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Astronergy-Werkhalle
Fabrik der geplatzten Träume

Lang ist es her: Zur Grundsteinlegung für die Chipfabrik am 14. August 2002 reisten auch die damalige Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und Matthias Platzeck (2.v.r.) nach Frankfurt.
Lang ist es her: Zur Grundsteinlegung für die Chipfabrik am 14. August 2002 reisten auch die damalige Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und Matthias Platzeck (2.v.r.) nach Frankfurt. © Foto: Heinz Köhler
Thomas Gutke / 21.01.2019, 19:42 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Bis März werden bei Astronergy noch Solarmodule gefertigt, dann steht die Produktion still. Was danach aus der Fabrikhalle wird, ist offen. Gebaut wurde sie 2001/2002. Die Geschichte der Industrieimmobilie steht bis heute unter keinem guten Stern.

Die Einstellung der Fertigung sei innerhalb des ersten Quartals geplant und erfolge in Abstimmung mit dem Kunden, informiert Unternehmenssprecherin Tina Kunath. Und sie stellt klar: „Astronergy plant, den Standort Frankfurt weiterzuführen, als Vertriebs- und Servicezentrum für unsere Kunden.“  Wie berichtet, sollen dennoch rund 200 der 230 Arbeitsplätze wegfallen. Die Gespräche mit dem Betriebsrat zum beabsichtigten Unternehmensumbau haben inzwischen begonnen.

Welche Rolle die Produktionshalle in den Überlegungen von Astronergy noch spielt, „wird aktuell noch diskutiert“, sagt Tina Kunath. Gleiches gelte für die in der Fabrik installierten Maschinen. „Wirtschaftliche Vor- und Nachteile sind noch zu bewerten. Weiterhin muss ein zukünftiges Nutzungskonzept auch noch mit dem Vermieter diskutiert werden“, erklärt die Sprecherin. Denn das zur chinesischen Chint-Gruppe gehörende Unternehmen ist nicht Eigentümer der Industrieimmobilie. Das Geschäftsgebäude und die Produktionshallen werden von Astronergy nur als Mieter genutzt. Vermieter ist nach Angaben von Tina Kunath der Insolvenzverwalter der ehemaligen Conergy SolarModule GmbH. 2013 hatte Astronergy den Standort des Unternehmens übernommen. Die Verhandlungen zur Sanierung der Conergy AG führte damals Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz aus Hamburg.

Will Astronergy den Gebäudekomplex weiter nutzen – beispielsweise, um aus Asien importierte Solarmodule zu lagern und von Frankfurt aus zu vertreiben – müsste die Geschäftsführung den ohnehin befristeten Mietvertrag neu aufsetzen. Denn dieser sei abgeschlossen worden für die Fertigung und den Handel von Lösungen im Bereich erneuerbare Energien. „Da zukünftig der Bereich Fertigung wegfallen soll, spricht vieles für eine Anpassung an die geänderten Gegebenheiten. Wir haben den Vermieter bereits informiert und streben zeitnah Gespräche an.“

Wie es auch kommt: Das Aus für die Produktion von Photovoltaik ist der nächste Rückschlag in der fast 20-jährigen Geschichte des Fabrikstandortes zwischen A12 und Gartenstadt. 1999 begann die Stadt nach einer Liegenschaft für eine Chipfabrik zu suchen, die Frankfurt nach der Abwicklung des Halbleiterwerkes wieder Industriearbeitsplätze bringen sollte. Ab Anfang 2001 wurde es konkret. Ein arabischer Großinvestor und der US-amerikanische Chiphersteller Intel wollten zusammen mit dem Land ein 1,5 Milliarden Dollar teures High-Tech-Werk bauen. In der Fabrik sollte eine vom IHP entwickelte Technologie verwertet werden, bis zu 1000 Arbeitsplätze standen in Aussicht. Vom „Silicon Valley an der Oder“ war bereits die Rede, in der Stadt herrschte Aufbruchstimmung. Im Mai 2001 begannen Erdarbeiten, am 14. August 2002 wurde der Grundstein gelegt. Doch der Traum vom Großprojekt im märkischen Sand zerplatzte spätestens im November 2003, weil die Gesamtfinanzierung scheiterte. Übrig blieb eine Investitionsruine, zu der unter anderem die bereits fertiggestellte, 219 Meter lange und 72 Meter breite Fabrik gehörte. Auf die Chip-Euphorie folgte nach drei Jahren Leerstand der Solar-Rausch. 2006 gelang es der Communicant AG – Betreibergesellschaft der Chipfabrik – den vollständig erschlossenen, 30 000 Quadratmeter großen Komplex an Conergy zu verkaufen. 2007 begann die Produktion von Solarmodulen; mittelfristig wollte das Unternehmen in Frankfurt 1000 Menschen beschäftigen. Doch es kam anders. Als Astronergy das Werk  2013 übernahm, durften von 280 Beschäftigten 210 bleiben. Viele von ihnen sollen nun, sechs Jahre später, entlassen werden.

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