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Altes Kinderkaufhaus wird Coworking Space - eine innovative Bürogemeinschaft mit angebundenem Café

Projekt
Neue Arbeitswelt an der Magistrale

Thomas Gutke / 10.01.2018, 19:12 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Sparda-Bank Berlin und das Unternehmen St. Oberholz wollen das ehemalige Kinderkaufhaus in der Magistrale zu einem Coworking-Space ausbauen. Die offene Bürogemeinschaft mit integriertem Café macht moderne Formen des Zusammenarbeitens möglich.

Das einstige Kinderkaufhaus in der Karl-Marx-Straße 182 steht - bis auf wenige Flächen - seit vier Jahren leer. Zuletzt gab es dort einen größeren Elektronikmarkt. Jetzt soll das Gebäude mit einem zukunftsweisenden Ansatz wiederbelebt werden. Für das Projekt im Stadtzentrum haben sich die Sparda-Bank und das Berliner St. Oberholz zusammengetan. Die Unternehmenspartner planen ein Community- und Coworking-Areal auf 750 Quadratmetern. Coworking (sprich: gemeinsam arbeiten) ist in der Arbeitswelt ein neuer Ansatz, der insbesondere für jene Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Einzelkämpfer Sinn ergibt, die sich kein großes Büro leisten können. Coworking-Spaces stellen Arbeitsplätze und alles, was zum Arbeiten benötigt wird (Internet und Telefon, Drucker, Besprechungsräume) zur Verfügung. Die Arbeitsumgebung kann gegen ein flexibles Entgelt individuell genutzt werden - egal, ob nur für eine Stunde oder über eine monatliche Mitgliedschaft. Gleichzeitig profitieren die Nutzer von der Gemeinschaft - durch branchenübergreifende Perspektivwechsel oder Impulse. "Mit diesem einzigartigen Konzept wird eine neue Arbeitswelt erschaffen, in der unterschiedliche Menschen und ihre Projekte aufeinandertreffenden und arbeiten", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Der Coworking-Space in der Magistrale sei bereits seit einem Jahr in Planung. Im März soll mit der Umsetzung begonnen werden, berichtet Nancy Mönch, Sprecherin bei der Sparda-Bank Berlin. Eigentümer und Vermieter des Gebäudes ist Nicolai Schwarzer, vertreten durch die Schwarzer Haus- und Grundbesitzverwaltung in Berlin. Die offizielle Eröffnung ist zum Stadtfest am 13. Juli geplant. Zur Investitionssumme haben beide Projektpartner Stillschweigen vereinbart.

Ansgar Oberholz gehört zu den Pionieren des neuen Arbeitsmodells, das in den USA populär geworden ist. 2005 gründete er das St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Seitdem ist es Anlaufpunkt für viele erfolgreiche Startups gewesen - darunter die Unternehmen SoundCloud, Zalando, Deliveroo oder HelloFresh. In Berlin gibt es noch zwei weitere St. Oberholz-Standorte, am Helmholtz-Platz und in der Zehdenicker Straße. Das Stundenticket kostet 4 Euro, der ganze Tag 15 Euro. Eine monatliche Mitgliedschaft ist ab 99 Euro zu haben.

Ganz neu ist die Idee auch in Frankfurt nicht. Das Land und die Europa-Uni Viadrina planen ebenfalls einen Coworking-Space für Studenten. Dafür soll die alte Mensa umgebaut werden.

Die Berliner Sparda-Bank reagiert mit der Projektbeteiligung auf die zunehmende Digitalisierung im Privatkundengeschäft und den Kulturwandel in der Arbeitswelt allgemein. Sie sieht in dem Ansatz vor allem ein Experimentierfeld abseits des klassischen Filialbetriebs. "Wir werden in unserem Marktgebiet weiterhin präsent sein, dies aber anders definieren", erklärt der Vorstandsvorsitzende Frank Kohler. Die Filiale am Zehmeplatz soll demnach in absehbarer Zeit geschlossen und in den Coworking-Space integriert werden. Frankfurt diene als Prototyp.

"Kaum eine Branche sieht sich mit dermaßen großen Umbrüchen in naher Zukunft konfrontiert wie die Banken", ergänzt Ansgar Oberholz. "Filialkonzepte mit Hilfe von Coworking und Prinzipien der Neuen Arbeit radikal neu zu denken, ist ein innovativer und begeisternder Ansatz, der ganz bestimmt viel mehr als nur das Verhalten der Kunden verändern wird."

Bei dem Projekt stehe die Sparda-Bank vor allem beratend zur Seite, bleibe ansonsten aber im Hintergrund. Das St. Oberholz übernehme das operative Geschäft. Vorgesehen ist auch ein öffentlich zugängliches Café. "Dazu führen wir bereits Gespräche mit regionalen Anbietern", erklärt Nancy Mönch.

"Hallo Blok O" lautet der Arbeitstitel für die Bürogemeinschaft. Im Bebauungsplan von 1959 wurde das Gebäude als Block O bezeichnet. Mit der polnischen Schreibweise Blok O wollen die Initiatoren die Zusammengehörigkeit von Frankfurt und Slubice betonen.

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Jan Wroblewski 10.01.2018 - 21:25:24

Workspace ohne Work. Funktioniert das?

Vielleicht sollte man sich mehr darauf konzentrieren Arbeit zu schaffen. Studenten,die grade mal einen Wohnheimplatz bezahlen können,werden wohl eher weniger bereit sein für einen "Workspace" noch zu bezahlen. Die Startups und Kleinunternehmen, wird man wohl eher in Berlin finden. Immerhin ist das Gebäude mal saniert worden,wenn es nach 2 Jahren wieder leerstehen wird.

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