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Laut Innenministerium wird die alte Bunkeranlage in der Bahnhofstraße seit vorigen Jahr von der "Kameradschaft Kommando Werwolf" genutzt.

Großeinsatz
Polizei löst Treffen rechter Rocker auf

Rechter Szenetreff: der mit einer Papierbanderole versiegelte Eingang zur Bunkeranlage in der Innenstadt
Rechter Szenetreff: der mit einer Papierbanderole versiegelte Eingang zur Bunkeranlage in der Innenstadt © Foto: René Matschkowiak
Thomas Gutke / 06.02.2018, 09:48 Uhr - Aktualisiert 06.02.2018, 15:03
Frankfurt (MOZ) In einer alten Bunkeranlage in der Bahnhofstraße hat die Polizei am Sonnabend ein Konzert von Rechtsextremen aufgelöst. Nach Angaben des Innenministeriums wird die Immobilie seit dem vorigen Jahr von der „Kameradschaft Kommando Werwolf“ genutzt. Der Verfassungsschutz des Landes beobachtet die Gruppierung schon länger.

Es war eine beunruhigende Szene am frühen Samstagabend in der Heilbronner Straße. Vor dem ehemaligen Lichtspieltheater der Jugend standen mehrere Fahrzeuge der Polizei, dazu Pkw von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes. Das Ziel der Einsatzkräfte war ein ehemaliger Luftschutzbunker, der sich etwas versteckt hinter dem Alten Kino befindet. Dort verhinderte das Großaufgebot offenbar zum wiederholten Male ein Konzert rechtsextremer Rocker.

Laut Ordnungsdezernent Markus Derling hatte die Stadt einige Tage im Vorfeld von der Veranstaltung erfahren. „Da für die Anlage keinerlei baurechtliche Genehmigungen für Veranstaltungen vorliegen, haben wir hier eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Die Polizei haben wir dann um Amtshilfe gebeten, um die Vollziehung durchzusetzen“, erläutert Derling. Er war an dem Abend auch selbst vor Ort, um sich ein Bild vom Einsatz zu machen.

Nach Angaben von Bärbel Cotte-Weiß von der Polizeidirektion Ost sei eine Musikveranstaltung im Bunker geplant gewesen. Trotz des amtlichen Verbots hätten die Beamten 21 Personen angetroffen. „Die Veranstaltung wurde aufgelöst und die Personen verhielten sich kooperativ“, erklärt die Sprecherin. Der Einsatz dauerte bis Mitternacht an.

Die Polizeidirektion bestätigte, dass ein Teil der Gäste der rechten Szene und der „Kameradschaft Kommando Werwolf“ (KSKW) zuzuordnen seien. Dabei handelt es sich um eine rechtsextremistische Gruppierung, die sich als „Bruderschaft“ organisiert. Rechtsextreme Rocker werden seit längerem von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Sie kopieren den Lebensstil von Motorradgangs, übernehmen deren Äußerlichkeiten wie Lederkutten mit Vereinsabzeichen oder die streng hierarchischen Strukturen. Ziel der „Neonationalsozialisten“ sei es, „den inneren Zusammenhalt zu fördern und einen vermeintlich elitären Zirkel zu formen. Öffentliche, politische Auftritte sind eher die Ausnahme“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2016. In Brandenburg existieren demnach sieben „Bruderschaften“, darunter die „Kameradschaft Kommando Werwolf“. Sie hat nach Angaben der Verfassungsschützer bis zu 15 Mitglieder und setzt sich aus Rechtsextremisten aus Frankfurt, Beeskow und Gardelegen zusammen.

Seit dem vergangenen Jahr trifft sich die Gruppe dabei offenbar regelmäßig in dem mehr als 50 Jahre alten Luftschutzbunker. Das geht auch aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Andrea Johlige hervor. Darin sind acht Immobilien aufgelistet, die in Brandenburg von Rechtsextremen genutzt werden, wozu auch die 230 Quadratmeter große Bunkeranlage in Frankfurt zählt. Die KSKW nutze das Objekt als Clubhaus, für Szenefeiern oder Konzerte. So unter anderem auch am 2. September 2017, als die Polizei dort eine Veranstaltung mit rund 70 Besuchern auflöste.

Nach Auskunft von Markus Derling hat die Stadt den Luftschutzbunker nach der Räumung versiegeln lassen. Die Nutzungsuntersagung gelte bis auf weiteres. Aus Sicht von Jan Augustyniak vom Bündnis Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder) ist das zu wenig. „Rechtsrock-Konzerte gelten als Erlebniswelt in der extrem rechten Szene und als Anknüpfungspunkt für insbesondere junge Menschen, um ihr rechtes Weltbild noch weiter zu verdichten“, sagt er. „Wir werden es nicht schweigend hinnehmen, dass solche Veranstaltungen mitten in Frankfurt stattfinden und kritisieren, dass der Veranstaltungsort nachwievor leicht zugänglich ist und fordern die Stadt zum Handeln auf.“ Rechtsrock lebe „von menschenverachtenden, rassistischen, antisemitischen und neonazistischen Inhalten“, ergänzt Jannek Lassau vom Verein Utopia, der sich für Flüchtlinge engagiert. Auch er fordert eine Auseinandersetzung mit dem Thema in der Stadt. „Schweigen und Wegschauen sind hier nicht angebracht.“

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Marek Lüddner 07.02.2018 - 11:05:16

Veranstaltungsort

Dieses Objekt war früher ein Lager für die Polizei und Feuerwehr. Es besitzt weder ausreichend Fluchtmöglichkeiten noch sanitäre Anlagen. Es stand lange zum Verkauf/Vermietung genau wie der andere Bunker. Laut meiner Kenntnis wurde die Nutzung einer örtlichen Autoschraubergruppe vor einigen Jahren untersagt. Mich würde interessieren unter welchem Vorwand dieses Objekt gekauft wurde. Ich hatte gehofft, da macht mal wer ne nette Bar draus. Schade. Jetzt gehört er rechtsradikalen Fanatikern. Extremismus ist halt angesagt.

Kurt Crampmeyer 06.02.2018 - 18:31:27

Nutzungsuntersagung aufgrund fehlender baurechtlicher Genehmigungen

„Die Veranstaltung wurde aufgelöst und die Personen verhielten sich kooperativ“ Der Artikel suggeriert zwar, dass geradeso eine erneute Machtergreifung noch mal abgewendet wurde, aber wenn ich genauer lese, dann wurde die Veranstaltung nur wegen der fehlenden baurechlichen Genehmigung untersagt. >>> Insofern führen die Überschrift als auch große Teile des Textes in die Irre. Fragt sich, ob ein Treffen von Ornithologen oder Philatelisten an selbiger Stelle ebenso strikt aufgelöst worden wäre oder ob da mit zweierlei Maß gemessen wurde, quasi als Mittel zu Zweck. Was Jan Augustyniak vom Bündnis Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder) dazu zu sagen hat, ist jedenfalls nicht Grundlage der Untersagung, auch wenn das der Artikel dem flüchtig Lesenden so zu suggerieren versucht.

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