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In der Kolumne „Ach, Frankfurt“ schreiben die Autoren über die Oderstadt

zum Spielplan des Kleistforums
Geschmackssache

Florian Vogel
Florian Vogel © Foto: Michael Benk
Meinung
Florian Vogel / 12.07.2018, 07:45 Uhr - Aktualisiert 12.07.2018, 10:19
Frankfurt (Oder) Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: das ist eine Gewissheit, auf die man sich zumindest im Theater (fast) immer verlassen kann.

Pünktlich zum ersten Heringsbrötchen auf dem Stadtfest und zum letzten Vorhang der Saison auf Frankfurts größter Bühne erscheint der neue Spielplan des Kleist Forums, des Messegeländes und der Konzerthalle. , vom Deutschen Schauspielhaus bis zum Schmidt’s Theater und von Daniel Barenboim über Eva Mattes bis Vicky Leandros.

Bei all der Vielfalt scheint der eigene Geschmack ein sicherer Wegweiser, die Perlen zu finden, um das ganz eigene Programm zusammenzustellen. Was aber ist Geschmack? Etwas Vorgefertigtes, absolut Persönliches, Unantastbares? Oftmals wird er sogar als Schutzbehauptung mildernd vorgeschoben, wenn es um Glaubensfragen geht. Das zeugt im besten Falle von Respekt und Toleranz; und dennoch bleibt das Wertende wie ein Leerzeichen – oder im kleist’schen Sinne, ein Gedankenstrich – im Raum stehen. Offen, unerklärbar, irrational. Dabei ist Geschmack etwas höchst Soziales und hat mit unserer Umwelt viel mehr zu tun als wir glauben.

In der Weinbranche gibt es den Fachausdruck „Toskana-Effekt“. Er bringt das auf den Punkt, was wir alle schon einmal erlebt haben: Aus dem Urlaub mitgebrachte Weine oder andere lokale Spezialitäten schmecken zuhause oftmals nicht mehr so wie vor Ort. Die Umgebung, die persönliche Verfassung und die besondere Gesellschaft machen den Geschmack aus. Und der ist offensichtlich wandelbar – nicht nur bei Lebensmitteln. Die Umwelt, aber vor allem die Menschen, mit denen wir Erlebnisse teilen, prägen ihn. Genau darin liegt die große Chance des Theaters und der guten Unterhaltung, gemeinsam Neues zu entdecken und dabei auch noch Spaß zu haben. Hier gibt es kein „richtig“ und kein „falsch“. Was zählt ist Qualität und Ihr guter Geschmack – versprochen!

Florian Vogel (43) ist künstlerischer Leiter im Kleist Forum und Vorsitzender der Jury des Kleist-Förderpreises

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