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Brennpunkt Bahnhof: Pendler fühlen sich unsicher und fürchten um ihre Räder / Abschließbare Boxen geplant

Fahrräder
Die Angst parkt immer mit

Henriette Brendler und Manja Wi / 11.12.2017, 20:02 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Wer die Fahrradstellplätze am Bahnhof betrachtet, dem bietet sich ein trauriger Anblick: Rahmen ohne Räder und geknackte Schlösser liegen dort. Die Sorge um ihre Fahrräder ist bei vielen Pendlern an der Tagesordnung. Der Statistik zufolge haben die Diebstähle in der Stadt aber nicht zugenommen.

Das Hinterrad ausgebaut, die Kette in der Luft hängend, die Achse verdreht - dieser Anblick eines ramponierten Fahrrads bot sich im November für eine Woche vor den Fahrradständern auf der Südseite des Bahnhofs. Auch der Bereich zwischen den Stellplätzen sieht wenig vertrauenerweckend aus: Rund 20 Schlösser und einige Sättel liegen auf dem Boden, verwaiste Drahtesel mit fehlenden Rädern prägen seit längerer Zeit das Bild.

"Ich habe extra ein altes Bahnhofsfahrrad. Ein neues würde ich hier nicht anschließen. Meinem Mann und einer Kollegin wurden schon Räder gestohlen", erzählt Anja Stürzebecher, die nach Frankfurt zur Arbeit fährt. Eine weitere Frankfurt-Pendlerin sorgt sich vor allem um ihre große bunte Klingel. "Ich habe ein gutes Schloss. Manchmal werden aber auch Einzelteile abgebaut. Meiner Tochter wurde hier mal der Sattel geklaut." Außerdem sei die Beleuchtung bei den Stellplätzen schlecht, der Zwischenraum zu eng.

Ab und zu erhalten fahruntüchtige Vehikel vom Ordnungsamt zwar gelbe Aufkleber mit der Aufforderung zur Abholung. Die Entfernung der Schrotträder seitens der Stadt erfolgte in der Vergangenheit jedoch oft erst Wochen nach dem genannten Stichtag. "Das Ordnungsamt geht alle drei Monate kontrollieren, ob dort Fahrradleichen stehen", sagt Stadtsprecherin Anne-Gret Trilling. Meist geschehe dies am Sonnabend, wenn die Berufspendler nicht da sind, die Lage übersichtlicher sei. Eindeutig als Fahrradleiche zu identifizierende Objekte erhalten den Aufkleber. Die Halter werden gebeten, ihre Räder binnen zwei bis vier Wochen zu entfernen. "Sonst entsorgt sie das Ordnungsamt als herrenloser Müll", sagt Trilling. Bei 30 bis 40 Rädern sei dies jährlich der Fall.

Am Bahnhof gibt es 500 Fahrradstellplätze. Die in Nord werden weniger stark genutzt. Dort will die Stadt 2018 beginnen, abschließbare Boxen aufzustellen, sagt die Sprecherin. 15 bis 20 Stellplätze entstehen zunächst. "Wir wollen sie an langfristige Mieter, wie Dauerpendler vergeben." Zudem gebe es große Nachfrage nach bewachten Plätzen im Zentrum, vor allem von Touristen, die schnell den Dom besichtigen und ihr Reisegepäck auf den Rädern lassen wollen. "Da muss eine Lösung in 2018 her", sagt Anne-Gret Trilling.

Doch zurück zum Bahnhof: Viele Pendler, die abends mit dem Zug eintreffen, fühlen sich nicht sicher. "Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich um 21 Uhr vom Schichtdienst komme. Es fehlen Lampen bei den Fahrradständern. Ich versuche immer, schnell loszufahren", so Anja Stürzebecher. Von "jungen Männern, die sich abends am Bahnhof treffen" und Polizeiautos, die im Dunkeln selten eine Runde drehen, erzählt ein Berufskraftfahrer, der anonym bleiben möchte. Zu sehen sind auch Minderjährige, die sich nach 22 Uhr an den Ständern aufhalten.

Dass sich Jugendliche am Bahnhof treffen, ist der Stadt bekannt. "Die Streetworker der Caritas und wir sind oft mit ihnen im Gespräch und fragen, ob sie Jugendeinrichtungen aufsuchen wollen", sagt Jugendpflegerin Elfi Hirsch. Gerade im Winter. Im Sommer sei der Bahnhof ein beliebter Treffpunkt. Elfi Hirsch findet das auch gut: "Es belebt." Dass die Jugendlichen randalieren, lässt sie so nicht stehen. "Das sind Mutmaßungen. Es ist Aufgabe der Polizei, das herauszufinden. Wichtig ist, dass Vorfälle angezeigt werden, sonst weiß die Polizei nichts davon und fährt dort nicht lang."

Immer wieder würden Jugendliche anregen, mehr Parkplätze und Sitzgelegenheiten am Bahnhof zu schaffen, damit sie nicht auf der Treppe sitzen müssen. "Es nervt sie auch, wenn sie da immer angepampt werden." Letztlich sei das eine Frage des Geldes. Und Ordnungsamtsleiter Christoph Malcher sagt: "Schon 2005, bei der Umfrage zur Kriminalität, stand der Bahnhof an erster Stelle beim Thema Unsicherheit." Er sieht die Lösung in mehr Polizeipräsenz. "Die Stadtverwaltung ist nicht so aufgestellt, dass sie Schichtdienst machen kann", erklärt Malcher. Generell lasse sich der Ansammlung von Jugendlichen nichts entgegensetzen. "Am Ottomar-Geschke-Platz halten sich im Sommer bis zu 80 Jugendliche auf." So etwas beeinträchtige schon das "subjektive Sicherheitsgefühl".

Ob am Bahnhof die kürzlich erfolgte Verlegung der Taxiplätze neben die Fahrradständer dazu beiträgt, dass Diebstähle zurückgehen und Pendler sich sicherer fühlen, wird die Zukunft zeigen. "Wir wollen jetzt den wilden Fahrradstellplatz neben dem Fahrradladen entfernen", kündigt Malcher einen weiteren Schritt an.

Aus der Polizeistatistik

Fahrraddiebstähle zwischen 1. Januar und 31. Oktober20172016Polizeiinspektion:839957davon aufgeklärt6549Fürstenwalde166169davon aufgeklärt613

Schlagwörter

Boxen Elfi Hirsch Fahrradstelleplatz Christoph Malcher Diebstahl

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