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Pfarrerin
„Um Frankfurt ist mir nicht bange“

Engagierte Seelsorgerin: Beatrix Forck, Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Lebus, erlebte den 9. November 1989 in der Uckermark.
Engagierte Seelsorgerin: Beatrix Forck, Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Lebus, erlebte den 9. November 1989 in der Uckermark. © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 06.10.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 06.10.2018, 10:27
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der kleinste CDU-Kreisverband Deutschlands begeht den Tag der Deutschen Einheit seit einigen Jahren mit einem spannenden Format. Im kleinen Rahmen sprechen Frankfurter Persönlichkeiten über Wendezeiterlebnisse und Demokratie heute. Diesmal war Pfarrerin Beatrix Forck zu Gast.

Der Gesprächsabend im Restaurant Fratelli begann mit einem klaren Bekenntnis. Tags zuvor habe sie sich eine Flasche Rotwein aufgemacht und ein Glas auf die Deutsche Einheit getrunken. „Ich gehöre zu denen, die sich jedes Jahr ehrlich über diesen Tag freuen. Ich habe E-Mails an Freunde geschrieben, die im Westen Deutschlands leben, und die ich nicht kennen würde, wenn es den Mauerfall nicht gegeben hätte. Dafür bin ich dankbar“, erklärte Beatrix Forck, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Lebus. Es sei wichtig, die Wiedervereinigung zu feiern und sich zu erinnern. „Viele der Freiheiten, die damals erkämpft wurden, sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Doch wir vergessen oft, dass sie keine Selbstverständlichkeit sind.“

Die politische Wende ab Mitte der 1980er-Jahre erlebte Beatrix Forck aus vielen verschiedenen  Perspektiven. Als Theologiestudentin und Vikarin in einem hochpolitisierten Umfeld, in dem Kirche Ausgangspunkt und Dach für einflussreiche Teile der Oppositionsbewegung in der DDR war. Als junge Pfarrerin auf dem Land, fernab der über Nacht wiedervereinten, euphorisierten Hauptstadt. Und als Frau an der Seite von Gottfried Forck; dem Bischof der Ostregion der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, den sie 1991 heiratete, kam in der Wendezeit eine schwierige Rolle zu. Er war ein Friedensbewegter und ein Gegner des DDR-Regimes, beides aus einer evangelisch-christlichen Grundüberzeugung heraus.

Beatrix Forck kam 1954 in Trebus bei Fürstenwalde zur Welt. Ihre Eltern hatten beruflich nichts mit der Kirche zu tun. „Aber ich komme aus einem sozial engagierten und kirchlich sehr traditionellen Haus“, erklärte sie, warum sie sich sehr früh intensiv mit kirchlichen Fragen auseinandersetzte. Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau und einem begonnenen Musikstudium traf sie dann während eines Diakonischen Jahres die Entscheidung, Theologie zu studieren. Dafür ging sie nach Naumburg. „Für mich stand schnell fest: Ich will Pfarrerin werden“. Viele ihrer Kommilitonen hätten  während ihres Studiums die DDR verlassen, erzählte Beatrix Forck. „Auch ich habe im Sommer vor meiner Ordination mit mir gerungen.“ Sie blieb, wurde 1988 ordiniert und ging zunächst an die deutsch-polnische Grenze, in die Uckermark. „Sterbende Dörfer gab es dort damals schon“, erinnert sie sich.

Am Abend des 9. November 1989 war sie noch am Arbeiten, als das Telefon klingelte. Eine Nachbarin rief an und erzählte von der Grenzöffnung. Später hörte sie davon im Radio. „Ich saß da und konnte es nicht glauben.“ Direkt nach Berlin zu fahren, kam nicht in Frage. „Ich hatte am nächsten Morgen eine Beerdigung“, so Forck. Von einem vereinigten Deutschland wagte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht zu träumen. Doch dann erkannte auch sie einen „positiven Bruch als Chance“.

1991 zog sie mit ihrem damals gerade in den Ruhestand verabschiedeten Mann nach Rheinsberg. Dort engagierten sich beide in der Bürgerbewegung gegen einen Bombenabwurfplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide. Nach dem Tod ihres Mannes 1996 wirkte sie unter anderem als Superintendentin des Berliner Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree. 2010 kam Beatrix Forck nach Frankfurt (Oder).

Sie registriere mit Sorge, sagt sie heute, dass sich immer weniger Menschen engagieren, egal ob in Kirchen oder anderswo. „Wir haben es mit Ermüdungs- und Sattheitserscheinungen zu tun“, befand sie. Dabei gehe „Demokratisierung nie zu Ende“. Wo nicht um sie gekämpft werde, sei die Freiheit bedroht.

Das von Michael Möckel, dem CDU-Kreisvorsitzenden, moderierte Gespräch und die spätere Diskussionsrunde endeten mit einem zweiten, klaren Bekenntnis von Beatrix Forck – zu Frankfurt. „Ich bin stolz darauf, eine Frankfurterin zu sein. Die Stadt hat doch so viel auch gewonnen in den letzten Jahren. Wir sind super aufgestellt, mit vielen Kunst- und Kultureinrichtungen von nennenswertem Rang, dazu der Viadrina und der Marienkirche“, findet sie. Um Frankfurt, so die Pfarrerin, „ist mir überhaupt nicht bange“.

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