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Internationales Postcrossing-Treffen in Slubice / Teilnehmer sammeln und verschicken Postkarten in und aus alle(r) Welt

Postcrossing
Kartengrüße aus Nordkorea

Thomas Gutke / 07.11.2017, 06:40 Uhr - Aktualisiert 07.11.2017, 15:55
Slubice (MOZ) Ruanda, Rumänien, Reunion: Postcrosser verschicken leidenschaftlich gerne Postkarten, und erhalten selbst Kartengrüße aus aller Welt. Regelmäßig laden Mitglieder des Postcrossing-Netzwerkes auch zu Treffen ein. So wie am Wochenende in Slubice. Die Hauptbeschäftigung der Teilnehmer: Postkarten schreiben.

Die wenigsten werden schon einmal Post aus Tromelin bekommen haben. Was vor allem daran liegen mag, dass auf der kleinen Insel im Indischen Ozean fast niemand lebt. Das zu den französischen Süd- und Antarktisgebieten gehörende Eiland östlich von Madagaskar zählt drei Einwohner - Zivilangestellte des Überseeterritoriums, die die Wetterstation in Schuss halten und alle zwei Monate von Kollegen abgelöst werden. Aus eben dieser Einöde hat Mihnea Raducu vor einigen Wochen eine Postkarte aus seinem Briefkasten gefischt. "Sie wurde verschifft und war einige Wochen unterwegs. Das ist schon eine ganz besondere Karte in meiner Sammlung", erzählt er.

Und das will etwas heißen bei Mihnea Raducu. Rund 6000 Postkarten hat der Rumäne in den vergangenen drei Jahren erhalten. Dank Postcrossing.

Das Projekt verbindet Menschen aus aller Welt, ganz unabhängig von Nationalität, Hautfarbe oder Religion. Das simple Prinzip: Für jede versendete Postkarte bekommt man von einem anderen Postcrosser irgendwo auf der Erde eine Karte zurück. Um mitzumachen, ist eine Registrierung bei postcrossing.com nötig. Die Vergabe der Postadressen erfolgt zufällig. Schreiben können die Absender, was sie wollen. Nur die mit der Adresse ausgegebene ID muss auf der Karte auftauchen. Damit kann der Empfang am Zielort bestätigt werden, womit wiederum die Adresse des Absenders für einen anderen Teilnehmer freigegeben wird.

Der Portugiese Paulo Magalhaes gründete das Projekt im Jahr 2005. Und setzte damit eine regelrechte Lawine in Gang. Bis heute wurden mehr als 43 Millionen Postkarten verschickt, die insgesamt 221 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben.

Einige Zehntausend davon gehen auf das Konto von Holger Kaufhold. "Ich habe um die 400 Karten verschickt und erhalten", berichtet der Frankfurter mit belgischem Pass. Er initiierte das erste internationale Postcrossingmeeting am Sonnabend im Collegium Polonicum in Slubice. Die gut ein Dutzend Teilnehmer tauschten bei dem Treffen ihre Erfahrungen aus. Vor allem aber schrieben sie Postkarten. So viele, dass sogar der geplante Stadtrundgang kurzerhand abgesagt wurde. Eigens für das Treffen hatte die Messe- und Veranstaltungs GmbH der Stadt Frankfurt 1000 Karten zur Verfügung gestellt. Mit der Marienkirche und der Stadtbrücke als Motiv. Die polnische Post entwarf zudem einen eigenen Stempel für das Meeting. Die Grüße aus der Doppelstadt sind mittlerweile auf dem Weg an Postcrosser weltweit.

"Ich habe lieber eine Postkarte im Briefkasten als eine Rechnung", erklärt Holger Kaufhold, was ihm an dem Projekt begeistert. Seine Sammlung umfasst Post aus den entlegensten Regionen. Die Marshallinseln, Tuvalu, Palau, die Kanalinsel Jersey. Auch das abgeschottete Nordkorea ist dabei. Wie das? "Es gibt Chinesen, die dort arbeiten und Post verschicken können", erklärt Holger Kaufhold. Schwieriger wenn nicht unmöglich seien postalische Verbindungen nach Eritrea oder Somalia. "In Somalia gibt es derzeit praktisch keine Post", so Kaufhold.

Auch für Mihnea Raducu sind die beiden genannten afrikanischen Staaten noch weiße Flecken auf der Weltkarte. Der Unternehmer reiste am Sonnabend extra aus Peris nahe Bukarest für das Treffen in Slubice an. "Das Flugticket habe ich schon vor drei Monaten gebucht", erzählt Raducu, der online auch eine eigene Postkartenserie mit Flaggen aus aller Welt vertreibt. Postcrossing, sagt er, sei für ihn mehr als bloßer Zeitvertreib. "Wir sind Botschafter unseres Landes. Teil eines internationalen, unpolitischen, sozialen Netzwerkes, das Menschen auf dem Postweg zusammenbringt."

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