Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Seit dem Brand 1998 steht die zuletzt als Diskothek genutzte Immobilie leer / Ruine mit bewegter Geschichte

Auktion
Alte Disco Easy wird versteigert

Die alte Stadthalle im Buschmühlenweg steht zum Verkauf
Die alte Stadthalle im Buschmühlenweg steht zum Verkauf © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 15.06.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 15.06.2018, 14:17
Frankfurt (Oder) (MOZ) 55 000 Euro – das ist das Mindestgebot für die alte Stadthalle in der Gubener Vorstadt, die am nächsten Freitag in Berlin bei einer Auktion unter den Hammer kommt. 1998 wurde der Veranstaltungssaal bei einem Brand zerstört. Seitdem wartet die Ruine auf eine Sanierung. Oder den Abriss.

Bob Geldorf, Kool and the Gang, Rio Reiser, Motörhead: Die Liste, erfolgreicher Musikgrößen, die in der Easy Dance and Music Hall Konzerte gaben, ist lang. Zwischen 1992 und 1998 galt sie zugleich als eine der größten Diskotheken in Ostdeutschland. Mit bis zu 3000 Gästen an manchen Abenden. Und langen Autoschlangen in der Gubener Vorstadt. Das Haus im Buschmühlenweg 22 – er war ein legendärer Veranstaltungsort. Bis zum Juni 1998. Da zerstörte ein offenbar vorsätzlich gelegter Brand den Tanzsaal fast völlig. Die Easy Disco machte dicht, für immer. Auch wenn es 2016 noch einmal eine Revival-Party in der Brandenburghalle gab.

Nun, genau 20 Jahre später, steht die heruntergekommene Ruine samt 11000 Quadratmeter großen Grundstück zum Verkauf. Am Freitag, 22. Juni, ist sie eine von 95 Immobilien aus Deutschland und Spanien, die im Berliner abba Hotel in der Lietzenburger Straße bei einer Sommerauktion an insgesamt zwei Tagen versteigert werden. Allein 29 der Grundstücke und Häuser kommen aus Brandenburg. Darunter ein Ferienlager in Wandlitz. Oder der Teil eines Gewerbeparks in Oberkrämer. Veranstalter ist die Deutsche Grundstücksauktionen AG.

Das Einstiegsgebot für die an Position Nummer 83 stehende Stadthalle liegt bei 55 000 Euro. Der private Eigentümer der Immobilie lebt in England. Das teilten Zastrow und Zastrow aus Dresden mit, die sich für den Auktionsveranstalter um die Pressearbeit kümmern.

Von Wert ist im Buschmühlenweg 22 wohl vor allem noch das verwilderte Grundstück. Der Gebäudekomplex dagegen ist in einem völlig maroden Zustand. Vom großen Saalanbau, der in den Oderhang hineingebaut wurde, sind nach dem verheerenden Feuer nur noch Außenmauern übrig geblieben. Der vordere Teil hat vor allem unter dem jahrelangen Leerstand, dem Vandalismus und der Witterung gelitten. Fenster sind eingeschlagen, Kabel und Rohre herausgerissen, Wände und Decken durchfeuchtet. In einem Gutachten wird von Abbruchkosten von mindestens 150 000 Euro ausgegangen.

Auch wenn das Haus nicht auf der Denkmalliste des Landes eingetragen ist: Mit einem Abriss ginge dennoch ein wechselvolles Stück Frankfurter Geschichte unwiederbringlich verloren. Nach Informationen von Stadtarchivar Ralf-Rüdiger Targiel entstand hier 1863 zunächst das für seinen guten Landwein bekannte Gasthaus Bellevue. Bald erhielt das Restaurant einen Tanzsaal, 1891 wurde ein Konzertsaal gebaut. Das Konzerthaus Bellevue, wie es sich jetzt nannte, entwickelte sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts  zu einer beliebten Ausflugsadresse. 1929/1930 wurde das Restaurations- und Saalgebäude dann noch einmal ausgebaut.

„Noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte die Gaststätte ein Wirt gepachtet, der der NSDAP Auftrittsmöglichkeiten verschaffte“, berichtet Ralf-Rüdiger Targiel. So fand demnach 1931 im Konzerthaus eine Tagung von Delegierten der NSDAP statt, zu der auch Adolf Hitler kam, um anschließend vor 15000 Menschen im Schützenhausgarten in der Dammvorstadt zu sprechen.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Haus unbeschadet. Zunächst diente es als Kino für die Rote Armee und die Frankfurter. Zu DDR-Zeiten fanden in der Stadthalle dann viele Großveranstaltungen statt. 1992 begannen die wilden sechs Jahre als Diskothek  – die rückblickend ein Abgesang waren.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG