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Kleines Tänzchen inklusive

Tänzchen in der Hofeinfahrt: Beim Zampern in Lossow macht auch Sieglinde Kappel (r.), die hier mit Sieghard Nothe tanzt, mit; ebenso ihr Ehemann Siegfried mit Christine Mann.
Tänzchen in der Hofeinfahrt: Beim Zampern in Lossow macht auch Sieglinde Kappel (r.), die hier mit Sieghard Nothe tanzt, mit; ebenso ihr Ehemann Siegfried mit Christine Mann. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 08.02.2016, 06:39 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es war schon ein etwas bizarres Bild, das sich für ortsfremde Autofahrer am Sonnabendmorgen in Lossow bot. Mutterseelenallein trottete Paulchen Panther da die Straße entlang. Doch dafür gab es einen ganz einfachen Grund - das traditionelle Zampern.

Die pinke Comicfigur hatte verschlafen und eilte den anderen Lossowern nach, die schon auf dem Zamperzug durchs Dorf waren. Denn Faschingsfreunde im südlichsten Frankfurter Ortsteil müssen früh aufstehen. Schon um 9 Uhr wird bei den Ersten an der Haustür geklingelt. Öffnet sich die Tür, gibt es eine musikalische Blaskapelleneinlage von den Dorchetaler Musikanten. Ein kleines Tänzchen vor der Haustür ist inklusive. Natürlich werden auch Spenden gesammelt. Die verwaltet Christine Mann. Penibel trägt sie alles in ein Buch ein, egal wie groß der Trubel drum herum ist. "Bei den meisten geht die Tür auf", sagt sie.

Die Spenden der Dorfbewohnern werden in eine gemeinsame Fastnachtsfeier investiert. Die steigt nächsten Sonnabend in der Seeterrasse in Güldendorf. "Auf ein umfangreiches Faschingsprogramm wird dort allerdings verzichtet", sagt Ortsvorsteher Uwe Korsing. Die Leute wollen lieber erzählen und tanzen, hat er festgestellt.

Zampern hat eine lange Tradition in Lossow. Wie lange, das lässt sich indes nicht mehr genau feststellen. "Schon als Kind bin ich beim Zampern mitgelaufen", sagt Ingrid Korsing. Sie ist heute längst im Rentenalter, ist aber trotzdem noch auf der lustigen Runde durchs Dorf dabei.

Sieglinde Kappel hat sich gut vorbereitet, als es klingelt und die Blaskapelle aufspielt. Auf einem Tablett stehen ein paar Schnäpse bereit. Sowohl sie als auch ihr Mann Siegfried werden sofort zu einem Tänzchen in der Hofeinfahrt aufgefordert. "Sie haben sich wunderbar in die Dorfgemeinschaft integriert", lobt Uwe Korsing beim Anstoßen mit einem Augenzwinkern. "Schließlich wohnen sie noch nicht allzu lang in Lossow". Auf Nachfrage sind es stattliche zehn Jahre. Von hinten meint einer, erst wenn man 50 Jahre hier wohne, dann sei man nicht mehr der Neue. Da ist es in Lossow eben nicht anders als in anderen Dörfern.

Sieglinde Kappel nimmt es mit Humor. "Das Zampern ist aber wirklich eine gute Gelegenheit, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren", sagen die "Neuen". Von Anfang an machen sie den Spaß mit, erzählen sie.

Auffällig ist in Lossow trotz der Frotzeleien dennoch, dass es immer eine breite Gemeinschaft gibt. Egal ob beim Oktoberfest, beim Sommerfest oder eben beim Zampern. "Wir feiern halt gern", sagt Ortsvorsteher Uwe Korsing, der nie um einen guten Spruch verlegen ist. Freilich ist das nicht alles. Wenn man nur feiern würde, wäre beispielsweise nicht der Festplatz entstanden, in den viele gemeinsame Arbeitsstunden der Dorfbewohner investiert wurden. "Wir haben in Lossow nicht diese ausgeprägten Neubausiedlungen", sagt Christine Mann, "und die, die schon lange hier wohnen, identifizieren sich eben mit dem Dorf".

Möglichkeiten zum gemeinsamen Feiern wird es in Lossow auch in diesem Jahr wieder geben. "Die 725-Jahr-Feier vom letzten Jahr können wir zwar nicht wiederholen", meint Uwe Korsing. Osterfeuer, Maibaumsetzen, Sommerfest und gleich zwei Auftritte von Entertainer Bob Lehmann in der Lossower Kirchenruine werden aber auch 2016 dafür sorgen, dass im dörflichen Zusammenleben keine Langeweile aufkommt.

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