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Am Montag werden in Frankfurt zwei neue Stolpersteine verlegt / Einer erinnert an den Pädagogen Paul Kant

Stolpersteine
Neun Jahre währendes Martyrium

Paul Kant Frankfurt (Oder)
Paul Kant Frankfurt (Oder) © Foto: Stolperstein-Initiative FFO
Thomas Gutke / 13.06.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 11:58
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das größte Denkmal der Stadt wächst weiter: Am Montag verlegt Künstler Gunter Demnig in Frankfurt zwei neue Stolpersteine. Sie erinnern an Verfolgte während der Zeit des Naziregimes. Einer von ihnen hieß Paul Kant.

2006 wurde in der Stadt der erste Stolperstein verlegt. Es folgten 174 weitere in Frankfurt und Słubice. Am Montag kommen zwei neue dazu. Künftig jedoch, berichtet Carsten Höft von der Initiativgruppe, seien erst einmal keine größeren Verlegungen mehr geplant. „Es werden noch weitere Stolpersteine aus dem Bereich der politisch Verfolgten folgen. Hierbei wird es sich aber sicher um eine kleine Stückzahl handeln“, erklärt er. Im Hinblick auf jüdische Mitbürger sei die Recherchelage inzwischen sehr dünn. Er gehe davon aus, dass hier erst mit der Digitalisierung weiterer Aktenbestände durch das Landeshauptarchiv aus der Zeit von 1933 bis 1945 weitere Stolpersteine folgen könnten. „Dennoch ist das Projekt Stolpersteine für Frankfurt und Słubice niemals abgeschlossen. Denn es geht auch darum, die bereits verlegten Stolpersteine zu pflegen und zu putzen, sodass sie konstant im Stadtbild wahrgenommen werden“, betont Höft.

In der Hansastraße 66 soll ab Montag einer der kleinen Quader an Paul Kant erinnern. Es war der letzte frei gewählte Wohnort des aus politischen Gründen verfolgten Pädagogen. Gerhard Hoffmann vom Bund der Antifaschisten hat viele Informationen über ihn zusammengetragen.

Kant wurde 1898 im damaligen Berneuchen (Kreis Landsberg/Warthe, heute Barnówko in Polen) geboren. Seit 1925 gehörte er der SPD an. 1929 kam er als Lehrer an die Friedrich-Ebert-Schule in Frankfurt, wo er mit Rektor Erich Paterna reformpädagogisch tätig war. „So wie er erfolgreich arbeitete, wuchsen Missgunst und sogar Hass bei konservativen Lehrkräften“, berichtet Gerhard Hoffmann. Kant sei dabei auch zunehmend in Widerspruch zur Politik der SPD geraten, 1932 trat er aus der Partei aus. Nach der Machtübernahme der Nazis war er laut Hoffmann der erste Lehrer in Frankfurt, der entlassen wurde. Er verließ die Stadt und schloss sich später einer Widerstandsgruppe im Kreis Sorau (Landkreis Zarski) an. Doch ein eingeschleuster Gestapo-Spitzel verriet die Gruppe, 15 Mitglieder wurden verhaftet und vor Gericht gestellt.

Am 31. Oktober 1936 verurteilte ihn das Kammergericht zu fünf Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“. Stationen seines Martyriums waren die Zuchthäuser Brandenburg-Görden, Amberg und Sonnenburg, das Strafgefangenenlager Aschendorfermoor im Emsland und das Konzentrationslager Sachsenhausen. In einem der Außenlager des KZ in Berlin-Lichterfelde leistete er bis zur Evakuierung Zwangsarbeit. Auf einem der Todesmärsche zur Ostsee befreite ihn und seine Häftlingsgruppe bei Parchim dann die Rote Armee.

Am 23. Mai 1945 kehrte Kant nach Frankfurt zurück, wo er in den Anfangsjahren nach dem Krieg den Aufbau des Schulwesens in der Stadt organisierte. Ende 1948 musste er – stark gesundheitlich angeschlagen – die Arbeit aufgeben. Paul Kant starb am 7. März 1953.

Ab 1966 trug in Frankfurt die 7. Polytechnische Oberschule seinen Namen. Doch inzwischen ist „weitestgehend alles, was an diese Persönlichkeit erinnert, getilgt“, schreibt Gerhard Hoffmann. Am 20. Januar dieses Jahres hätte an seinen 120. Geburtstag gedacht werden können, am 7. März an den 65. Todestag. „Offiziell geschah das nicht. Mit dem Stolperstein möge bleibende Erinnerung verbunden sein.“

Die Verlegung beginnt am Montag, 18. Juni, um 14 Uhr in der Gubener Straße 35 mit dem Stein für den Schüler Joachim Simon. Um 14.30 Uhr wird dann an Paul Kant gedacht. Anschließend werden 12 Stolpersteine in der Wollenweberstraße und der Karl-Marx-Straße nach Bauarbeiten wieder eingesetzt.

Mehr Informationen unter: www.stolpersteine-ffo.de

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