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In einer Serie wird das Landschaftsschutzgebiet erkundet.

In die Hellen abbiegen und genießen

Die Krumme Hölle: Am östlichen Ufer befindet sich eine kleine Badestelle, rundherum führt ein Weg durch den dichten Wald.
Die Krumme Hölle: Am östlichen Ufer befindet sich eine kleine Badestelle, rundherum führt ein Weg durch den dichten Wald. © Foto: MOZ
Martin Stralau / 17.08.2016, 06:45 Uhr - Aktualisiert 17.08.2016, 10:06
Frankfurt (Oder) (MOZ) Rund um Frankfurt gibt es viele Orte und Menschen, die selten im Fokus stehen oder deren Geschichten in Vergessenheit geraten sind. Die MOZ hat einige davon erkundet. Heute: die Biegener Hellen.

Die meisten kennen die Biegener Hellen wohl von diesen Tätigkeiten: vom Tanken, Essen oder mit dem Auto daran Vorbeifahren. Gemeint ist die gleichnamige Raststätte an der Autobahn 12. Dabei sind die schönsten Tätigkeiten in Verbindung mit den Biegener Hellen diese: Wandern, Beobachten, Staunen.

Dafür muss man sich natürlich direkt in das Landschaftsschutzgebiet begeben, dem die Raststätte ihren Namen verdankt. Die Gewässer-Kette Biegener Hellen erstreckt sich auf etwa fünf Kilometern in nord-südlicher Ausdehnung zwischen der Autobahn bei Pillgram und Hohenwalde. Man erreicht sie, wenn man die Dorfstraße in Hohenwalde gen Westen verlässt und dann, wenige Hundert Meter hinter dem Ortsausgang, den nach rechts abgehenden, 8,7 Kilometer langen Rundwanderweg einschlägt. Wer ein Rad hat, kann auch weiter geradeaus fahren und an der nächsten Weggabelung nach rechts abbiegen, bis er in einem Waldgebiet ankommt, das an einem Feld endet. Wer dann den Sandweg in den Wald hinein läuft, sieht schon bald auf der rechten Seite eine gläserne Oberfläche schimmern, die Blanke Hölle, das größte Gewässer der Biegener Hellen.

Eine, die sich hier bestens auskennt, ist die Regionalhistorikerin Hannelore Skirde. Sie hat eine Ortschronik zu Hohenwalde geschrieben und ist vor allem von der Geschichte der Biegener Hellen fasziniert, die Teil der Lebuser Hochfläche sind. "Entstanden ist das Hellen-Gebiet in der Eiszeit", erzählt sie. Als das Inlandeis schmolz, schuf es in dem Höhengebiet Abflussrinnen in das tiefer gelegene Warschau-Berliner Urstromtal. An den tiefsten Stellen der Rinnen entstanden Wasserlöcher: die Hellen. "Beim Abtauen war die ganze Senke anfangs ein einziger See", erzählt sie.

Übrig geblieben sind sieben Hellen, nicht alle führen dauerhaft Wasser. Hellen heißen auch nur die Gewässer im Landkreis Oder-Spree, darunter die Biegener Helle. Die im Frankfurter Stadtgebiet werden Höllen genannt. Die markantesten darunter sind die Blanke Hölle und die wenige Hundert Meter nordwestlich davon gelegene Krumme Hölle. An letzterer befindet sich auf der Ostseite eine kleine Badestelle, das Wasser ist klar. Der Mini-Strand liegt abgeschieden, wer Ruhe sucht, wird sie hier finden. Dennoch verirren sich offenbar hin und wieder Menschen hierhin. Darauf lassen einige frische Verpackungsreste schließen.

Auf dem kurzen Weg zur Blanken Hölle, vorbei an Fichten auf der einen und einer Kiefernschonung auf der anderen Seite kommt man an einer imposanten Drillingskiefer vorbei, die zu DDR-Zeiten ein Naturdenkmal war, wie Hannelore Skirde berichtet. Die Blanke Hölle, in deren Nähe - auf einer Lichtung - der beliebte Himmelfahrtsgottesdienst stattfindet, ist, wie die Krumme Hölle, am Ufer meist dicht bewachsen. Auffällig sind die vielen abgestorbenen Bäume im Randbereich - ein Ergebnis der steigenden und fallenden Wasserstände in den letzten Jahrzehnten. Einige Bäume wurden dabei geflutet, Algenreste an ihren Stämmen zeugen davon, dass sie unter Wasser standen.

"Die Natur in den Biegener Hellen ist faszinierend", sagt Hannelore Skirde. Sie erzählt beispielsweise von der Wolfia arrhiza, der kleinsten Blütenpflanze der Welt, die Botaniker hier entdeckten. Die Pflanze treibt als winziges grünes Kügelchen an der Wasseroberfläche. Die Hellen seien aber auch Brutgebiet für Dutzende Vogelarten, darunter Pirole, Kleiber und Goldammern. Wer sie nicht durchwandern möchte, kann beim Pferdehof in Hohenwalde auch Kutschfahrten buchen.

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