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Deutsch-polnische Ausstellung im Rahmen des Trebnitzer Herbstfestes eröffnet – zu sehen bis 12. Oktober

Ausstellung
Die vergessene Grenze

Doris Steinkraus / 18.09.2018, 07:30 Uhr
Trebnitz (MOZ) Das Herbstfest des Schlossvereins bildete den Rahmen für die Eröffnung einer ungewöhnlichen Ausstellung. Im Mittelpunkt steht die einstige deutsch-polnische Grenze von 1918 bis 1933. Das Gemeinschafts-Projekt macht auf beiden Seiten der Oder Station.

Der Rahmen hätte passender kaum sein können. Zum Auftakt des diesjährigen Herbstfestes begeisterten die „Senioritki“ aus Posen mit ihrem farbenfrohen Auftritt nicht nur Trebnitzer und viele Gäste aus dem Umland, sondern auch mehr als 30 polnische Ortsvorsteher, die der Einladung zum gemütlichen Fest des Vereins zum wiederholten Mal gefolgt waren.

„Trebnitz steht für gelebte deutsch-polnische Zusammenarbeit“, lobte Martin Gorholt, Chef der Potsdamer Staatskanzlei. Hier werde gemeinsam Vergangenheit aufgearbeitet,  die Gegenwart miteinander gestaltet und Zukunft geschrieben. Für viele verbinde sich mit der Grenze Deutschland-Polen die seit 1945 gültige. Die von 1918 bis 1933 sei in Vergessenheit geraten, obwohl da die Ursachen für das Spannungsverhältnis beider Staaten lagen. Polen existierte 120 Jahre lang nicht, erhielt nach dem Ersten Weltkrieg erst wieder ein Staatsgebiet.

Ungewöhnlich wie die Schau ist das Domizil, in dem sie eingerichtet wurde. Es sei zunächst ein kleine Idee gewesen, erläuterte Darius Müller, Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz. Er war als Beauftragter des Landes für Großpolen angefragt worden, beim Projekt zur vergessenen Grenze als Kooperationspartner zu fungieren. Das Vorhaben sei von vielen Seiten so begrüßt worden, dass es letztlich größer wurde als ursprünglich geplant. Die beiden Kuratoren – Szymon Piotr Kubiak vom Nationalmuseum Stettin und der Publizist Uwe Rada – installierten die Ausstellung in einem begehbaren Überseecontainer. In zwölf Kapiteln wird die Entwicklung der Zwischenkriegsarchitektur anhand der Städte Frankfurt (Oder) und Posen beleuchtet. Beide Städte befanden sich fortan in Konkurrenz – wirtschaftlich, politisch, aber auch in der Architektur. Die neue Grenze setzte auf beiden Seiten enorme Bevölkerungswanderungen in Gang. Deutsche zogen aus Polen Richtung Westen, Polen aus dem Reich in ihren neuen Staat. Beiderseits wurden neue Wohnungen und Verwaltungsgebäude gebraucht. Architekten waren gefordert, einen polnischen bzw. einen deutschen Stil zu entwickeln. In der Ausstellung begegnen dem Besucher bekannte Gebäude wie in Frankfurt der runde Gerichtsbau oder die Eisenbahnersiedlung, maßgeblich entworfen von Martin Kießling, während in Posen der Architekt Adam Ballenstedt wirkte. Posen-Besucher werden auf den Fotos bekannte Gebäude von ihm wieder erkennen, so wie auch die Besucher des Trebnitzer Herbstfestes.

Ausstellung „Die vergessene Grenze“, bis 12. Oktober am Schloss Trebnitz, Mo - So 11 bis 17 Uhr, danach in Frankfurt, Posen und Slubice

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