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Sieben Siege für die Asiaten beim Internationalen Brandenburg-Cup der U-19-Boxer / Deutsche Teilnehmer ohne Finalplatz

Boxen
Kasachen zeigen, wie's geht

Hochklassiges Duell: Im Finale der 56-Kilogramm-Klasse besiegt Bibars Zheksen (rechts) den Junioren-Weltmeister Miro Cuello aus Argentinien nach Punkten. Der Kasache wurde auch als „Bester Kämpfer“ des BB-Cups ausgezeichnet.
Hochklassiges Duell: Im Finale der 56-Kilogramm-Klasse besiegt Bibars Zheksen (rechts) den Junioren-Weltmeister Miro Cuello aus Argentinien nach Punkten. Der Kasache wurde auch als „Bester Kämpfer“ des BB-Cups ausgezeichnet. © Foto: Winfried Mausolf
Hans Eberhard / 10.07.2018, 05:15 Uhr - Aktualisiert 10.07.2018, 07:33
Frankfurt (Oder) (Freier Autor) Frankfurt. Kasachstan war einmal mehr der große Abräumer beim 23. Internationalen Brandenburg-Cup der Jugendboxer. Die Asiaten hatten acht ihrer zehn Athleten ins Finale gebracht, sieben setzten sich in den zehn Endkämpfen durch. Da blieb nur je ein Titel für Russland, England und die russische Gebietsauswahl Koroljov übrig.

Von den elf Deutschen erreichte keiner den Kampf um Gold – eine Enttäuschung. Mit dem Hamburger Oruc Özer und dem Frankfurter Sportschüler Johannes Hickmann waren die letzten zwei in den Halbfinals ausgeschieden. Irland musste sich mit dreimal Silber begnügen. „Das Turnier ist ein echter Gradmesser und Wegweiser, wo unsere Jungs stehen beim Übergang in den Männerbereich“, urteilte Kasachstans Delegationsleiter Galymbek Kenzhebayev. Nach der Ursache des Erfolgs befragt, meinte der Trainer: „Wir bringen immer unsere besten Boxer, darunter einige Asienmeister, mit nach Frankfurt. Sie haben der Konkurrenz vor allem eins voraus: die Schlagkraft, die Härte.“ Und hatte gleich ein Beispiel parat: „Gennadi Golowkin gewann hier im Jahre 2000 den Cup, danach war er Weltmeister, olympischer Silbermedaillengewinner, jetzt ist er langjähriger Profi-Weltmeister im Mittelgewicht.“

Als „Bester Kämpfer“ zusätzlich geehrt wurde der Kasache Bibars Zheksen. Im Finale der 56-Kilo-Klasse bezwang er den Iren John Paul Hale recht sicher. Zuvor hatte er den Junioren-Weltmeister Mirco Cuello (Argentinien) aus dem Rennen geworfen. Was einmal mehr beweist, dass große Titel hier keinen (Punktrichter-)Bonus haben.

Schwerstarbeit hatte auch eine Frau aus Kasachstan zu leisten. Im Fliegengewichts-Endkampf musste Ringrichterin Danara Akhmetova den ungestüm anstürmenden und oft unsauber boxenden Owen McDonagh (Irland) mehrmals ausbremsen und ermahnen. Sein Gegner behielt klaren Kopf und seine Linie, wurde nach Erfolgen gegen einen Kasachen und einen Russen auch als „Bester Techniker“ gekürt: der Engländer Hope Price.

Frankfurt kann eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie die Kasachen bieten. Der jetzt 39-jährige Sebastian Köber hatte 1996 und 1997 in „seinem Wohnzimmer Brandenburghalle“ den Cup im Schwergewicht gewonnen, war später Ditter bei Olympia und WM. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Stefan war 2002 Pokalsieger an der Oder. Jetzt ist er Geschäftsstellenleiter des Stadtsportbundes, kümmerte sich als Zeitnehmer am Ring wie Vater Roland Köber um die Organisation des bedeutenden Europa-Turniers – im Ehrenamt. Letzter deutscher Sieger war 2015 der Frankfurter Silvio Schierle. Jetzt bläst er zum Angriff auf die Männer-Domäne im Mittelgewicht.

Immerhin: Der DM-Dritte Johannes Hickmann hat nach respektablen Auftritten bei seiner Cup-Premiere Bronze gewonnen. Dass er das Halbfinale im 69-Kilo-Limit erst nach großer Gegenwehr gegen den späteren russischen Pokalgewinner Artur Demin verloren hatte, war ihm „nur ein ganz schwacher Trost“. Das Urteil des 16-jährigen Weltergewichtlers: „Ich bin nahe dran an der Spitze, habe auch an Schlagkraft zugelegt. Was noch fehlt sind einige kleine Sachen.“ Vater Jens und Mutter Andrea waren extra aus Weimar angereist, verfolgten das ganze viertägige Kräftemessen aus nächster Nähe.

Die schlechte Bilanz der Deutschen ohne einen Finalplatz sieht natürlich auch Lothar Heine als DBV-Vizepräsident und Präsident des Brandenburger Boxverbandes kritisch. „Für uns als Veranstalter ist das ein Problem, nicht nur hinsichtlich der Ausstrahlung und der fehlenden Zuschauer. Wir sind im Nachwuchsbereich nicht konkurrenzfähig. Der jüngste Chemie-Pokal in Halle zeigte bei den Männern ähnliche Defizite. Die Belastungsverträglichkeit muss erhöht werden. In puncto Kampfbereitschaft und Härte können wir bislang nicht mit der Spitze mithalten. Johannes Hickmann zeigte als einziger gute Ansätze in der Richtung. Also muss man sich Gedanken machen hinsichtlich der Ausbildung an der Sportschule, hinsichtlich der Trainingsinhalte und -intensität. Die Weltspitze mit Kasachen, Russen, Usbeken, US-Amerikanern, Kubanern und auch Engländern sollte die Orientierung sein.“

Dem bislang „unterfinanzierten deutschen Spitzensport“ (Heine) soll mit einer 23-Millionen-Euro-Spritze etwas unter die Arme gegriffen werden. Das könnte so etwas wie hauptamtliche Cheftrainer auch beim DBV und bei den Bundesstützpunkten zur Folge haben, daran fehlt‘s seit langem. Aber nur mit Geld allein wird man keine Turniersieger, Europa- und Weltmeister „backen“ können ...

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