dorn aus Berlin. Seit 25 Jahren erforscht der 47-Jährige den Geburtsnamen seines unehelich geborenen Vaters. "Wobring", lautet der. Im Kirchenbuch von Storkow taucht er um 1670 auf, hat Dorn herausgefunden. Von dort verzweigte sich die Familie. Eine Linie führt nach Fürstenwalde, wo ein Wobring-Sohn die Tochter eines Brauers heiratete. Beim Chronistentag hoffte Dorn weitere Hinweise zu erhalten. Und fand sie. Marina Aurich signalisierte zum Beispiel, dass Ralf Wobring, der neue Ortsvorsteher von Braunsdorf, Interesse an einem Kontakt hat.

Und so wurde der Tag für alle zu einem Gewinn. Gegen 17 Uhr endete der Streifzug durch die Geschichte mit einer Fahrt im historischen Triebwagen der Woltersdorfer Straßenbahn.

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