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Der Verein "Sicher leben in Wriezen" wurde vor 20 Jahren gegründet / Sicherheitspartner gehen regelmäßig auf Streife

Mit offenen Augen durch die Stadt

Wollen den Wriezenern zur Seite stehen: Mike Helbig, Monika Oberhack, Heiko Beyer, Gisela Loewe und Herbert Leinung engagieren sich für den Verein "Sicher leben in Wriezen", der vor 20 Jahren gegründet wurde. Monika Oberhack ist Vorsitzende.
Wollen den Wriezenern zur Seite stehen: Mike Helbig, Monika Oberhack, Heiko Beyer, Gisela Loewe und Herbert Leinung engagieren sich für den Verein "Sicher leben in Wriezen", der vor 20 Jahren gegründet wurde. Monika Oberhack ist Vorsitzende. © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 21.05.2015, 06:06 Uhr
Wriezen (MOZ) Häufig sind sie nachts aktiv, laufen durch die Straßen Wriezens und halten ihre Augen offen. Die "Sicherheitpartner" geben aber auch Tipps im Alltag, codieren Fahrräder und helfen bei Veranstaltungen. 2015 feiert der Verein "Sicher leben in Wriezen" sein 20-jähriges Bestehen.

Vor allem am Wochenende sind sie unterwegs. In Dreierteams gehen sie durch die dunklen Straßen und sehen nach dem Rechten. Die sogenannten "Sicherheitspartner" sind als Bürger unterwegs, tragen keine Waffen und haben keine Sonderrechte. Ihre Ausrüstung: Handy, Schreibzeug, Taschenlampe und offene Augen. Hintergrund der Arbeit des Vereins "Sicher leben in Wriezen" ist der Präventionsgedanke. Da, wo die Sicherheitspartner sich blicken lassen, passiere auch nichts, sagt Heiko Beyer, Wriezens Revierpolizist und seit der Vereinsgründung mit dabei. Die Mitglieder beraten Menschen, wie sie ihr Eigentum schützen können und bieten regelmäßig Fahrrad-Codieraktionen an. Außerdem arbeiten sie eng mit dem Ordnungsamt zusammen und geben beispielsweise Hinweise, wenn irgendwo schrottreife Autos abgestellt wurden. Die Stadtverwaltung und die Polizeiinspektion unterstützen die Arbeit des Vereins.

Zu den Streifengängen gehört auch, auffällige Personen anzusprechen - etwa betrunkene Jugendliche in der Innenstadt. Gefährliche Begegnungen seien trotzdem selten, berichten die Vereinsmitglieder. Mike Helbig wurde vor ein paar Jahren einmal grob angepöbelt. Einige Leute hätten gegen eine Laterne getreten, berichtet er. In solchen Momenten rufen die Sicherheitspartner die Polizei. "Angst darf man nicht haben. Das ist der falsche Weg", sagt Helbig. Das Schöne am "kleinen beschaulichen Wriezen" sei ja, dass jeder jeden kenne, berichtet Heiko Beyer. Da reiche oftmals auch der Hinweis, dass man mal mit den Eltern sprechen werde.

Im Laufe der Zeit haben die Sicherheitspartner Einbruchswerkzeuge gefunden, Streitereien geschlichtet, Hinweise auf Einbrecher gegeben und Gefahrenquellen wie kaputte Gehwege und fehlende Gullideckel gemeldet. Monika Oberhack war dabei, als eine Frau auf frischer Tat ertappt wurde, die Klamotten aus einem Altkleidercontainer stehlen wollte.

Das Konzept der "Sicherheitspartner" wurde Anfang der 1990er-Jahre in Brandenburg entwickelt. 1994 überlegten auch die Wriezener, das Modell einzuführen. Im April 1995 gelang es schließlich, genügend Mitglieder für eine Vereinsgründung zusammenzubekommen. Lutz Richter wurde zum Vorsitzenden gewählt und hatte dieses Amt inne, bis er im Jahr 2000 wegzog. Ihm folgte Siegfried Schwensow, der den Verein mitgegründet hatte und bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr entscheidend prägte. Für die anderen Mitglieder war der Verlust ein herber Schlag. Die Lücke, die Schwensow hinterließ, habe bis heute nicht wieder gefüllt werden können, erzählt Heiko Beyer. Unter anderem betreute Schwensow MAE-Kräfte (Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung) und Bundesfreiwilligendienst-Leistende. Im Moment könne niemand diese Aufgabe übernehmen, erklärt Heiko Beyer. Neue Stellen wurden deshalb vorerst nicht beantragt. Den Vereinsvorsitz übernahm Monika Oberhack.

Das Land übernimmt den Versicherungsschutz für die Sicherheitspartner. Außerdem bekommt der Verein für die festgelegte Zahl von zehn Sicherheitspartnern jeweils 25 Euro im Monat. Tatsächlich sind in Wriezen jedoch elf von zwölf Vereinsmitgliedern als Sicherheitspartner registriert.

Durch diese Arbeit werde man aufmerksamer, auch im Alltag, berichtet Monika Oberhack. "Und wenn es nur beim Einkaufen ist: Man achtet auf viel mehr." Ums Ausspionieren gehe es dabei jedoch nicht, betonen die Vereinsmitglieder. "Jeder Bürger hat die Pflicht, sein Eigentum zu schützen", sagt Heiko Beyer. Dazu gehöre auch, seine Beobachtungen mitzuteilen. Leider sei das durch die "Wegsehmentalität" nicht selbstverständlich. Mit der Verantwortung eines jeden Bürgers argumentiert der Revierpolizist auch gegen den Vorwurf, die Sicherheitspartner übernähmen Aufgaben der Polizei. 2005 haben die Wriezener Sicherheitspartner unter anderem in der Bild-Zeitung Schlagzeilen gemacht. Als Rambos und Bürgerwehr seien sie bezeichnet worden, berichtet Heiko Beyer. Für den Verein sei das eine schwere Zeit gewesen. "Wir wollen, dass unsere schöne Stadt sicher und lebenswert bleibt", betont er.

Positive Rückmeldungen bekommen die Sicherheitspartner vor allem dann, wenn sie tagsüber im Einsatz sind - beispielsweise, um Feste wie den Deichtag abzusichern.

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