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Viadrina-Professor Reimund Schwarze blickt nach seiner Teilnahme am UN-Klimagipfel in Polen ins neue Jahr und vergleicht die UN-Führung mit Luther

Klimagipfel
Katowice und die moderne Reformation

Betreut die Ausbildung in Internationaler Umweltökonomie an der Viadrina: Reimund Schwarze
Betreut die Ausbildung in Internationaler Umweltökonomie an der Viadrina: Reimund Schwarze © Foto: UFZ
Lisa Mahlke / 03.01.2019, 06:15 Uhr - Aktualisiert 03.01.2019, 08:57
Frankfurt (Oder) (MOZ) Viadrina-Professor Reimund Schwarze war als Beobachter beim UN-Klimagipfel in Katowice dabei. Was er daraus mitnimmt und wie er nach dieser Erfahrung ins neue Jahr blickt, wollte von ihm wissen.

Herr Schwarze, mit welchem Gefühl gehen Sie ins neue Jahr, nachdem Sie beim Klimagipfel dabei waren?

Es wurde für den Verhandlungsprozess ein wichtiger Schritt genommen. Das erste Treffen der Parteien nach dem Paris-Abkommen hat hohe Erwartungen gesetzt. Wäre es gescheitert, wären wir sehr betrübt in den Jahreswechsel gegangen. Jetzt gehen wir mit einem Gefühl des verhaltenen Optimismus in das nächste Jahr und gucken alle natürlich auf die Klimakonferenz in New York im September. Da werde ich nicht dabei sein.

Worin liegt der Unterschied, wenn Sie das Treffen im Fernsehen verfolgen oder dabei sind?

Ich denke schon, dass es einen großen Unterschied macht. Es gibt ja viele Dinge, die nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Zum Beispiel Äußerungen, die gefallen sind, die nirgendwo aufgenommen wurden. Mich interessiert weniger das Ergebnis als die Frage: Wie funktionieren Verhandlungsprozesse? Und dafür ist es sehr wichtig, auch mal vor Ort zu sein.

Sind Sie denn unzufrieden mit dem Ausgang der Konferenz?

Es ist dort Einiges passiert auf der Ebene der Diplomatie, was einen schon nachdenklich stimmt. Die Welt wurde ja quasi aus Brasilien ausgeladen. Das ist jetzt schwerer Seegang, da muss man den Kurs halten, immer das Steuer festhalten.

Nun ist das sehr abstrakt. Was kann den jeder einzelne tun bei diesem schweren Seegang?

Im Glauben an die UN und an die Völkergemeinschaft fest bleiben und nicht abrücken in der Krise. Man muss sich das alles vorstellen wie Reformation.

Und wer ist Martin Luther; wer reformiert wen?

Über lange Zeit war das aus meiner Sicht UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, aber auch sein Vorgänger Kofi Annan. Die Führung der UN muss so standhaft sein wie Luther. Gegen ihn gab es damals eine antireformatorische Koalition, die hatte noch gemeinsame Interessen. Die UN-Antikoalition heute hat erst einmal keine. Das heißt, sie kann sich nicht einigen. Insofern habe ich da Hoffnung. Außerdem ist Chile Unterstützer. Ich glaube, China hält den Kurs. Im letzten Moment hat sich also dieser kleine Kern der Willigen in der UN noch zusammengerauft und die Gegenkräfte sind einfach noch zu schwach, um diese Reformationsbewegung zu vertreiben. Es gibt allerdings auch keinen Grund zur Euphorie.

Was muss stattdessen getan werden?

Den Prozess erhalten, dazu gibt es keine Alternative. Also dieses stetige Wiedertreffen der Gemeinschaft, das miteinander Reden, anstatt sich im Krieg wiederzutreffen. Das ist wie beim Weltfrieden – er ist uns nie gelungen und trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass die Gemeinschaft über den Weltfrieden redet, denn die Alternative dazu ist Krieg. Das sollen auch die Studierenden lernen, die wir an der Viadrina ausbilden: Geduld, sanft sprechen, nicht in Panik geraten in solchen Situationen. Das ist Diplomatie.

Zur Person

Reimund Schwarze betreut seit 2005 als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Viadrina insbesondere die Ausbildung Studierender in Internationaler Umweltökonomie.

Seit 2007 ist er außerdem auch am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wirtschaftswissenschaften und Nachhaltigkeit, internationale Klimapolitik, Management von Naturgefahren sowie Boden- und Grundwasserrisiken.

Der 59-Jährige stammt aus Hildesheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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