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Engpass
Polnische Hautärzte bekommen mehr als deutsche

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Lisa Mahlke / 03.02.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 04.02.2019, 06:44
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Haut-Ambulanz im Klinikum nehme keine neuen Patienten an, hat Lichtenbergs Ortsvorsteherin Ellen Thom mit Schrecken festgestellt. „Im Akutfall muss der Hausarzt selbst einen Termin machen“, erfuhr sie.

Und auch in Müllrose sei es unmöglich, einen Termin bei der Hautärztin zu bekommen, weiß sie. Auf deren Internetseite heißt es: „Aus Kapazitätsgründen infolge des gravierenden Hautärztemangels in unserer Region und um die weitere Versorgung der bestehenden Patienten unserer Praxis gewährleisten zu können, ist es uns momentan leider nicht möglich, weitere Neupatienten aufzunehmen.“ Nur ein Hausarzt könne, „falls es notwendig sein sollte, mit uns kurzfristig einen Akut-Termin vereinbaren.“

„Ich kann doch nicht bis nach Berlin fahren“, sagt Ellen Thom, die berufstätig ist. Das Thema stand kürzlich auf der Tagesordnung des Gesundheits- und Sozialausschusses der Stadt. Dort erklärte Sozialdezernent Jens-Marcel Ullrich: „Es ist bisher nicht gelungen, einen Hautarzt zu finden, der sich in Frankfurt niederlassen möchte“. Er verwies darauf, dass Patienten weiter das Dermatologie-Angebot im MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) im Klinikum in Anspruch nehmen müssten.

Die Stadt sei im Gespräch mit einem Interessierten aus Berlin, der in Frankfurt eine Nebenpraxis eröffnen möchte. „Es ist aber noch nicht zu belastbaren Ergebnissen gekommen“, so Ullrich.

„Selbst wenn er einen Nebensitz hier aufmacht, wird noch nicht einmal, die Kapazität von früher erreicht werden“, meinte die Abgeordnete Renate Berthold (Bürgerbündnis). Sie fragte, ob es Bestrebungen gebe, mit dem deutsch-polnischen Gesundheitszentrum Brandmed in Słubice in Kontakt zu treten oder potenzielle Patienten auf die dortigen Angebote stärker hinzuweisen? „Der Bedarf ist ja so groß, dass wir niemandem etwas wegnehmen“, sagte sie. Den Słubicer Hautarzt im Gesundheitszentrum hatte auch Ellen Thom als potenzielle Lösung hinterfragt.

Chirurg Dr. Christian Federlein wies in der Sitzung darauf hin, dass die Krankenkassen Behandlungen in Polen bezahlen. „Man muss wissen, dass der Patient dort eine Privatrechnung bekommt, ungefähr 36 Euro, und die Krankenkasse bezahlt dem Patienten davon dann 20 Euro,“ so Federlein. Das sei mehr, als sie der kassenärztlichen Vereinigung für deutsche Dermatologen zahle.

„Das heißt, die Krankenkassen zahlen polnischen Ärzten mehr als den deutschen, das muss man mal so zusammenfassen.“ Im ersten Quartal 2017 habe ein Dermatologe im Land Brandenburg pro Fall etwa 15 Euro bekommen. Jens-Marcel Ullrich antwortete Renate Berthold, dass es kontraproduktiv wäre, öffentlich für das Angebot in Polen zu werben, wenn es doch für Frankfurt einen Interessenten gebe. Das neue ASB-Gesundheitszentrum in der Heilbronner Straße wolle zwar verstärkt mit „Brandmed“ zusammenarbeiten. Aber Ullrich will den Interessenten aus Berlin nicht verschrecken.

„Wenn wir zur nächsten Ausschuss-Sitzung nichts Konkretes anbieten können, dann sollten wir die Diskussion noch einmal vertiefend führen“, kündigte er an. Die nächste öffentliche Beratung des Gesundheitsausschusses findet am 26. Februar, ab 17 Uhr im Raum Heilbronn des Rathauses statt.

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Norbert Wesenberg 04.02.2019 - 11:01:40

Korrektur

Natürlich hieß die Gesundheitsministerin "Frau Golze". Offenbar sträubt sich selbst der Computer ihren Namen zu schreiben.

