Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wohnen
Sozial sanieren statt neu bauen

Wohnhaus in der Oberen Stadt: Frankfurt setzt darauf, in den nächsten Jahren viele Plattenbauten zu sanieren.
Wohnhaus in der Oberen Stadt: Frankfurt setzt darauf, in den nächsten Jahren viele Plattenbauten zu sanieren. © Foto: Gerrit Freitag/MOZ
Thomas Gutke / 29.11.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.11.2018, 08:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Verwaltung und Wohnungsunternehmen arbeiten an einer neuen Strategie für den Stadtumbau. Weitere Abrisslisten soll es vorerst nicht geben. Auch der Neubau von Sozialwohnungen ist kein Thema. Stattdessen soll künftig verstärkt in leerstehende Plattenbauten investiert werden.

Die Fortschreibung der Stadtumbaustrategie ist eine Grundlage für Fördergelder aus dem Stadtumbau-Programm. „Es geht darum, unsere Ansprüche besser zu formulieren“, erklärte Torsten Bock, Abteilungsleiter Stadtplanung, kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss.

Die Oderstadt hat angesichts der Bevölkerungsverluste inzwischen mehr als 10 000 Wohnungen abreißen müssen. Laut Torsten Bock ist Frankfurt die Stadt in Brandenburg mit dem größten Rückbauvolumen überhaupt. Rückblickend sei dies auch der richtige Weg gewesen. Denn ohne Abriss würde der Leerstand bei den großen Wohnungsunternehmen hypothetisch heute 42,6 Prozent betragen.

Doch auch wenn nachwievor 8,5 Prozent der Wohnungen leer stehen, will die Stadt jetzt „innehalten und beobachten“, wie René Wilke das Umsteuern formulierte. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr hatte der OB einen vorläufigen Abrissstopp verkündet. Aus mehreren Gründen: Zum einen sagt die Bevölkerungsprognose eine stabile Einwohnerentwicklung voraus. Zum anderen will die Stadt bezahlbaren Wohnraum nicht weiter künstlich verknappen – schließlich wirbt die Stadt gerade um Zuzügler aus dem teuren Berlin.

Insgesamt gibt es in Frankfurt derzeit 33 116 Wohnungen, darunter rund 45 Prozent in Plattenbauten. Demgegenüber stehen 31508 Haushalte, rechnete Torsten Bock vor. Einschließlich bereits beschlossener Abrisse werde die Zahl der Wohnungen bis 2020 unwesentlich sinken und dann bis 2030 durch Neubauten für verschiedene Ansprüche und Geldbeutel um mehr als 1000 Wohnungen ansteigen.

„Die Szenarien können sich auch in eine andere Richtungen entwickeln. Wir sind aber derzeit eher optimistisch, und sagen, dass wir ein Stück weit einen Strategiewechsel brauchen“, betonte der OB. „Aber“, fügte er hinzu, in der Stadtumbaustrategie müsse sich Frankfurt für alle Szenarien wappnen. Deshalb sei der Wohnungsabriss für die Zukunft nachwievor auch eine Option, „ohne das wir anstreben, das in Anspruch zu nehmen“.

Die strategischen Ziele seien andere, betonten Torsten Bock und René Wilke: dazu gehören mehr Möglichkeiten für altersgerechtes  und für studentisches Wohnen, die Bereitstellungen von Flächen für Wohneigentum oder die Umnutzung von Gebäuden wie Kasernen oder Krankenhäuser.

Darüber hinaus müsse es jedoch künftig vor allem darum gehen, in den Bestand zu investieren. „Wir brauchen in Frankfurt keinen sozialen Wohnungsneubau, sondern sozial verträgliche Sanierungen von Plattenbauwohnungen. Um mit diesen Mitteln dafür zu sorgen, dass die Umlagen auf die Miete gering gehalten werden können. Das ist die Strategie, auf die wir hinaus müssen“, betonte Wilke.

Ein Ansatz, den auch Jan Eckardt, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft, für richtig hält. Der Neubau von Sozialwohnungen koste viel Geld. „Und dann habe ich leerstehende Platten, die ich abreißen muss. Das macht in unserer Stadt keinen Sinn. Wir haben genug Wohnraum. Wir müssen ihn bloß in die richtige Qualität bringen“, so Eckardt. Dafür gebe es zwar auch Förderprogramme. „Doch diese haben zum Teil Anforderungen, die wir in unseren Häusern nicht erfüllen können.“

Als Beispiele nannte er den Einbau  von Aufzügen, die eine bestimmte Größe haben müssten, um gefördert zu werden, jedoch nicht in die Blöcke passen. Kleinere Aufzüge hingegen seien nicht förderfähig. „Das gehört zu den Dingen, die wir mit dem Land gerade besprechen. Bestimmte Förderbedingungen müssen einfach flexibler gestaltet werden. Auch kleinere Aufzüge sind nützlich.“ Die Plattenbauten, so der Wowi-Chef, müssten in einen solchen Zustand gebracht werden, „dass auch ein 85-Jähriger problemlos in die fünfte Etage kommt“.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Manuela Merker 29.11.2018 - 13:18:37

Innehalten, beobachten ,nichts entscheiden

Dieser OB und sein Team sind eine Katastrophe- Sprechblasen, herum eiern, jedem alles versprechend und sich immer Türchen offenhalten, bloß nichts entscheiden! Strategiewechsel, aber... , und vielleicht..? Früher nannte man das, den Mantel nach dem Wind drehen oder auch Wendehals! - keine Verbindlichkeiten, nur populistisches Gerede , um möglichst von jedem geliebt zu werden. Das bringt unsere Stadt nicht weiter! Irgendwann sind die vom Vorgänger platzierten Erfolge (2. Teil Yamaichi, Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz, Buslinie nach Polen...), die er sich derzeit auf die Fahnen schreibt, aufgebraucht und was kommt dann? Ich verweise auf die Ergebnisse des Runden Tisches Kinderarmut: müsste, hätte , wenn- nichts Konkretes. Und ach, es hängt vom Elternhaus ab, die Eltern brauchen ein höheres Einkommen - welch bahnbrechende Erkenntnis!!! Aber wodurch nur?

Manuela Merker 29.11.2018 - 13:18:36

Innehalten, beobachten ,nichts entscheiden

Dieser OB und sein Team sind eine Katastrophe- Sprechblasen, herum eiern, jedem alles versprechend und sich immer Türchen offenhalten, bloß nichts entscheiden! Strategiewechsel, aber... , und vielleicht..? Früher nannte man das, den Mantel nach dem Wind drehen oder auch Wendehals! - keine Verbindlichkeiten, nur populistisches Gerede , um möglichst von jedem geliebt zu werden. Das bringt unsere Stadt nicht weiter! Irgendwann sind die vom Vorgänger platzierten Erfolge (2. Teil Yamaichi, Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz, Buslinie nach Polen...), die er sich derzeit auf die Fahnen schreibt, aufgebraucht und was kommt dann? Ich verweise auf die Ergebnisse des Runden Tisches Kinderarmut: müsste, hätte , wenn- nichts Konkretes. Und ach, es hängt vom Elternhaus ab, die Eltern brauchen ein höheres Einkommen - welch bahnbrechende Erkenntnis!!! Aber wodurch nur?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG