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OB zieht Bilanz
„Ich muss für ein Gleichgewicht sorgen“

MOZ-Interview mit Oberbürgermeister Rene Wilke 21. August 2018 MOZ-Interview mit Oberbürgermeister Rene Wilke in Frankfurt Oder.
MOZ-Interview mit Oberbürgermeister Rene Wilke 21. August 2018 MOZ-Interview mit Oberbürgermeister Rene Wilke in Frankfurt Oder. © Foto: Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 25.08.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 25.08.2018, 09:34
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit 111 Tagen ist Oberbürgermeister René Wilke im Amt. Auf einer Pressekonferenz zog er am Freitag eine erste Zwischenbilanz. Vieles sei angepackt oder bereits abgearbeitet worden, erklärte der Linken-Politiker. Es habe aber auch Enttäuschungen gegeben.

Am 6. Mai übernahm René Wilke die Amtsgeschäfte von Martin Wilke. Seither vergehe kein Tag, so der OB, an dem er abends nicht nach Hause komme, und wisse, „ich habe die Stadt mit gestalten und verändern können. Das Amt erfüllt mich im höchsten Maße“, unterstrich der 34-Jährige. Auch deshalb, „weil ich in der Verwaltung ein Team von unglaublich tollen, engagierten Mitarbeitern vorgefunden habe“.

Seiner Bilanz voran stellte er auch persönliche Enttäuschungen, die die Arbeit als Stadtoberhaupt strukturell mit sich bringe. Dazu zähle für ihn eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber anderen bzw. dem Gemeinwohl. „Viele, die zu mir kommen, ob in der Bürgersprechstunde oder zu anderen Anlässen, wollen nur ihr eigenes individuelles Eigeninteresse durchgesetzt haben. Ohne Rücksicht auf den Nachbarn. Das fällt mir in dem Amt enorm auf und bewegt mich doch sehr. Denn es sagt etwas über das gesamtgesellschaftliche Klima aus und berührt mein Amtsverständnis zutiefst“, erklärte René Wilke. Er müsse dafür Sorge tragen, „dass es ein Gleichgewicht gibt und dass nicht jeder immer alles bekommt, sondern alle etwas“.

In seiner eigentlichen Bilanz zählte René Wilke die Vielzahl von Projekten und Entscheidungen der vergangenen Wochen auf. Trotz der Misstöne wegen der nachwievor unbesetzten Stelle des 1. Beigeordneten sei im Dialog mit der Landesregierung vieles erreicht worden, „das so ansatzweise nicht zu erwarten war“. Der Haushalt 2018 sei genehmigt worden, die Rathaussanierung könne starten, die Rahmenbedingungen für Investitionen hätten sich dank finanzieller Entlastungen im Kultur- und Sozialbereich verbessert. Wie für die ersten 100 Tage versprochen liege zudem inzwischen ein Fahrplan für die Wiederbelebung des stadtbildprägenden Alten Kinos vor. Der runde Tisch gegen Kinderarmut sei in Planung. Und auch auf aktuelle negative Entwicklungen wie auf dem Horten-Vorplatz habe die Stadtverwaltung  schnell und entschlossen reagiert, so der OB.

Was ihn besonders freue, sei das Interesse von Investoren am Standort Frankfurt. „Ich spüre ein großes Interesse an Frankfurt (Oder). Wir rücken als Standort immer mehr in den Fokus.“ Dies habe auch etwas mit der bundesweiten Berichterstattung im Zuge der Oberbürgermeisterwahl zu tun, vermutet Wilke. Aktuell befinde sich die Stadtverwaltung in hoffnungsvollen Verhandlungen mit einem Großinvestor. Parallel dazu stehe eine Kooperationsvereinbarung zwischen Investorcenter Ostbrandenburg, der Wirtschaftsförderung der Stadt und dem brandenburgischen Wirtschaftsministerium kurz vor der Unterschriftsreife, um die Rahmenbedingungen für Ansiedlungen weiter zu verbessern.

