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Malender Ex-Minister
„Politik nicht in jedes Gemälde reinzaubern“

Ex-Bauminister Hartmut Meyer zeigt eines seiner Gemälde in der Spectrum Galerie im Baumschulenweg.
Ex-Bauminister Hartmut Meyer zeigt eines seiner Gemälde in der Spectrum Galerie im Baumschulenweg. © Foto: Stefanie Ender
Stefanie Ender / 12.02.2019, 06:45 Uhr
Frankfurt (Oder) Vor 16 Jahren war er Brandenburgs Bauminister, heute sind Leinwand und Pinsel seine Plattform. Hartmut Meyer (75) hat sein Rentnerdasein der Malerei verschrieben. Zu Papier bringt er Landschaften, abstrakte Gemälde und vereinzelt auch politische Botschaften, die aktuell in der Spectrum Galerie hängen. Dazu gebracht hat ihn eine Wette unter Freunden.

„In einer Kunstausstellung in Bad Freienwalde im Jahr 2010 begann alles“, erzählt Hartmut Meyer, der damals pensioniert wurde. Nach einem Rundgang durch die Galerie habe er zu seinen Freunden gesagt: „Sowas kann ich auch“. Dieser Satz brachte eine Wette ins Rollen. Der Ex-Minister wurde herausgefordert, zu beweisen, dass er eine vergleichbare Ausstellung mit selbst gemalten Bildern innerhalb eines halben Jahres auf die Beine stellen könnte.

„Ich habe mich hingesetzt und losgelegt. Etwa 20 bis 25 Bilder sind in dieser Zeit entstanden“, erzählt Hartmut Meyer lachend. Die Wette hat er gewonnen und dabei seine Leidenschaft entdeckt. Zunächst schuf er Federzeichnungen von Straßen und Deichlandschaften. Die Zutaten für sein neues Hobby hatte er bereits. Tusche, Feder und die Kenntnis von peripheren Ansichten und richtigen Proportionen habe er aus seiner Tätigkeit als Ingenieur geerbt, meint er.

In Leipzig studierte Hartmut Meyer Maschinenbau und Bauwirtschaft. Später arbeitete er als Bauleiter im Landbaukombinat in Wriezen. Es folgten die Positionen als Ökonomischer Direktor, Vorstand der Märkischen Bau AG und Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft in Bad Freienwalde. Zeitgleich engagierte sich Hartmut Meyer politisch und wurde 1990 als Abgeordneter in den Brandenburger Landtag gewählt, kurz nachdem er im gleichen Jahr in die SPD eintrat. Drei Jahre später wurde er Bauminister.

„Heute bin ich kein Politiker mehr“, sagt Meyer. Vor zehn Jahren trat er aus der Partei aus. Das Metier sei viel zu ernst, als dass er es nebenbei betreiben könne. Stattdessen lebt er nun aus, wofür er als Berufspolitiker keine Zeit hatte. „Ich bin glücklich, die Malerei als Hobby gefunden zu haben“, so Meyer, dessen Bilder größtenteils unpolitisch von der Landschaft Brandenburgs erzählen. Denn: „Politik soll man machen, aber nicht in jedes Gemälde reinzaubern“, sagt er.

Ab und an sind in seinen Werken dennoch politische Fußspuren zu finden. Beispielsweise ein Bild von großäugigen Schafen, welches mit „Wir schaffen das“ überschrieben ist und am unteren Bildrand eine stilisierte Merkel-Raute trägt. Es hängt in seiner aktuellen Ausstellung in der Spectrum Galerie.

Hartmut Meyer nennt sich Hobbymaler. Seine Bilder entstehen im Keller seines Hauses in Wriezen. In  einer Ausstellung in Berlin hing eines seiner Bilder sogar neben einem Picasso-Gemälde. Lachend erzählt Meyer von einer Dame, die dort über beide Werke fachsimpelte. Er habe hinter ihr gestanden und bemerkt: „Naja diesen Meyer kennt man ja. Aber wer soll dieser Picasso sein.“ Empört habe sie ihm nachgesagt, dass Menschen wie er nicht auf diese Ausstellung gelassen werden sollten.

Die Ausstellung „Brandenburger Ansichten und mehr“ ist noch bis zum 23. März in der Spectrum Galerie Kunigam, Baumschulenweg 48, zu sehen.

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