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Michael Kurzwelly stellt im Slubicer Kulturhaus SMOK gemalte QR-Codes aus, die auch aktiv sind

Streitbar und zwischen den Stühlen

Vor seinen Bildern: Michael Kurzwelly hat sich mit dem roten Sessel in der erst in dieser Woche eröffneten Ausstellung im Slubicer Kulturhaus SMOK fotografieren lassen
Vor seinen Bildern: Michael Kurzwelly hat sich mit dem roten Sessel in der erst in dieser Woche eröffneten Ausstellung im Slubicer Kulturhaus SMOK fotografieren lassen © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 20.01.2017, 19:06 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) In einer Serie stellt der Stadtbote jede Woche einen Frankfurter des Jahres vor. Das können Menschen sein, die ehrenamtlich aktiv sind oder auf andere Weise etwas Besonderes vollbracht haben. Fürs Foto posieren sie auf einem roten Sessel.

Mit Michael Kurzwelly ist es in Frankfurt oft so wie mit einem Musiker, der zwischen der sogenannten ernsten und der Unterhaltungsmusik pendelt: Er hat künstlerisch - also im klassischen Schubkastendenken - kein richtiges Zuhause. So ist zumindest der Blick von außen. Er selbst kann seine Arbeiten ganz klar umreißen.

Die Idee der sozialen Plastik oder der sozialen Skulptur nach dem deutschen Künstler Joseph Beuys, bei der jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen kann, ist sein Ansatzpunkt. Obwohl er ein Studium der Malerei absolvierte, sagt er, "ein fertiges Bild an der Wand interessiert mich nicht". Mit seinen Ideen, etwa von Slubfurt und Nowa Amerika, erzeugte er aber auch einen teilweise kräftigen Gegenwind. "Natürlich freut mich das nicht", sagt er. "Wer möchte nicht lieber gemocht werden?"

Auf einer künstlerischen Ebene jedoch kann man durchaus mit Kurzwelly über seine Arbeit diskutieren. Er sitzt da ebenfalls etwas zwischen den Stühlen, denn nicht nur aus der Bevölkerung heraus, sondern auch aus dem etablierten Kunstbetrieb wird er für seine Arbeiten teilweise kritisiert. "Als ich mich entschieden habe, Kunst zu meinem Beruf zu machen, wollte ich das nicht in Galerien tun, wo man nur um sich selbst kreist", erklärt er. 1990 war das, als er aus Bonn nach Poznan, ging. Mit anderen polnischen Künstlern baute er dort ein Kulturzentrum auf, in dem er bis 1998 arbeitete, dann kam er nach Frankfurt.

Die ersten Kontakte stammten allerdings schon aus dem Jahre 1993. Ein Bekannter sagte: "Was willst du in Poznan? Da ist es langweilig, in Frankfurt entsteht etwas spannendes." Kurz danach initiierte er sein erstes Kunstprojekt mit anderen polnischen Künstlern in jenem Haus, das die Kneipe "Königs Fritze" beherbergt. 1998 zog er dann endgültig in die Oderstadt. Damals war er Mitarbeiter des Kunstvereins. Der Kommunikationsraum Frankfurt-Slubice war sein erstes Kunstprojekt, aus dem dann das Projekt Slubfurt entstand.

"Ich tue so, als ob etwas so wäre", erklärt Michael Kurzwelly. "Eine gewisse Empörung kann ich dann durchaus verstehen." Zweifellos hat er dadurch aber mehr erreicht als bei der "Händeschüttel-Performance" auf der Oderbrücke, wie er die von oben verordneten Treffen nennt. "Wichtig für mich ist, dass die Bürger sich einbringen können. Bei Slubfurt etwa gibt es schon Initiativen, bei denen ich gar nicht mehr dabei bin." Auch der Brückenplatz ist so ein Beispiel. Ein Student aus den USA bietet dort Basketballtraining an. Andere treffen sich zum Stricken und Nähen. "Ich bin sozusagen nur noch der Rahmen", sagt Michael Kurzwelly.

Aktuell stellt er in der Galerie Okno im Kulturhaus SMOK ältere und neue Werke aus. Damit hat er sich wieder der Malerei gewidmet. Der Auslöser war der Brandenburger Kunstpreis, meint er mit einem Lächeln. "Meine Kunstprojekte brauchte ich da gar nicht erst einzureichen, weil sie eben nicht in die Schubladen der Preisverleiher passten." Einige gemalte Bilder, also ganz klassische Kunst, schickte er aber doch hin. "Die waren aber eher zu eigenen meditativen Zwecken gemalt", so der Künstler. Erst als er einen kunstvollen QR-Code malte, schaffte er es in die Ausstellung. "Da könnte man doch weitermachen", fand er. Freilich wurden auch da wieder die Grenzen etwas verschoben. Denn die Codes, die man mit einem Smartphone scannen kann, sind aktiv. "Man bekommt eine Botschaft", so Michael Kurzwelly.

Zu sehen ist die Ausstellung in Slubice montags bis freitags von 11 Uhr bis 19 Uhr.

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