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Brückenfest
Volksfest-Stimmung an der Oder

Thomas Gutke, René Matschkowiak / 01.05.2018, 21:28 Uhr - Aktualisiert 02.05.2018, 10:34
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein Spaziergang in Familie über das Brückenfest ist für viele Frankfurter am Maifeiertag eine Selbstverständlichkeit. Weil sich auch das Wetter wider aller Prognosen von seiner sonnigen Seite zeigte, gab es zwischen Imbisswagen, Bühnen und Infoständen am Dienstag zeitweilig kaum ein Durchkommen.

Das Brückenfest ist und bleibt die wohl größte Polit-Party in Brandenburg. Auch bei der 26. Auflage flanierten den ganzen Tag über geschätzt rund 20 000 Besucher die Promenade zwischen Stadtbrücke und Konzerthalle entlang. Der große Zuspruch dürfte indes weniger den engagierten Reden von Gewerkschaftern und Politikern als vielmehr dem reichen Rahmenprogramm geschuldet sein, das die Veranstalter alljährlich auf die Beine stellen. Am Mittag ließ der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) als Mitveranstalter zwar die Zahl von gut 5000 Demonstranten in Frankfurt verbreiten. Doch nach politischer Demonstration fühlte sich das Brückenfest nicht an. Stattdessen herrschte ausgelassene Volksfest-Atmosphäre.

Nicolas Schmidt etwa besuchte mit der ganzen Familie das Fest. „Wir kommen schon viele Jahre hier her, obwohl wir politisch nicht unbedingt immer mit der ausrichtenden Partei übereinstimmen. Trotzdem gefällt es uns und die Angebote sind vielfältig“, erzählte er.

Musikalisches Highlight des Tages war der Auftritt der Stendaler Band „Nobody Knows“. Was das Kulinarische angeht, erfreute sich der Stand des Vereins „Vielfalt statt Einfalt“ großer Beliebtheit. Vier syrische und drei afghanische Familien hatten Leckeres aus ihren Heimatländern zubereitet, darunter Gebäck aus Blätterteig und mit viel Honig und Nüssen, das sie an die Frankfurter verteilten. Wer wollte, gab eine Spende für die Vereinsarbeit. „Die Idee, für die Frankfurter zu backen, wurde beim wöchentlichen Frauentreff des Vereins geboren, und das Maifest bot sich dann dafür an“, erzählte der Vereinsvorsitzende Thomas Klähn.

Neugierig beäugten die Besucher auch das neueste Projekt des Frankfurter Aktionskünstlers Michael Kurzwelly. Er will „Slubfurt“ zur internationalen Kurstadt ausrufen lassen, in der Ärzte Malkurse oder Theaterworkshops auf Rezept verschreiben.  „Wir spielen die Idee durch, dass Kunst und Kultur heilende Wirkung haben können und wollen dazu auch mit niedergelassenen Ärzten und Krankenkassen ins Gespräch kommen“, berichtete er.

Über Politik wurde natürlich trotzdem viel gesprochen. Mehrere Parteien aus Frankfurt informierten an Ständen über ihre Arbeit, darunter neben den Linken als Hauptveranstalter auch die Grünen, die FDP, Bürgerinitiativen und die Satirepartei. Die SPD fehlte. Auf einer Politbühne lud die Linke im Laufe des Nachmittags zu mehreren Talkrunden ein. Der designierte Oberbürgermeister René Wilke nutzte die Gelegenheit, um die Frankfurter zur offiziellen Amtsübergabe am Sonntag, 14 Uhr, in die Marienkirche einzuladen. „Ich bin voller Tatendrang und wir wollen jetzt endlich loslegen“, erklärte er im Gespräch mit Sandra Seifert, die sich als seine Nachfolgerin für den Fraktionsvorsitz in der Stadtverordnetenversammlung bewirbt. „Ich möchte, dass wir endlich etwas strategischer gegen Familien- und Kinderarmut in dieser Stadt vorgehen. Das liegt mir wirklich am Herzen“, kündigte sie an.

Am Stand des DGB Ostbrandenburg kämpfte der Frankfurter Gewerkschafter Frank Hühner derweil vor allem mit dem Wind, der die Infobroschüren durcheinander wirbelte. Die meisten Besucher schlenderten freundlich lächelnd vorbei. Er und seine Kollegen warben an diesem Tag vor allem für mehr Tarifbindung in Unternehmen. Und sie forderten die Frankfurter Arbeitnehmer dazu auf, sich in Betriebsräten zu organisieren und mehr für ihre Rechte stark zu machen. „Die Interessen der Beschäftigten, wenn es zum Beispiel um die Einhaltung von Gesetzen geht, werden in vielen Unternehmen in Brandenburg nicht vertreten“, so Frank Hühner. Nachholbedarf bestehe vor allem in kleineren und mittleren Betrieben.

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Wilko Möller 02.05.2018 - 19:55:03

Brückenfest?

So kennen wir die LINKEN! Die FDP und die Grünen waren vertreten. Wieso werden die anderen ausgeschlossen? Wo sind denn die Brücken? Wo ist der politische Diskurs? Offen Demokratie - Fehlanzeige! Wir als AfD wollten auch teilnehmen. Leider haben die LINKEN uns schon 2015 ausgeschlossen. Also viele Frankfurter Wähler werden nicht mitgenommen. Typisch.

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