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Jürgen Hintze erhält die Leopold-Medaille für sein Engagement in der Singakademie

Leopold-Medaille
Der Knabenchor als Familie

Große Freude: Jürgen Hintze (li.) hat die Leopold-Medaille vom Präsidenten des Rotary-Clubs Frankfurt, Hans Martin Roland, überreicht bekommen.
Große Freude: Jürgen Hintze (li.) hat die Leopold-Medaille vom Präsidenten des Rotary-Clubs Frankfurt, Hans Martin Roland, überreicht bekommen. © Foto: Winfried Mausolf
Frauke Adesiyan, MOZ / 24.04.2018, 06:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Seit 1981 leitet der mittlerweile pensionierte Kinderchirurg Jürgen Hintze den Knabenchor der Singakademie. Am Montagabend ehrte ihn der Rotary-Club mit der Leopold-Medaille für sein Engagement.

Das musikalische Programm zu seiner Ehrung mit der Leopold-Medaille hat Jürgen Hintze natürlich selbst gestaltet. „Aber heute dirigiere ich nicht“, sagt der 72-jährige pensionierte Kinderchirurg, den die allermeisten in der Stadt als Leiter des Knabenchores der Singakademie kennen. Seit der Gründung 1981 leitet Hintze den Chor, der derzeit rund 60 Sänger umfasst – es waren auch schon mal 100.

Was in all diesen Jahren immer gleich blieb, ist die Waage zwischen Toleranz und Durchsetzungsvermögen, die Hintze im Umgang mit den Jungen zu halten versucht. „Man erreicht nichts, wenn jeder macht, was er will. Singen ist ein Gemeinschaftssport“, betont er. Und die Zeiten haben sich geändert. „Wenn die Jungs früher von der Nachwuchsgruppe in den Chor gewechselt sind, waren sie mucksmäuschenstill. Jetzt muss ich auch mal lauter werden“, sagt er. Zur Hälfte sei seine Arbeit eine künstlerische, die andere Hälfte seien soziale Aufgaben, schätzt er sein Ehrenamt ein. Und er betont, wie sehr die Auszeichnung auch seiner Kollegin Doris Blenck gebührt, die unter anderem die Nachwuchsgruppe betreut.

Aufgewachsen ist Hintze als Halbwaise und Nachkriegskind in Berlin, mit viel Zuneigung von seiner Mutter und Großmutter. Er lernte intensiv Gitarre, später Klavier, entschied sich aber für ein Studium der Medizin. Als Arzt ging er 1973 nach Frankfurt und wurde mit Neugründung der Singakademie deren Mitglied. In Berlin hatte er in der dortigen Singakademie gesungen und auch kirchliche Chorproben geleitet. In Frankfurt nahm er diese Arbeit wieder auf.

Neben all der Zeit und Kraft, die Hintze in diesen Chor steckt, ist es wohl vor allem seine Art im Umgang mit den Jungen, die ihn auszeichnet. Laudator und Singakademie-Leiter Rudolf Tiersch spricht von großer menschlicher Wärme und überbordender Energie. „Alle, die Mitglieder seiner Chöre waren und sind, schätzen das von ihm ausgehende, zutiefst Menschliche, welches ihnen als erstes vermittelt: Ich akzeptiere dich, so wie du bist“, bringt Tiersch in seiner Laudation das Besondere auf den Punkt. Diese Einstellung führt dazu, dass viele Sänger den Kontakt halten, auch wenn sie den Chor und die Stadt verlassen. Sie laden Hintze zu Bandauftritten ein oder feiern gemeinsam Geburtstag. „Der Chor ist für viele Familie“, sagt Hintze und fügt hinzu. „Für mich ja auch.“

Doch Hintze weiß auch, dass es nicht ewig so weiter geht. Vor drei Jahren hat er aufgehört als Oberarzt im Klinikum zu arbeiten. Zwar hat er nun mehr Zeit für den Chor, doch das Alter macht sich trotz aller Agilität bemerkbar. Auf einer Konzertreise nach Wien gab sein Körper „einen Warnschuss“ ab, wie Hintze selbst sagt. Zunächst unbemerkt hatte der Chorleiter einen Schlaganfall. Er reiste noch weiter nach Rom und ging erst sechs Wochen danach zum Arzt. „Es ist zum Glück nichts zurückgeblieben, aber das hat mir auch gezeigt, man muss sich Gedanken darüber machen, wie es mit dem Chor weitergeht“, zieht er seine Lehre aus der Erkrankung.

An ein baldiges Aufhören ist trotz allem nicht zu denken. Zunächst wartet das Probenwochenende für das Frühlingskonzert am 6. Mai in der Konzerthalle. Und wenige Tage später reist der Knabenchor nach Russland. An diesem Freitag zwischen 16 und 17 Uhr in der Konzerthalle öffnet Hintze seine Probe für alle Interessierten, denn neue Sänger kann er dringend gebrauchen. Dass der Knabenchor weiterlebt und ein gelungenes Konzert nach dem anderen singt, ist dem Chorleiter nämlich noch ein bisschen wichtiger, als jede Auszeichnung.

Prinz Leopold

Seit 2002 verleiht der Rotary-Club jährlich die Leopoldmedaille. Sie erinnert an den preußischen Offizier Prinz Leopold von Braunschweig, der am 27. April 1785 bei dem Versuch, vom Oderhochwasser eingeschlossene Menschen zu retten, ums Leben kam. Prinz Leopold hatte auch eine Schule für arme Soldatenkinder bauen lassen.

Zu den Geehrten der vergangenen Jahre gehören u.a.: Stadthistoriker Eckard Reiß, der frühere Kampfmittelräumer Horst Ansorge und Wildpark-Gründer Bernhard Schröder. Mit Seelsorgerin Margarete Pilz, Museumsdirektorin Brigitte Rieger-Jähner und Lennépark-Aktivistin Sonja Gudlowski wurden erst drei Frauen geehrt. ⇥(yan)

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