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Neunjährige Kameruner Ziwo vom SC Frankfurt holt hinter Ian Kehder Bronze im Leichtathletik-Mehrkampf

Leichtathletik
Guiberts erster Sprung in den Sand

Bronze in der Teamwertung der U12: die Frankfurter Leichtathleten Guibert Djouaka Ziwo, Mattes Hanschke und Ian Constantine Kehder (von links) nach ihrem Mehrkampf
Bronze in der Teamwertung der U12: die Frankfurter Leichtathleten Guibert Djouaka Ziwo, Mattes Hanschke und Ian Constantine Kehder (von links) nach ihrem Mehrkampf © Foto: Susanne Thielemann
Ricarda Bohrisch, Kerstin Bechl / 24.02.2018, 05:46 Uhr - Aktualisiert 24.02.2018, 16:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Nach zwei medaillenlosen Jahren bei Hallenlandesmeisterschaften im Mehrkampf der U12 bis U16 holten die Leichtathleten des SC Frankfurt jetzt dreimal Edelmetall. In Cottbus maßen sich je sechs Frankfurter Mädchen und Jungen unter 303 Teilnehmern aus 34 Vereinen.

Die jüngsten erwiesen sich beim Mehrkampf aus Sprint, Weitsprung und 800 m als die erfolgreichsten SC-Athleten. Nicht ganz unerwartet gelang dem talentierten lauf- und kampfstarken Ian Constantine Kehder (M10) der Sprung aufs Podest. Nach 50 m (8,13 s) und Weitsprung (3,88 m) mit persönlichen Bestwerten auf Platz 6 liegend, spielte er seine Stärke über 800 Meter aus. Der fast Zehnjährige siegte nicht nur in seinem Lauf mit zehn Sekunden Vorsprung, sondern ließ mit sehr guten 2:49,11 min insgesamt alle 21 Konkurrenten hinter sich. Mit 1089 Punkten sicherte sich Ian Kehder den Titel als Mehrkampf-Vize-Landesmeister der M10.

Als kleiner Held und riesengroße Überraschung wurde Guibert Djouaka Ziwo gefeiert, der sich mit nur fünf Punkten Rückstand auf seinen Vereins- und Klassenkameraden Bronze erkämpfte. "Guibert ist ein Naturtalent. Er hat im Dezember den Nikolausstiefel für Frankfurter Grundschulen in seiner Altersklasse gewonnen, wir haben ihn angesprochen und seitdem trainiert er regelmäßig. Er ist sehr aufmerksam und mit seiner sozialen und lebensfrohen Art eine echte Bereicherung für die Trainingsgruppe", beschreibt Übungsleiterin Ricarda Bohrisch den kleinen Kameruner, der seit einem Jahr in Deutschland lebt.

Mit der neuen Umgebung in der Cottbusser Leichtathletikhalle, die sich eben sehr von einer Schulsporthalle unterscheidet, kam Guibert super zurecht. Obwohl er erst zweimal mit dem Startblock trainiert hatte, startete er als Schnellster seines Laufes und siegte deutlich. 7,76 s bedeuteten die zweitschnellste Zeit im Gesamtfeld. Im ersten Sprung seines Lebens in eine Weitsprunggrube - im Winter üben die SC-Leichtathleten auf Matten - landete der Kameruner gleich bei 4,15 m. "Dass er in eine Sandgrube springen sollte, fand Guibert komisch. Und seine Weite konnte er nicht einordnen. Es war wirklich die Zweitbeste", gibt Ricarda Bohrisch dessen Eindrücke wieder, die für Schmunzeln sorgten. Spannend sollte es mit der letzten Disziplin, den 800 m, werden. Dass Guibert die vier Runden wegen der ungewohnten Länge schwerfallen würden und Erfahrungen in der Laufeinteilung fehlten, war allen klar. Doch mit Kampfgeist und einem Schlussspurt rettete der Neunjährige mit der 14.besten Zeit (3:08,98) die Bronzemedaille. Am Ende gab es sogar noch eine weitere: Denn die U-12-Mannschaft des SCF mit Ian Kehder, Guibert Djouaka Ziwo und Mattes Hanschke (24./M11) belegte in der Mannschaftswertung mit dem SC Potsdam II den 3. Platz.

Bei den Mädchen der W 10 erreichte Meggan Rusko als Vierte das beste Frankfurter Ergebnis. Trotz dreier Bestleistungen und unter den besten Vier im Weitsprung (3,89) und über 800 m (2:56,99) hatte der auch sehr guten Schwimmerin die Spritzigkeit im Sprint gefehlt, um sich eine Medaille zu sichern.

