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Neue Ausstellung im Audimax der Viadrina holt DDR-Kunst aus dem Depot / Vernissage am 2. Juli

Eingelagert und fast vergessen

Sonja Jenning / 14.06.2017, 12:31 Uhr - Aktualisiert 14.06.2017, 12:37
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es muss um das Jahr 2011 gewesen sein, als das „Birkenwäldchen“ unwiderruflich verschwand. Jahrzehnte lang hatte es die Fassade der Kita „Am Pfingstberg“ in Neuberesinchen geschmückt. Schlanke Metallschienen, die Birken symbolisierten, dahinter eine gelbe Sonne. Mit dem Abriss der Kita wurde auch das Werk Rudolf Grunemanns, der das Nachkriegsfrankfurt wie kein Zweiter durch seine Arbeiten der baugebundenen Kunst prägte und auch die beiden Flügel des Lichtspieltheaters der Jugend gestaltete, abgerissen und entsorgt.

Der Architekt und Fotograf Martin Maleschka dokumentiert seit rund zehn Jahren Kunstobjekte, die aus der DDR-Zeit stammen und für den öffentlichen Raum konzipiert waren. Dabei hat er festgestellt, dass diese Werke im großen Stil aus diesem Raum verschwinden und bestenfalls im städtischen Depot landen. Das Phänomen sei in ganz Ostdeutschland zu beobachten, sagt Martin Maleschka. Frankfurt verfüge als ehemalige Bezirksstadt mit vielen „ostmodernen Neubauten“ über einen besonders reichen Schatz baugebundener Kunst.

Gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin und Stadtverordneten Sahra Damus entwickelte der Fotograf die Idee, zumindest einen Teil der Kunstwerke aus dem Depot zu holen und im Rahmen einer Ausstellung zu zeigen. Als Partner holten sie die Europa-Universität Viadrina mit ins Boot. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie vielfältig und vielgestaltig diese Kunst ist“, sagt Sahra Damus, die sich einer breite Diskussion darüber wünscht, was mit den Kunstwerken passieren soll, ob sie eingelagert oder wieder aufgestellt bzw. angebracht werden sollen.

„Kunst am Bau ist eine anthropologische Konstante. Sie existiert, seit es Behausungen gibt. Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass das alles Propaganda ist“, sagt Paul Zalewskis, Professor am Lehrstuhl für Denkmalkunde. Ein Beispiel für DDR-Kunst jenseits aller Klischees sei die Mauer von Jürgen Karnopp, die einst das Schöpferdenkmal im Lennépark umgab und weichen musste, als dieses saniert wurde. Ihre organische Form bezeichnet Paul Zalewski als völlig untypisch und daher bemerkenswert.

Ein Teil der Mauer-Elemente gehört zu den zwölf Kunstwerken aus dem Depot, die in Zusammenarbeit mit dem Kultureigenbetrieb der Stadt für die Ausstellung ausgewählt wurden. Ein anderes Exponat sind Elemente der Fassadengestaltung „Erdstrukturen, Lebensbaum, Wasser“ von Manfred Wenck von 1978, die einst den Wohnblock an der Karl-Marx-Straße/Ecke Badergasse schmückten – bis sie im Zuge der energetischen Sanierung weichen mussten. Die 47 Keramik-Teile wurden mit einer speziellen Schneidetechnik vom Putzgrund gelöst und aufbewahrt, sagt Frank Drömert vom Kulturbüro. „Wir würden sie gern anderswo wieder anbringen“, so Frank Drömert weiter, allerdings sei es nicht einfach, einen neuen Platz zu finden.

Ausstellungsort ist das Foyer der ehemaligen Mensa im Audimax der Viadrina – wo eine großflächige Hinterglasmalerei daran erinnert, dass das Gebäude einst als SED-Bezirksparteischule errichtet wurde, und sich damit nahtlos in die Exponate einreiht. Gezeigt werden zudem Fotografien von Objekten, die nicht mehr erhalten sind.

Zur Vernissage wird am 2. Juli um 18 Uhr geladen. Danach kann die Ausstellung bis zum 13. August täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

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