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Trainer Jörg Winkler und Aleksander Harisanow über Bundessichtung und Perspektiven der FRC-Radsportler

"Im April, Mai wird es dann ernst"

Startvorbereitung zum Sprint: Bei der Bundessichtung wird Alexander Bahyrycz von Trainer Aleksander Harisanow gehalten.
Startvorbereitung zum Sprint: Bei der Bundessichtung wird Alexander Bahyrycz von Trainer Aleksander Harisanow gehalten. © Foto: FOTO Michael Benk
Kerstin Bechly / 11.01.2018, 05:02 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit einer Bundessichtung des BDR sind die jungen Bahnsprinter in der Frankfurter Oderlandhalle in das Sportjahr gestartet. Welche Rolle dieser Test spielt und welche Brandenburger Kader Potenzial haben, erfuhr Kerstin Bechly von Bundestrainer Sprint Jörg Winkler und dem Cottbuser Trainer Aleksander Harisanow.

Herr Winkler, wie viele Sportler haben sich der zweitägigen Sichtung des Bundes Deutscher Radfahrer gestellt?

Gemeldet hatten 46 Bundes- und Landeskader der Jugend, Junioren und U 23. Mit Lea-Sophie Friedrich (RST Dassow) und Emma Götz (RV Elxleben) sowie Elias Edbauer (RV Dudenhofen) waren drei Vize-Juniorenweltmeister im Teamsprint dabei sowie die WM-Teilnehmerin bei den Frauen Emma Hinze vom Team Brandenburg. Auf dem Programm standen die Wettbewerbe 200 Meter Qualifikation und Sprint sowie am zweiten Tag 500 bzw. 1000 m und Keirin.

Die jetzige Sichtung bildete den Auftakt zu insgesamt vier Terminen in Frankfurt. Welche Rolle spielte sie?

Die Sichtungen dienen generell der zentralen Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Kader. Im Januar geht es um eine Standortbestimmung, nachdem im vergangenen Herbst Kader bestätigt und neue berufen worden waren. Die Ergebnisse haben noch einen geringen Einfluss auf künftige Entscheidungen. Aber wir besprechen mit den Trainern, wie sich das weitere Training gestalten sollte.

Bei den nächsten Terminen wird es dann ernster?

Ja, im April und Mai folgen die Nominierungsrennen, auch für den Teamsprint. Für die Junioren und U 23 geht es schon um die Teilnahme an den Europa- und Weltmeisterschaften. Wir bilden 12-köpfige Kader mit Sportlern aus dem jeweils jüngeren und älteren Jahrgang, in der Regel mit mehr Jungen als Mädchen, weil zum Beispiel im Teamsprint der männlichen Altersklasse zu dritt gefahren wird, bei den weiblichen AK zu zweit. Nach dem Wettkampfjahr, zur Sichtung im September, beginnt der Kreislauf von Neuem.

Welchen Überprüfungen müssen sich die Sportler neben Sichtungen, Wettkämpfen wie Sprintcup und Deutschen Meisterschaften noch unterziehen?

Es gibt komplexe Leistungsdiagnosen mit Leistungskurbel, bei der die Kraft auf beiden Beinen überprüft wird, und Laktattest. Die werden genauso wie die Athletiküberprüfung und medizinischen Checks mehrfach im Jahr bei der Sportmedizin am OSP Berlin durchgeführt.

Herr Harisanow, wie zufrieden sind sie mit den Leistungen der Frankfurter Sportler am Wochenende?

Alexander Bahyrycz aus der Jugend und Junior Patrick Winter vom FRC 90 waren zwei von acht Sprintern der Cottbuser Sportschule, die ich betreut habe. Für beide ging es darum, in der 200-m-Sprint-Qualifikation und im Zeitfahren über 500 Meter ihre Saisonbestzeiten des Vorjahres zu bestätigen. Das ist ihnen gelungen. Im Sprint hat sich Patrick auf 11,748 Sekunden verbessert. Alexander erreichte 11,459. Er fuhr im Sprint und Zeitfahren auf den 3. Platz.

Welche Perspektiven sehen Sie für die beiden?

Beide sind Landeskader, Alexander kann es in den Bundeskader schaffen. Er könnte ein guter Sprinter werden oder ein guter 1000-m-Zeitfahrer. Wohin es geht, wird sich zeigen. Seine Platzierungen bei der Sichtung entsprechen dem, wo er hingehört. Patrick trainiert sehr fleißig und es zeigt sich ein positiver Leistungstrend, aber seine physiologischen Voraussetzungen werden wohl nicht für die Spitze reichen.

Wer gilt noch als Brandenburger Hoffnung im Sprintbereich?

Das ist Anton Höhne vom RSC Cottbus, einer der Spätentwickler, der vom Zauber der Pubertät profitiert. Er wuchs innerhalb von zwei Jahren um 28 Zentimeter, ist jetzt 1,90 Meter groß. Seit ungefähr 16 Monaten kann er wieder uneingeschränkt trainieren. Er hat es zweimal in den BDR-Kader geschafft und sieht sich bei den Junioren als 17-Jähriger einem starken älteren Jahrgang gegenüber. Bei der Sichtung gewann er den Sprint, war Zweiter im Zeitfahren. Sein bestes Ergebnis bei der DM Bahn 2017 war Platz 4 im Olympischen Sprint.

Herr Winkler, den Weg vom Jugendkader in der U17 bis zum Hochleistungskader zu gehen, ist ein langer Weg. Wie viele schaffen es?

Wenn von 12 Kadern in jedem Jahrgang ein bis zwei ganz oben ankommen, ist das gut. Die Weltklasse-Sprinter Maximilian Levy oder Kristina Vogel, die hier in Frankfurt zuletzt beim Kreisel gestartet sind, sind zum Beispiel diesen Weg gegangen.

Nicht jeder startet von kleinauf durch?

Wie Anton Höhne war auch Joachim Eilers vom Chemnitzer PSV ein Spätentwickler, der bis zum Juniorenbereich ohne Medaille blieb und erst bei den Männern in die Weltspitze fuhr.

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