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100 Teilnehmer zeigen bei 28. Theatertagen in Frankfurt ihre Stücke und erarbeiten zusammen eine Performance

Theatertage
Kafkas Käfer verbindet

Szene aus „Das andere Gesicht“: Mit dem anspruchsvollen Stück eröffnet eine interkulturelle Jugendtheatergruppe am Mittwoch am Liebknecht-Gymnasium die 28. Theatertage.
Szene aus „Das andere Gesicht“: Mit dem anspruchsvollen Stück eröffnet eine interkulturelle Jugendtheatergruppe am Mittwoch am Liebknecht-Gymnasium die 28. Theatertage. © Foto: Frank Radüg
Thomas Gutke / 07.04.2018, 07:15 Uhr - Aktualisiert 07.04.2018, 09:34
Frankfurt (Oder) (MOZ) 1912 verwandelte Franz Kafka Gregor Samsa in einen Käfer. Die Erzählung über Fremdheit und Isolation hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.  Bei den 28. Theatertagen für Kinder und Jugendliche, die am Mittwoch beginnen, verbindet Kafkas Text als Versvariante 100 Teilnehmer aus fünf Ländern.

Wo endet das Vertraute? Wo fangen Verlorenheit und Entfremdung an? Es sind große Fragen, denen die Teilnehmer des Theaterfestivals in diesem Jahr nachspüren. Überschrieben ist es mit dem Motto: „Wenn der Alltag fremd Dir wird“. Vom 11.–15. April zeigen etwa 100 Kinder, Jugendliche, Laienspieler und Profis ihre Stücke. Spielorte sind das Theater Frankfurt, das Mikado, die Hutten-Buchhandlung, das Liebknecht-Gymnasium und das Kleist.Forum. Neben Gruppen aus Frankfurt, Rostock und Schwedt sind auch Gäste aus Litauen, Indien, Italien und Polen zu Gast. Und eine besondere Rolle spielt erneut der Inklusionsgedanke. Denn zu den Teilnehmern gehören neben Menschen ganz unterschiedlichen Alters auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

„Das Thema impliziert Veränderungen von außen und innen, und wie diese wahrgenommen werden“, sagt Christina Hohmuth. Sie und Frank Radüg vom Theater Frankfurt organisieren das von der Stadt unterstützte Festival, das am Mittwoch um 18.30 Uhr im Liebknecht-Gymnasium mit dem Jugendstück „Das andere Gesicht“ eröffnet wird. Frank Radüg hat es mit mit Schülern vom Gymnasium und dem OSZ, darunter auch aus Flüchtlingsfamilien, inszeniert. In das anspruchsvolle Bühnenstück flossen viele persönliche Erfahrungen mit ein. Es gehe, erklärt Christina Hohmuth, um die Freundschaft zwischen zwei Jungen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Und um das Aufeinanderprallen von Erwartungen, Hoffnungen, Lebenswelten. Eine unbequeme Erkenntnis: Guter Wille allein löst keine Konflikte.

„Es ist nicht mehr so einfach, Jugendliche ins Theater zu bekommen. Ein Festival ist ein prima Gelegenheit dazu“, meint Frank Radüg. Das Programm ist vielfältig und international. 15 Veranstaltungen sind geplant – vom italienischen Kinderstück Pinocchio bis „Sachte, sachte – immer achte – doch auf Dich“, dem Stück einer inklusiven Theatergruppe aus Rostock. Ein Höhepunkt ist der Auftritt einer Gruppe aus Indien, die das Theater Frankfurt auf einem Festival in Triest kennengelernt und eingeladen hatte. Sie zeigen „Illuminationen vom Tanz“ – Szenen eines mehr als 2000 Jahre alten indischen Stückes.

An allen Tagen bringt Franz Kafka die Festivalteilnehmer zusammen. In Werkstätten erarbeiten die Schauspieler Szenen der Erzählung „Die Verwandlung“. Die Geschichte über Gregor Samsa, den Handlungsreisenden, der als Käfer aufwacht, biete idealen künstlerischen Stoff, um das Fremdsein auszuloten, findet Christina Hohmuth. Textgrundlage ist eine Versvariante des Originals. „Am Ende wollen wir das in einer etwa halbstündigen Performance zusammenbringen“, sagt sie. Die Präsentation findet am Sonntag, 15. April, 11 Uhr, im Mikado statt.

Das komplette Programm ist auf www.theater-ff.de zu finden. Karten kosten 5, ermäßigt 3 Euro.

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