Auch Linke und Grüne, die René Wilke bei der Oberbürgermeisterkandidatur unterstützt hatten, zogen wie erwartet ein positives Fazit der ersten 100 Amtstage. Es sei erfreulich, so Jan Augustyniak, Kreisvorsitzender der Linken, „dass wieder konstruktive Gespräche mit der Landesregierung in Potsdam möglich sind“. Um dem Slogan Hauptstadt Ostbrandenburg gerecht zu werden, sei ein gemeinsamer Schwerpunkt „die Stärkung des Wirtschaft- und Industriestandortes Frankfurt (Oder). Von daher begrüßen wir die geführten Investoren- und Ansiedlungsgespräche.“

Alena Karaschinski, neben Marcus Winter Sprecherin des Kreisverbandes der Grünen erklärte: „Wir sind damals zusammen mit ihm für einen Aufbruch und einen Kulturwechsel in unserer Stadt angetreten. Beides hat René Wilke in einer beeindruckenden Geschwindigkeit und Deutlichkeit in die Wege geleitet und umgesetzt. Daran und an der langen Liste des bereits Erreichten nach 100 Tagen kommt man schlecht vorbei.“

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Manuela Merker 26.08.2018 - 20:16:06

111 Tage Heldendaten- welch ein Kraftakt

zumindest ist so sein Gefühl. Aber, die von Ihm aufgelisteten Heldentaten Haushalt, Rathaussanierung, Gespräche zur Umnutzung und zum Erhalt der Altes-Kino-Immobilie, Breitbandausbau, Teilentschuldung usw. usw. waren schon durch den Vorgänger auf den Weg gebracht. Entlastung im sozialen und Kulturbereich wurden durch den Kampf um die Kreisfreiheit durchgesetzt- nicht gerade von unserm Helden unterstützt. Schmückt sich hier etwa jemand mit fremden Federn? 111Tage und mehr um einen Runden Tisch zur Kinderarmut zu organisieren, ist schon eine Leistung- wenn die Akteure ´89 so lange gebraucht hätten, wären wir jetzt noch in der DDR. Das Vorführen der CDU und das Gefügigmachen der Tante SPD, die blind ihrem käuflichen Unterbezirksvorsitzenden folgt, sind schon beachtenswert. Der „Kusch(el)kurs“ in der Verwaltungsspitze lässt mit den Ansagen, dass er nur die ausgewählt habe, die seine Arbeitsweise und seine Ziele verfolgen an längst vergangen geglaubte Tage erinnern. Nur so kann man auch die Aussagen der Kämmerin, die es wirklich besser weiß, in ihrem Interview verstehen. Großinvestoren, die kommen, weil über die Wahl des Messias berichtet wurde- Halleluja! Und vielen Dank auch für den heißen Sommer, so ist wenigstens das Unkraut um das Rathaus herum vertrocknet. Eine Bitte habe ich trotzdem noch an den OB: Das Wörtchen „Sie“ birgt Achtung und Respekt. Ein nicht unerheblicher Teil der Frankfurterinnen und Frankfurter würde es bevorzugen. Ich gehöre dazu!

Ernst Haft 25.08.2018 - 21:51:13

Liebe Cindy Kellerbauer

Ja, der Herr OB Wilke ist kein schüchterner Hasenfuß. Und genau das ist auch gut. Endlich mal ein junger, welterfahrener Mensch als OB. Es kann nur besser werden. Ich gebe dem Herrn Wilke gerne eine Chance. Ich erwarte natürlich auch eine ordentliche und dauerhafte Polizeipräsenz in der Innenstadt. Gegen die Kinderarmut und Kinderverwahrlosung in FF hilft jedoch nur ein ordentlich ausgestattetes Jugendamt, welches auch die Kleinkinder in der Stadt zur Kenntnis nimmt, welche hier immer öfter lange nach 20 Uhr draußen herum schreien. Es betrifft deutsche und neudeutsche Kinder. Es ist eine Verwahrlosung von Kindern, die von staatlicher Seite bekämpft werden muss!

