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Startschuss für Coworking-Projekt in der Karl-Marx-Straße / Sparda-Bank und St. Oberholz bauen altes Kinderkaufhaus um

Projekt
Ein Hauch von Gründerluft in Frankfurt

Thomas Gutke / 25.01.2018, 07:13 Uhr - Aktualisiert 25.01.2018, 13:44
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein Vordenker der Berliner Startup-Szene und eine Genossenschaftsbank holen ein Stück Berlin-Mitte nach Ostbrandenburg. Sie bauen das frühere Kinderkaufhaus in der Magistrale zu einem Coworking-Space um - ein vernetzter Arbeitsort für alle. Jetzt fiel der Startschuss für das privat finanzierte Projekt.

Noch hängen Kabel lose von der Decke. Auf den Böden liegen Schmutz, Schutt und Schrauben. Und an einer Tür wirbt ein Plakat für das "neue I-Phone 4" - 2010 kam es in den Verkauf. Seit der Elektronikmarkt vor vier Jahren dicht machte, stehen in der Karl-Marx-Straße 182 gut 750 Quadratmeter Gewerbefläche leer. Doch das wird sich bald ändern. Die Sparda-Bank und das St. Oberholz aus Berlin bauen einen Großteil des Gebäudes zu einem vernetzten Arbeitsort um - Coworking-Space genannt. Ein Konzept, dem Attribute wie Kreativität, Innovation und Gründergeist vorauseilen.

"Die Arbeitswelt verändert sich rapide", sagt Ansgar Oberholz beim Vor-Ort-Termin in Frankfurt. Er gründete das St. Oberholz 2005 am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte - heute einer der Hotspots der Gründerszene Berlins. "Auf der einen Seite wird die Arbeit immer dezentraler, auf der anderen immer vernetzter", erklärt der Unternehmer. "Der Motor des Ganzen ist die Digitalisierung, die keine Branche, kein Arbeitsumfeld unberührt lässt".

Coworking-Spaces reagieren auf diesen Wandel, in dem sie einen Ort mit vielen Möglichkeiten für Freiberufler, Berufspendler, Firmen aus allen möglichen Branchen bereitstellen. Von der Paarberaterin über den Betriebsrat bis zum Team eines größeren Unternehmens, das in kreativer Umgebung auf andere Gedanken kommen, sprich Gründerluft schnuppern soll. "Genau das ist die große unbekannte Wolke, auf die wir uns auch hier in Frankfurt freuen, zu sehen, von wem eine solche Coworking-Struktur genutzt wird", meint Ansgar Oberholz. Die Community, die Gemeinschaft, sei "das schlagende Herz eines Coworking-Space, nicht so sehr die Tische und der Kaffee".

Die Sparda-Bank will Teil des Konzeptes werden. "Für uns ist das ein großes Experimentierfeld", betont Martin Laubisch, Vertriebsvorstand bei der Genossenschaftsbank. Spätestens Mitte 2019 wird die Filiale am Zehmeplatz geschlossen und mit in den Coworking-Space integriert. Dezent, so Laubisch. "Natürlich haben wir als Bank hohe Ansprüche an Diskretion, Bankgeheimnis und Sicherheit. Wir brauchen auch weiterhin Räumlichkeiten, wo wir Kunden diskret beraten können. Aber auch das gibt das Konzept ja her."

Der Entwurf sieht aufeinander aufbauende Servicelevel vor. Für jedermann zugänglich soll ein großer Bereich mit Café im Erdgeschoss sein. Im nächsten Level können sich Nutzer per Tagesticket - das im St. Oberholz in Berlin 15 Euro kostet - einen freien Arbeitsplatz aussuchen, haben schnelleres Internet, die Anbindung an einen Drucker und den Zugang zur Gemeinschaft. Eine weitere Stufe ist die Membership, eine Mitgliedschaft. "Darüber hat man Zutritt zu allem und vergünstigte Konditionen bei Leistungen wie dem Postservice", erläutert Ansgar Oberholz. Neben flexibel mietbaren Räumen (für Meetings, Workshops, Events) werden im Obergeschoss dann auch abschließbare, feste Räume für größere Teams wie die Sparda-Bank zur Verfügung stehen. Ein Coworking-Space ist also am Ende das, was die Menschen aus ihm machen.

"Wir haben uns gefragt: Wie geht es mit unseren Filialen weiter? Denn um seinen Kontostand abzufragen oder eine Überweisung zu tätigen muss heutzutage kein Mensch mehr in eine Filiale", erklärt Martin Laubisch die Motivation der Sparda-Bank. Deshalb habe man etwas Neues ausprobieren wollen. "Auch auf die Gefahr hin, sagen zu müssen, okay, das war nichts, lass uns etwas anderes versuchen."

Am 13. Juli schon, zur Eröffnung des Stadtfestes, soll der Coworking-Space eröffnen. Für das öffentliche Café arbeite man mit einem regionalen Anbieter zusammen. "Den können wir noch nicht bekannt geben. Aber wir haben den Anspruch, dass es hier den besten Kaffee der Stadt geben wird", erklärt Laubisch selbstbewusst. Schließlich habe der Ort eine gewisse Kaffeetradition. In unmittelbarer Nachbarschaft des 1963 eröffneten, und später Kinderkaufhaus genannten Gebäudes "gab es früher die Kaffeetasse und die Milchbar. Das waren zwei Anziehungspunkte im Frankfurt der 60er Jahre", berichtet der Bank-Vorstand. Worüber er sich besonders freut: Als Leihgabe des Stadtarchives soll ein 6,50 Meter mal 1,80 Meter großes Triptychon des Grafikers Gerhard Oßmann, das einst in der Kaffeetasse hing, eine Wand im Blok O - so der Name des Coworking-Spaces - schmücken.

Als Block O tauchte das Gebäude 1959 in einem Bebauungsplan auf. Der um das c eingekürzte Name ist also eine Referenz an die Geschichte des Ortes. Für die Projektpartner ein wichtiger Punkt. Ansgar Oberholz: "Eine Sonnenseite der Digitalisierung ist, dass durch das Digitale das Analoge wieder mehr betont wird. Orte, Gebäude, in denen sich Menschen aufhalten und arbeiten, haben heute wieder eine ganz andere Bedeutung als früher."

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