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Adnan aus Syrien und Kasper aus Polen nehmen beim Sommercamp der Partnerstädte teil / Jugendliche aus 7 Ländern diskutieren über eine bessere Welt

"Frankfurt ist wie meine Heimatstadt"

Pause vor der Uni: Einige der 100 Teilnehmer des Sommercamps legen nach Stadtrallye und Mittagessen in der Uni-Mensa eine Pause ein. Kasper Jarmoliriski aus dem polnischen Gorzow wirkt hinter seiner Sonnenbrille nach den zwei Wochen noch fit.
Pause vor der Uni: Einige der 100 Teilnehmer des Sommercamps legen nach Stadtrallye und Mittagessen in der Uni-Mensa eine Pause ein. Kasper Jarmoliriski aus dem polnischen Gorzow wirkt hinter seiner Sonnenbrille nach den zwei Wochen noch fit. © Foto: MOZ/Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 24.08.2017, 07:12 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Zum 19. Mal verbringen rund 100 Jugendliche aus sieben Ländern die Ferien gemeinsam in Frankfurt am Helenesee. Beim Sommercamp der Partnerstädte ging es dieses Mal um eine fairere und bessere Welt. Im Camp treffen polnische Tischtennis-Spieler auf syrische Geflüchtete.

In vierzehn Tagen mit täglich mindestens vier Programmpunkten erleben, sehen und hören die hundert Jugendlichen aus aller Welt so einiges. Offizielle Punkte waren: Fahnenhissen der Landesflaggen, Rathaus-Empfang, Besichtigungen der Gedenkstätte Sachsenhausen und des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Im Eurocamp selbst diskutieren die jungen Leute über "Fair play - Fair Life - Fair World". Denn ob im Spiel, Leben oder in der Welt: "Wir wollen mit den Jugendlichen überlegen, wie eine bessere, fairere Welt aussehen kann", erklärt Chef-Organisatorin Manuela Demel.

Am Mittwoch machen sich die Teilnehmer aus Weißrussland, Polen (Slubice und Gorzow), Israel, der Ukraine, Heilbronn und Frankreich gen Frankfurt Innenstadt auf. Wie lässt sich Wissen aktiv und selbstständig vermitteln? Mit einer Stadtrallye. Marienkirche, Rathaus oder Kleist-Museum lassen grüßen.

"Ich bin das erste Mal beim Sommercamp dabei", sagt Kasper Jarmoliriski aus der polnischen Stadt Gorzow. Am Freitagmittag wirkt er trotz des zweiwöchigen Programms noch recht munter. "Ich habe viele neue Freunde gewonnen", erzählt der 15-Jährige. Im Eurocamp trifft er auch auf Jugendliche aus Israel. Das sie nur bis zum 16. Lebensjahr ohne Visum ihr Land verlassen dürfen, stimmt den Schüler traurig.

Kasper geht in die dritte und damit letzte Klasse des Gorzower Gymnasiums, vergleichbar mit der deutschen Mittelstufe. Nachmittags schlägt er kleine, weiße Bälle über eine grüne Platte, denn der Pole spielt Tischtennis im Verein "Gks Gorzovia". "Zurzeit belegen wir den dritten Platz", sagt er stolz auf Englisch.

Kasper krempelt seinen rechten Ärmel hoch: Ein Tattoo in Form eines Pferds kommt zum Vorschein - natürlich nur aus Henna-Farbe. "Der Henna-Workshop ist am coolsten", sagt Karl. Und Volleyball mit Franzosen am Helenestrand zu spielen, sei ebenfalls eine tolle Sache.

Berufliche Wünsche? "Ich will zur Armee", sagt er hinter seiner schwarzen Sonnenbrille. Am besten zur Militärklasse nach Posen - mit dem Ziel einmal Offizier zu werden. "Ich denke, dass die Armee mehr Frieden in die Welt bringt", sagt er, während er Skat-Karten durch die Finger gleiten lässt. Für Politik interessiere er sich nicht so sehr, aber was die derzeitige polnische Regierung mache, sei schlimm. "Sie wollen über alles bestimmen - statt auf ihr Volk zu hören", sagt der 15-Jährige nachdenklich.

Was Krieg und Ungerechtigkeit anrichten können, weiß Adnan Aliko nur zu gut. Der 19-Jährige flüchtete vor fünf Jahren aus Syrien - allein. "Meine Familie ist da geblieben", sagt Adnan fast akzentfrei auf Deutsch. Von seiner Heimatstadt Hasaka aus reiste er nur mit einem Rucksack über die Türkei, quer durch Europa - drei Jahre lang. "In der Türkei habe ich für ein Jahr auf dem Bau gearbeitet", erzählt der junge Mann.Er habe auf den Baustellen für Ordnung sorgen und Sachen von A nach B bringen müssen. Von den 600 Euro Monatslohn schickte er den Großteil an seine Familie - für Essen und Kleidung blieb nicht viel übrig. In einer kleinen Wohnung lebte er zusammen mit seinem 26-jährigen Bruder, bis dieser wieder zurück nach Syrien reiste. "Um zu heiraten", sagt Adnan.

Er selbst reiste über die türkischen Städte Istanbul und Antalya nach Griechenland und Makedonien. Busse brachten ihn und andere flüchtende Menschen täglich oder wöchentlich in andere Städte - da wo noch die Grenzen offen standen. "In Serbien hatten wir nur zwei Stunden Aufenthalt", berichtet er. Weiter ging es über Slowenien und das österreichische Salzburg über München bis ins 600 Kilometer entfernte Berlin.

Am Ende der Odyssee lebte Adnan für ein halbes Jahr im Eurocamp am Frankfurter Helenesee. Dort bekam er Sprachkurse, lernte langsam Stadt und Leute kennen. Nun hat er eine eigene Wohnung. "Frankfurt ist wie meine Heimatstadt", sagt er. Und seit dem Sommercamp hat er Freunde aus Israel und Frankreich.

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