Cindy Kellerbauer 25.08.2018 - 10:45:09

Gestörte Selbstwahrnehmungen?

Eine gewisse Eitelkeit und Selbstgefälligkeit können die Frankfurter dem OB wohl nicht absprechen. Er inszeniert und zelebriert sich gerne. Umgibt sich gern mit einem persönlichen Fotografen, welche Posen des OB " einfangen", bzw. er sorgt für "spontane" Selfie. Das er und seine Wahlkampfunterstützer 100 und nun auch 111 Tage Amtsübernahme propagandistisch ausschlachten, geschenkt. Jedoch die inhaltlichen Botschaften als "Aufbruch", als "Frankfurt wird besser" zu verkaufen, mit Verlaub. Für die derzeitigen "Misstöne" wegen der nach wie vor unbesetzten Stelle des 1.Beigeordneten trägt er ganz allein die Schuld. Erst ein, na ja, Geschmäckle versehenes Besetzungsverfahren und kuriose Eignungsfeststellung, nach politischen Absprachen. Dann Uneinsichtigkeit in seinen eigenen Fehler. Das was nun erreicht wurde, nun als " das so ansatzweise nicht zu erwarten war" zu bezeichnen, respekt- und niveaulos. Der Kampf der Volksinitiative gegen die Kreisgebietsreform, das Aufzeigen und Nachweisen der eigentlichen Ursachen für die desolate Finanzlage der kreisfreien Städte, hat für ein Umdenken der Landesregierung gesorgt. Sein Anteil eher Null. Bis zuletzt hätte er Frankfurt in LOS einkreisen lassen! Er verhielt und verhält sich so wohl im bildungssprachlicher, wie marxistischer Bedeutung, opportunistisch. "Der runde Tisch gegen Kinderarmut sei in Planung". Ein Armutszeugnis für den OB und kein Erfolg. Es bedarf wohl keiner 111 tage , um ein Hauptwahlkampfversprechen, welches erst mal vollkommen haushaltsneutral sich darstellt, umzusetzen. Peinlich! Interesse von Investoren an Frankfurt vermutet Wilke, " habe auch etwas mit der bundesweiten Berichterstattung im Zuge der Oberbürgermeisterwahl zu tun". Oh Gott, welch Naivität und Selbstbeweihräucherung. Erst kommen die Investoren wegen des Staatsorchesters, dann wegen des Olympiastützpunktes, dann wegen der guten Arbeit des ICOB oder dem qualifizierten Arbeitskräften, ..., und nun wegen der Wahlkampfberichterstattung nach Frankfurt. Je nach Argumentationsbedarf der Frankfurter. So zur Selbstdarstellung. Augustyniak schlägt mit Karaschinski in dien Tenor der Selbstbesudulung ein. Wilke stünde für die wieder mögliche konstruktiven Gespräche mit der Landesregierung. Genosse Augustniak dafür stehen in Cottbus, in Brandenburg/Havel, in Frankfurt, in den Landkreisen engagierte Bürger, welche mit der Volksinitiative die Pläne der rot/roten Landesregierung, verhindert haben. Wilke, Karaschinski, Augustyniak, Manns, Gleisenstein folgten bis zum Scheitern dieses Vorhabens noch den Hoheliedern ihrer Parteigranden auf eine Kreisgebietsreform. Eben Opportunisten. Ein Kulturwechsel ist wohl eher nicht erkenntlich in Frankfurt. Postenschacherei erfolgte. Postenschacherei erfolgt. Selbstgefälligkeit scheint die Frankfurter in Mehltau einzuhüllen. Eine Presse die jegliche Propagandamitteilung veröffentlich und sich als unkritisches Presseorgan der Frankfurter "Verwaltungsspitze" demütigt. So kann eine andere Sicht auf 111 Tage Wilke, Rot/Rot/Grün, unter Selbstverleugnung und Anbiederung von CDU und FDP aussehen.

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