Norbert Wesenberg 04.02.2019 - 10:54:24

kay-uwe granz

Nach den Erfahrungen mit dem Gesundheitsministerium von Frau Bolze, Die Linke, und der Dickfelligkeit von Politikern, ist ein Erfolg vor dem Potsdamer Landtag zu demonstrieren wohl nicht zu erwarten. Sie verstehen nur die Sprache des Wählers zur Europa- und Landtagswahl.

kay-uwe granz 04.02.2019 - 09:15:41

@ Norbert Wesenberg

Danke, für die Antwort. Ihr vorletzter Satz bringt es auf den "wunden" Punkt. Gemeinsam gegen einen Missstand anzutreten, dürften wohl die Wenigtsen in Betracht ziehen. Auch scheint mir die Notaufnahme, der falsche Ort zu sein. Der Potsdamer Landtag dürfte die richtige Adresse sein, man macht ja dort, zur Zeit,wieder große Wahlkampfversprechen. Wird aber, spätestens am Rasen vor dem Landtag, scheitern, weil dort ein Schild steht "RASEN BETRETEN VERBOTEN". „Das eigenartige an den Sozialisten ist doch, daß sie ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen, in der Gegenwart versagen und für die Zukunft goldene Berge versprechen“ (Franz Josef Strauß).

Norbert Wesenberg 04.02.2019 - 08:06:53

kay-uwe granz

Da wäre zum einen die Landesärztekammer in Potsdam die sich so abgeschirmt hat, das sie telefonisch nur schwer erreichbar ist und kaum eine brauchbare Hilfe ist. Älteren Patienten und je nach Schwere der Erkrankung, ist wohl kaum zuzumuten nach Berlin zu fahren. Ebenso erzählt einem am Telefon auch das Potsdamer Gesundheitsministerium am Telefon nur dummes Zeug. Unbestritten dürfte wohl sein, dass das Klinikum in Markendorf in erster Linie einen Versorgungsauftrag für die Stadt Frankfurt (Oder) hat und nicht für Halb Brandenburg. Nachdem ich ein dreiviertel Jahr erfolglos versucht hatte einen Termin zu bekommen und die Hautkrankheit immer schlimmer wurde, wollte ich eigentlich den Ärztlichen Direktor des Klinikums mit dieser Frage konfrontieren. Aber der war natürlich früh um 7.30 Uhr nicht zu erreichen. Also habe ich mich in der Notaufnahme gemeldet und mich nicht abweisen lassen. Meine Hausärztin hat sich zwar vorher redlich Mühe gegeben, aber nach erfolgloser Verordnung diverser Salben, die mich an die 50 Euro gekostet haben, war dann das Ende der Fahnenstange erreicht. Es wäre doch mal interessant zu erfahren wie sich das Klinikum verhält, wenn sich alle abgewiesenen Patienten in der Notaufnahme versammeln. Nur Druck machen hilft hier weiter; sonst nichts.

kay-uwe granz 03.02.2019 - 14:00:46

@ Norbert Wesenberg

Gibt es denn auch eine konkrete Anlaufstelle, bei der ich die Ellenbogen breit machen kann? Für einen Tip, wären wohl so Einige dankbar!

Norbert Wesenberg 03.02.2019 - 13:22:26

Theater

Das das MVZ in Markendorf keine Neupatienten mehr annimmt, geht seit der Praxisschließung der letzten Hautärztin in Frankfurt (Oder) so und ist seit zwei Jahren nichts Neues. Als zahlender Kunde der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland erwartet man selbstverständlich auch in akzeptabler Nähe ein dementsprechende Behandlung. Der Verweis, den bekommt man auch im MVZ als abgewiesener Patient, man möge doch einen Dermatologen in Slubice in Anspruch nehmen, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Letztlich bleibt man nach Abrechnung der Privatleistung bei seiner Krankenkasse auf sechzehn Euro Miese sitzen. Also liebe abgewiesene Patienten, einfach mal auf die Hinterbeine stellen und die Ellenbogen ganz breit bei denen machen, die diese Zustände zu verantworten haben. Und aus eigener Erfahrung; es funktioniert. Einfach nicht für dumm verkaufen lassen.

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