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Finissage der Ausstellung „Moderne Bauten in Frankfurt und Poznan“ während der Zwischenkriegszeit

Finissage
Architektur-Schau zeigt Gemeinsames

Im Container: Nach der Finissage im Collegium Polonicum führte der polnische Architektur-Historiker Szymon Piotr Kubiak ein letztes Mal durch die Präsentation.
Im Container: Nach der Finissage im Collegium Polonicum führte der polnische Architektur-Historiker Szymon Piotr Kubiak ein letztes Mal durch die Präsentation. © Foto: Ralf Loock
Ralf Loock / 13.12.2018, 07:45 Uhr - Aktualisiert 13.12.2018, 08:54
Frankfurt/Trebnitz (MOZ) Mehr als 1000 Besucher haben sich die Ausstellung „Zwischen Moderne und nationalem Bauen. Architektur- und Städtebauprojekte in Poznan und Frankfurt (Oder) in der Zwischenkriegszeit“ angesehen. Bei der Finissage wurde jetzt Bilanz gezogen.

Der Viadrina-Professor Paul Zalewski, der polnische Architektur-Historiker Szymon Piotr Kubiak, der 2016 ein beachtenswertes Buch über die Baugeschichte in Poznan in der Zwischenkriegszeit vorgelegt hat, sowie Stephan Felsberg, Leiter Stadtmarketing Frankfurt, konnten bei der Veranstaltung im Collegium Polonicum in Słubice auf Präsentationen des Ausstellungs-Containers in drei Orten – Schloss Trebnitz, Frankfurt, Poznan und abschließend wieder Frankfurt – zurückblicken. „Wir sind mit den Besucherzahlen und der allgemeinen Aufmerksamkeit sehr zufrieden“, erläuterte Stephan Felsberg.

Die Eröffnung in Trebnitz durch Staatssekretär Martin Gorholt, in Posen durch den Stadtpräsidenten und in Frankfurt durch die Präsidenten der Universitäten Viadrina und Poznan habe das Projekt zudem stark aufgewertet. Die Lage des Containers auf dem Frankfurter Uni-Campus und in Poznan im innerstädtischen Stadtamt hat neben dem freien Eintritt zu der angestrebten „guten Besucherzahl“ geführt. Zusammen mit weiteren Veranstaltungen – Buchvorstellungen, Diskussionen und einer Exkursion – habe das Gesamtprojekt „1918. Die vergessene Grenze“ mehr als 2000 Personen erreicht.

Die Projektträger aus dem Schloss Trebnitz betonten dabei die Bedeutung für die Gegenwart, das Projekt habe „zu einer enormen Sichtbarkeit der Partnerschaft Brandenburg-Großpolen in breiten Schichten der Bevölkerung“ geführt. Aus Sicht des Frankfurter Stadtmarketings war die Ausstellung in vielerlei Hinsicht ein „großer Erfolg“, so Stephan Felsberg, denn es sei unter anderem gelungen, auf die Besonderheit der Frankfurter Architektur hinzuweisen und für Einwohner und Gäste der Stadt ein bleibendes Angebot zur Entdeckung dieser besonderen Bauphase zu schaffen. Für die Realisierung wurden mehr als 100 000 Euro Fördermittel von Bund und Land akquiriert. Das Netzwerk Kulturland Brandenburg möchte die Ausstellung Anfang 2019 auch in Potsdam auf dem Neuen Markt zeigen, kündigte Stephan Felsberg an.

Bei der Finissage wurde die Frage aufgeworfen, was denn nun das Ergebnis all dieser Forschungen zum „nationalen Stil“ sei, wie man einen deutschen bzw. einen polnischen Baustil definieren könne? Es gebe diese objektiv überhaupt nicht, antworteten übereinstimmend Paul Zalewski und Szymon Piotr Kubiak. Es sei zwar richtig, dass es in beiden Ländern während der Zwischenkriegszeit beispielsweise bei Richtfesten und Einweihungen eine nationale Rhetorik gegeben habe, in der den Bauten bestimmte nationale Eigenschaften und Ausdrucksformen zugeschrieben worden, aber dies war alles Imagination. Objektiv gesehen seien auffallend ähnliche moderne Bauten in Frankfurt und Poznan entstanden und eine nationale Ausprägung sei schlicht nicht nachweisbar, bilanzierten die Forscher.

Dies alles ist ein schwieriges Thema, denn nicht wenige Betrachter haben sich damals und auch heute zu der irrigen Einschätzung verleiten lassen, es gebe eine nationale Architektur in Frankfurt, die Bauten der Zwischenkriegszeit in der Oderstadt seien ein „Bollwerk des Deutschtums“. Dabei steht in dem von Paul Zalewski zur Ausstellung herausgegebenen Architektur-Führer „Die Gunst der Stunde“ genau das Gegenteil, dort schreiben Szymon Piotr Kubiak und Uwe Rada zur Zwischenkriegs-Architektur in Frankfurt und Poznan, dass von einer „explizit ,deutschen Architektur‘ keine Rede“ sein könne. Vielmehr könne man für beide Städte sagen, „dass sich die Architekten den an sie gerichteten Erwartungshaltungen entzogen haben.“ Was in Frankfurt modern und beliebt war, war es auch in Poznan. Damals seien Ensembles entstanden, „die jeweils auch im anderen Land hätten gebaut werden können.“

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