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Dauer-Hitze
Körper am Siedepunkt

Frauke Adesiyan / 31.07.2018, 19:45 Uhr - Aktualisiert 31.07.2018, 20:01
Frankfurt (Oder) (MOZ) Matt, gereizt, erschöpft. Die Hitze sorgt für körperliche Beschwerden. Vor allem Ältere sind gefährdet, weil sie oft nicht genug trinken. Aber auch für die Allerjüngsten ist das Wetter belastend. Zu mehr Patienten in der Notaufnahme hat das Wetter noch nicht geführt.

Chefarzt Dr. Bernhard Flasch, der die Notaufnahme im Klinikum leitet, lobt seine Kollegen. „Man kann nur sagen: Hausärzte und Pflegeeinrichtungen machen einen guten Job“, sagt er. Bisher habe die anhaltende Hitze in der Rettungsstation nicht zu erhöhten Patientenzahlen geführt. Zwar sei das Wetter eindeutig belastend für den Körper, doch die Frankfurter scheinen gut gewappnet. „Wir haben lediglich einige Fälle von älteren Patienten, die dehydriert eingeliefert werden“, berichtet Flasch. Diesen Senioren gehe es oftmals schnell besser, wenn ihnen intravenös Flüssigkeit zugeführt werde.

Den 84 Senioren im Alloheim an der Walter-Korsing-Straße geht es trotz der Wärme gut. Dafür sorgen 55 Mitarbeiter, die den Frauen und Männern auf Schritt und Tritt Getränke anbieten. „Man darf nicht nur fragen, man muss es eingegossen hinstellen“, verrät Leiterin Anita Obst einen der Tricks. Die sportlichen Aktivitäten werden derzeit eingeschränkt, nach draußen geht es nur in den Morgenstunden. Ihren Spaziergang nach dem Frühstück lässt sich die 84-jährige Inge Heinke aber nicht nehmen. „Wir drehen jeden Morgen unsere Runde und sitzen noch eine Weile auf der Bank“, beschreibt sie ihre Routine. In der Wärme trägt sie eine Schicht Kleidung weniger, ein Glas Wasser steht gleich neben ihrem Sessel auf dem Nachttisch.

Problematisch sei das Wetter vor allem für Senioren, weil ihnen das Durstgefühl fehle, erläutert Flasch. Die mangelnde Flüssigkeitsaufnahme führe dann oft zu Verwirrung und Lethargie. Doch Hitzeerkrankungen vom Sonnenstich bis zum Hitzschlag können auch andere Bevölkerungsgruppen treffen. Direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf, vor allem bei Kindern und Menschen mit wenig Haaren, kann zu einem Sonnenstich samt Übelkeit, Schwindel und Erbrechen führen, ist aber nach 48 Stunden vorbei. Der Grund dafür ist eine Reizung der Gehirnhaut. Schwerwiegender ist ein Hitzschlag. „Das kann zur Bewusstlosigkeit bis zum Tod führen“, führt der Chefarzt die Dramatik vor Augen. Er entsteht, wenn die Körperkerntemperatur über 41 Grad steigt. Normalerweise gibt der Körper durch Schwitzen, Verdunstung und erweiterte Blutgefäße Wärme ab. Ist das durch unpassende Kleidung oder einen geschlossenen Raum nicht möglich, kann der Körper lebensbedrohlich heiß werden. Solch einen Fall habe es im Klinikum in diesem Jahr noch nicht gegeben.

Für passende Kleidung wirbt Hebamme Simone Wagner, wenn sie derzeit junge Eltern besucht. „Sie sollten ihrem Baby jetzt viel weniger anziehen“, rät sie. Ein kurzärmliger Body reiche, dazu für draußen Söckchen und eine leichte Leinenmütze. „Hauptsache, die Ohren sind bedeckt.“ Genau wie Erwachsene seien Babys durch die Hitze häufig unruhiger und wollen häufiger trinken. Die Devise laute dann: „Anlegen, anlegen, anlegen“. Denn Muttermilch bestehe zu 80 Prozent aus Wasser und regele den Flüssigkeitsbedarf. Für ältere Babys und unterwegs könne man auch lauwarmen Fencheltee im Fläschchen dabeihaben.

Getränke in Raumtemperatur sind auch der Tipp von Dr. Flasch. „Auch wenn man sich danach gut fühlt, eiskalte Getränke sind genauso schlecht wie kaltes Duschen“, sagt er.   Seine Aktivitäten sollte man möglichst in die Morgenstunden legen – wenn möglich auch die Arbeitszeit. Vom Sprung ins kalte Wasser rät der Arzt dringend ab, im schlimmsten Fall drohe ein Herzinfarkt. Mit der richtigen Abkühlung vorab stehe dem eintauchen ins Wasser aber nichts entgegen: „Ein Ausflug an den See tut auch der Seele gut.“

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