Lisann Kubinski erlebte wie Guibert ihre ersten Landesmeisterschaften. Sie verbesserte sich im Weitsprung und Sprint deutlich, konnte aber vorn nicht mitmischen. Ihr großes Plus für die Zukunft: "Lisann ist im Training sehr bemüht und zielstrebig", so Ricarda Bohrisch.

Im Jahrgang 2007 starteten vier Mädchen des Vereins, die sich unter 43 Teilnehmerinnen auf Platz 22 bis 31 einordneten. Eleonora Harth gelang die beste Platzierung. Die Gunst der Betreuer und Zuschauer hatte Amelie Sobe auf ihrer Seite. Denn beim Start zum 800-m-Lauf erhielt sie einen Tritt in die Hacke, verlor einen Schuh und lief dennoch tapfer alle Runden durch. Sie erreichte trotz des Handicaps eine gute Zeit im Mittelfeld.

Die Jungen der M 12 bewältigten im Mehrkampf erstmals den 60-m-Sprint, bei dem Aidan Ballaschke mit 9,66 s deutliche Trainingsfortschritte zeigte, aber noch viel Luft nach oben ist. Beim Sprung vom Balken im Weitsprung kam er genau wie Tim Thielemann nicht so gut zurecht. Tilo Luedecke (M13) verletzte sich und konnte die 800 m nicht mehr voll laufen.

Am 3. März können sich die SC-Athleten bei den Landeshallenmeisterschaften Einzel noch einmal beweisen. 16 Frankfurter sind gemeldet.

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Susanne Mattern 27.02.2018 - 15:26:21

Daran hat noch keiner gedacht....

Ich war als zuschauende Tante mit meiner Nichte in einer höheren Altersklasse persönlich in Cottbus und kann die gehegten Zweifel gut verstehen. Auch nach meiner persönlichen Einschätzung wäre ein Start des kleinen Mannes nach seinem äußeren Erscheinungsbild wohl in der AK U14 glaubhafter gewesen. Das Problem mit den UMA kennen wir. Beim sog. Erstscreening des BAMF wird nach dem Alter gefragt und gut. Da die Kameruner Kinder eigentlich alle zum Fußball wollen, ist es wohl schon Usus, dass hier geschummelt wird, um beim Talentscouting als z.B. überragender 11jähiger aufzufallen, obwohl das Kind schon 14 ist. Ob dies vorliegend so ist, möchte ich natürlich keineswegs behaupten. Eine Trainingsaufnahme im Dezember und gleich solch überragende Leistungen mit "Naturtalent" zu begründen, macht zumindest nachdenklich. Vielleicht ist es doch so, dass hier ein gehöriger Altersvorsprung der Grund war. Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass wie bei DM auch bei LM eine Teilnahme ausgeschlossen werden müsste. Der LAV Brandenburg setzt sich für Fairness und Gleichberechtigung ein. Was soll der Viertplazierte in diesem Fall denken? Fraglich ist aber auch, welchen Wert mögliche Bestleistungen oder Rekorde haben, die so in die offiziellen Statistiken eingehen? Beim Fußball wird nur die Manschaftsleistung gemessen. Hier geht es um erreichte Ergebnisse der einzelnen Kinder. So sehr sich der Frankfurter Verein über den Erfolg freut, es bedarf mit Blick auf die Zukunft klarer Regeln für solche Zweifelsfälle. Da hilft keine Meldebescheinigung, auf der steht, das Kind sei 9.

Michael Nonnen 24.02.2018 - 15:40:50

Herzlichen Glückwunsch

Ein toller Erfolg und sicher eine gute Motivation für das kommende Training. Allerdings darf auch kritisch nachgefragt werden, on Guibert tatsächlich erst 9 Jahre alt ist oder tatsächlich schon 11,12, oder 13. Bei den Fußballvereinen im Land haben wir gerade bei den größeren "Kindern" aus Kamerun oft das Problem, dass uns halbe Männer gegenüberstehen und wir unseren Kleinen das erklären müssen.

Michael Nonnen 24.02.2018 - 15:24:03

Herzlichen Glückwunsch

Ein toller Erfolg und sicher eine gute Motivation für das kommende Training! Allerdings darf hier auch kritisch nachgefragt werden, ob Guibert tatsächlich erst 9 Jahre alt ist oder wie bei vielen Fußballvereinen im Land tatsächlich schon 11, 12 oder 13. Gerade bei größeren "Kindern" aus Kamerun erleben wir leider allzu oft, dass uns halbe Männer gegenüberstehen und wir dies unseren Kleinen erklären dies erklären müssen.

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