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Antirassistischer Verein Utopia feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einem Hoffest / Rückblick auf Erreichtes

Toleranz
Der Stachel von links

Die Plane sorgt für blauen „Himmel“: Mitglieder und Weggefährten des Vereins Utopia feierten am Sonnabend ein Hoffest. Mit dabei Franziska Lehmann (links) und Christian Fett.
Die Plane sorgt für blauen „Himmel“: Mitglieder und Weggefährten des Vereins Utopia feierten am Sonnabend ein Hoffest. Mit dabei Franziska Lehmann (links) und Christian Fett. © Foto: René Matschkowiak
Frauke Adesiyan, MOZ / 03.09.2018, 06:01 Uhr - Aktualisiert 03.09.2018, 18:00
Frankfurt Vor 20 Jahren gründete sich der Verein Utopia. Die Vereinsmitglieder leisten damals wie heute antirassistische Jugendarbeit. Der Einfluss des Vereins ist in der Stadt spürbar. Auch das feierten Mitglieder und Weggefährten am Sonnabend mit einem Hoffest.

Die Utopia-Mitglieder wollen nicht anmaßend wirken. Aber dass Frankfurt auf aktuelle Auseinandersetzungen mit und um Flüchtlinge anders reagiert als Cottbus oder Chemnitz, daran hat die Arbeit von Utopia wohl einen Anteil. Seit 20 Jahren leistet der Verein mit Sitz an der Berliner Straße antirassistische Bildungs- und Kulturarbeit. Als Stachel im Fleisch der städtischen Kommunalpolitik seien sie einmal bezeichnet worden, berichtet das langjährige Mitglied Jan Augustyniak. „Und das stimmt wohl auch“, sagt der mittlerweile zum Vorsitzenden der Frankfurter Linken aufgestiegene Politiker, der 2004 zu dem Verein stieß. „Wir legen ganz gern den Finger in die Wunde“, beschreibt es Rhena, die 29-Jährige ist seit zehn Jahren aktives Vereinsmitglied.

Pünktlich zum Hoffest, mit dem Utopia sein 20-jähriges Bestehen feiert, sind die Themen der Gründung wieder aktuell. „Wenn man  die Gesellschaft mit unseren Zielen vergleicht, sind wir noch weit davon entfernt“, sagt Rhena. „Diskriminierung und rechter Gewalt entgegen zu wirken, diese Aufgaben sind sehr aktuell.“

Klar – mitunter auch provokant – Stellung beziehen,  das können die Mitglieder von Utopia, die sich in ihrer Selbstbeschreibung noch links von der Linken ansiedeln. Doch sie arbeiten auch ganz praktisch, bieten Workshops gegen Sexismus an, Bildungsprojekte für Schulen, Beratung für Geflüchtete und Opfer rechter Gewalt. Bei Film-abenden und Konzerten treffen sich regelmäßig Vereinsmitglieder und Sympathisanten. Seit sie vor vier Jahren die Garage als Veranstaltungsort aufgrund steigender Mieten aufgeben mussten, ist die Organisation solcher Veranstaltungen allerdings schwieriger geworden.

Einfluss hat Utopia auch durch frühere Mitglieder, die inzwischen an verschiedenen Stellen in der Stadt wirken. So arbeiten an Frankfurter Schulen Lehrer, die auch durch den Verein sozialisiert wurden. „Bei den Fragen der dezentralen Unterkunft haben wir die grüne und linke Fraktion beraten“, gibt Augustyniak ein Beispiel für den politischen Einfluss.

Auch ein Blick in die Geschichte des Vereins zeigt dessen Rolle  in der städtischen Gesellschaft. Seit 1999 hat Utopia den Laden an der Berliner Straße, ein Jahr später gründete sich der immer noch bestehende deutsch-polnische Gaukelzirkus Tokarina. Es folgte die Beratungsstelle für Flüchtlinge und Gewaltopfer. Anfang der 2000er-Jahre organisierte Utopia Gedenkstättenfahrten. Der Verein war damals auch Mitgründer der Plattform gegen rechts, die später in dem Bündnis „Kein Ort für Nazis“ aufging. Auch die Stolpersteinverlegungen wurden mit von Utopia initiiert.

Der Blick in die Geschichte zeigt aber auch, dass der Verein und seine Mitglieder immer wieder bedroht und angegriffen wurden. Einer der größeren Angriffe erfolgte während der Fußball-WM 2006. „Auch jetzt müssen wir noch eine Balance finden, zwischen Aktivismus und Selbstschutz“, sagt Rhena, die auch deshalb nur ihren Vornamen nennen will. Das Gewaltpotenzial von Rechten hält sie weiterhin für vorhanden, auch wenn sich deren Organisationsformen inzwischen verändert haben und sich Aggression häufiger in sozialen Medien als auf der Straße entladen. „Das Klima ist vorhanden, es gibt Parallelen zu den 90er-Jahren“, befürchtet sie. Auch deshalb arbeitet sie weiter für Utopia.

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