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Windräder
„Demokratische Beteiligung wird zur Farce“

Windkraftanlagen nahe Booßen: Im Nordwesten des Frankfurter Ortsteils soll ein Windpark entstehen.
Windkraftanlagen nahe Booßen: Im Nordwesten des Frankfurter Ortsteils soll ein Windpark entstehen. © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 23.08.2018, 09:00 Uhr
Booßen (MOZ) Es hat in der Vergangenheit schon einige Bürgerversammlungen zum geplanten Windpark in Booßen gegeben. Doch so gering wie am Dienstag war die Beteiligung noch nie – die Resignation der betroffenen Anwohner nimmt zu. „Es waren um die 18 Leute da. Aber damit habe ich schon gerechnet. Viele sagen, das bringt doch alles sowieso nichts“, erklärt Ortsvorsteher Eberhard Vetter.

Anlass für die Einladung in die Grundschule Booßen war der Bebauungsplanentwurf für den geplanten Windpark nördlich der B5. Im Mai wurde das Areal per Beschluss der Regionalen Planungsgemeinschaft bereits als Windkrafteignungsgebiet ausgewiesen. Ein Bebauungsplan soll nun Details festlegen. Dazu gehören Parameter wie Höhe, Anzahl oder Standorte der Windkraftanlagen. Ziel ist eigentlich auch ein Interessenausgleich. Doch die öffentlichen Einflussmöglichkeiten auf den von der Investorengemeinschaft finanzierten Entwurf erweisen sich als gering. Ohne einen solchen Bebauungsplan jedoch könnte im Eignungsgebiet künftig noch höher gebaut werden, als ohnehin bereits vorgesehen.

Mit dem Entwurf festgelegt werden Standorte für elf Windräder mit einer Gesamthöhe von maximal 241 Metern. Von diesen Höhen wichen die Bremer Energiekontor AG und die Loscon GmbH auch am Dienstagabend in der Diskussion mit den Anwohnern keinen Jota ab, berichtet der Ortsvorsteher. Denn im Wettbewerb um die Einspeisevergütung des Bundes könnten eben nur die wirtschaftlichsten Anlagen auf Zuschüsse hoffen.

Spätestens Ende des Jahres soll der Bebauungsplan von den Stadtverordneten beschlossen werden. Zurzeit haben Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange noch die Gelegenheit, Einwände zum Entwurf vorzubringen. Die Stellungnahme des Booßener Ortsbeirates, die Eberhard Vetter am Dienstagabend vorstellte, spricht eine eindeutige Sprache. „Es besteht keinerlei Akzeptanz zu einer maximalen Anlagenhöhe von 241 Metern. Wir fordern die Veränderung der Höhe auf maximal 200 Meter“, heißt es darin. Schließlich gebe es auf dem Markt „nunmehr ein technisch breit gefächertes Anlagenangebot, das die für das Vorhaben gewünschte und notwendige Effektivität und Wirtschaftlichkeit möglich machen kann“. Der Ortsbeirat führt hierfür als Beispiel den benachbarten Windpark Schönfließ an, „wo im Rahmen des Repowerings Anlagen mit 205 Metern Höhhe bis 4,1 Megawatt Leistung errichtet werden“. Die Booßener befürchten angesichts der Ausmaße einen gravierenden Eingriff in das Landschaftsbild. In seiner Stellungnahme geht der Ortsbeirat zudem auf befürchtete Belästigungen durch Lärm, Befeuerung und Schlagschatten ein.

Abschließend kritisiert das Gremium die einseitigen Festlegungen im Bebauungsplan, „die demokratische Beteiligung und Einflussnahme der Bürger zur Farce werden“ lassen.

Eberhard Vetter erwägt unterdessen, sich einer von Bürgermeistern und Ortsvorstehern aus dem Barnim organisierten Protestbewegung anzuschließen. Mitte Juni hatten 23 Amtsinhaber die sogenannte „Bernauer Erklärung“ unterzeichnet. In dieser fordern sie ein Verbot von Windrädern in Wäldern sowie eine Schutzzone von 1500 Metern für Wohnsiedlungen.

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