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Der Breitbandausbau der Telekomnetze ist fast abgeschlossen

Breitband-Ausbau
Warten auf Schaltkasten aus China

Bauarbeiten am Studentenwohnheim: Vor wenigen Tagen misslang hier eine sensorgesteuerte Tiefbohrung, weil der Untergrund voller Geröll war. Größtenteils jedoch ist der seit September 2017 laufende Breitbandausbau der Telekom fast abgeschlossen.
Bauarbeiten am Studentenwohnheim: Vor wenigen Tagen misslang hier eine sensorgesteuerte Tiefbohrung, weil der Untergrund voller Geröll war. Größtenteils jedoch ist der seit September 2017 laufende Breitbandausbau der Telekom fast abgeschlossen. © Foto: Deutsche Telekom
Thomas Gutke / 16.10.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 16.10.2018, 10:43
Frankfurt (Oder) (MOZ) In Sachen schnelles Internet ist die Stadt ein digitaler Flickenteppich. Die Übertragungsraten in den meisten Haushalten sind unterdurchschnittlich – noch. Denn die Telekom steht kurz vor dem Abschluss des Ausbaus der eigenen Breitbandnetze. Und soll nun auch den geförderten Ausbau für die Stadt übernehmen.

Vor wenigen Wochen hat die Stadt die Konzession für die millionenschwere Erschließung mit schnellem Internet in unterversorgten Gebieten an die Deutsche Telekom vergeben. „Es gab mehrere Bewerber. Die Telekom hat unser Konzept, die Breitbandversorgung zukunftsfest aufzustellen, mitgetragen. Das heißt: eine Verlegung von Glasfaser bis ans Haus“, erklärt der städtische Wirtschaftsreferent Mario Quast.

Bund und Land fördern den kommunalen Ausbau im Rahmen der deutschlandweiten Breitbandinitiative mit 10 Millionen Euro. Der Vergabe vorausgegangen waren eine Marktanalyse und ein komplexes Ausschreibungsverfahren. Mit dem staatlichen Geld werden gut 2300 unterversorgte Privathaushalte in der Kernstadt Anbindung ans schnelle Internet bekommen, darüber hinaus weitere Haushalte in den Ortsteilen. Es profitieren aber auch Gewerbegebiete und Bildungseinrichtungen mit Bandbreiten bis zu 1 Gigabit. Der Baustart ist für Anfang 2019 vorgesehen. Noch wird die Konzessionsvergabe geprüft, das heißt, die Fördermittel sind noch nicht freigegeben.

Was den flächendeckenden Breitbandausbau so schwierig macht, sind die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Denn vom kommunalen Ausbau ausgeschlossen sind jene Stadtgebiete, in denen Telekommunikationsdienstleister ihre Netze selbst ausbauen wollen. Oder zumindest die Absicht dazu erklärt haben. Doch der einzige (aber immerhin größte) Provider, der dabei ist, sein Versprechen einzulösen, ist die Telekom. Im September 2017 begannen die Arbeiten im ersten Ausbauabschnitt zwischen Güldendorf und Innenstadt. Seit Juni 2018 wird der zweite Abschnitt im Norden Frankfurts ausgebaut. Seitdem arbeitet sich das beauftragte Tiefbauunternehmen Bohlen und Doyen Straßenzug für Straßenzug voran.

Der Großteil des Ausbaus ist inzwischen abgeschlossen, auch wenn es vereinzelt zu Problemen kam. So musste beispielsweise am Studentenwohnheim an der Stadtbrücke eine gesteuerte Tiefbohrung wegen des schwierigen Untergrundes abgebrochen werden, berichtet Sven Nitze, Regiomanager bei der Telekom. Eine weitere Hürde: Die Sockel für die Kästen mit den Kabelverzweigern stehen zwar schon – auf die mehr als 100 Schaltkästen des chinesischen Unternehmens Huawei selbst aber wartet die Telekom immer noch. Der Generalauftragnehmer habe aufgrund der hohen Nachfrage derzeit mit Lieferengpässen zu kämpfen. Trotzdem geht Sven Nitze davon aus, dass ab 10. Dezember die ersten 6000 Frankfurter Haushalte schnelles Internet buchen können. Weitere 17 000 Haushalte sollen dann ab Januar 2019 folgen. Schnelles Internet heißt: Übertragungsraten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde sind dann möglich. „Gleichzeitig Spielfilme zu streamen, zu telefonieren und im Internet zu surfen, sollte damit ohne Probleme möglich sein. Für eine normale Familie ist die Bandbreite völlig ausreichend“, sagt der Telekom-Fachmann. Über ein Softwareupdate (Super-Vectoring genannt) soll sich die Geschwindigkeit später auf 250 Megabit pro Sekunde erhöhen.

Die Nachfrage der Frankfurter sei groß, berichtet Sven Nitze. Das habe ein Test vor einigen Wochen gezeigt, als die Deutsche Telekom im Kosmonautenviertel mit den ersten fünf Schaltkästen rund 200 Haushalte anschloss. Das Unternehmen überlege daher, zusätzliches Personal im Telekom-Shop in den Lennépassagen einzusetzen, sobald das modernisierte Netz vollständig in Betrieb genommen wird. „Schon jetzt haben Kunden die Möglichkeit, sich die neuen Bandbreiten reservieren zu lassen“, so Nitze.

Doch ein Problem bleibt: von den anderen Dienstleistern liegen der Stadt zwar Absichtserklärungen, jedoch noch immer keine konkreten Ausbaupläne vor. „Da haben wir leider keine Sanktionsmöglichkeiten“, kritisiert Mario Quast und spricht von einem Flickenteppich – auch wenn am Ende nur wenige Inseln ohne schnelles Internet übrig bleiben werden. „Es lässt sich schon jetzt nicht vermitteln, warum an der Uni Glasfaser anliegt und 50 Meter nebenan die Ladezeit für ein Video mehrere Stunden beträgt. Hier hat der Gesetzgeber geschlafen.“

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