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Kraftsport
Der Muskelschmied

Der amtierende Champion in der 80-Kilo-Klasse: Bodybuilder Sandy Jobs
Der amtierende Champion in der 80-Kilo-Klasse: Bodybuilder Sandy Jobs © Foto: privat
Thomas Sabin / 12.01.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 15.02.2019, 09:51
Frankfurt (MOZ) In der Oderstadt greift Sandy Jobs erst zum Schlagzeug, später zur Hantelstange. Den gebürtigen Frankfurter zog seine große Leidenschaft vor 15 Jahren nach Hamburg. Heute ist der gelernte Tischler und Personaltrainer Weltmeister im Bodybuilding.

Die Geschichte von Sandy Jobs beginnt im Jahr 1974. In Frankfurt wird er geboren. Im Stadtteil Neuberesinchen wächst er auf. „Ich hatte eine schöne und gute Kindheit in Frankfurt, kann mich also nicht beklagen“, sagt der heute 44-Jährige rückblickend. An seine Zeit in Frankfurt denkt er gerne zurück. Immerhin begann hier eine große Karriere.

Nach der Schule machte Jobs eine Ausbildung zum Tischler. Er arbeitete einige Jahre in Müllrose, ging zurück nach Frankfurt und fand Arbeit in verschiedenen Tischlereien der Stadt. Nebenbei beherrschte die Musik sein Leben. Als Schlagzeuger einer Band spielte er in den Kellergewölben des Mikados. „Irgendwann habe ich den Sport für mich entdeckt und gemerkt, dass mir das ganz gut tut.“ Als seine Eltern nach Güldendorf zogen, um eine Kneipe zu betreiben, kaufte er sich eine Kraftstation für zu Hause. Und so fing alles an.

„Irgendwann wollte ich mehr und musste mich wegen des Zeitaufwandes zwischen meiner Band und dem Sport entscheiden. Beides zusammen ging nicht“, sagt der 1,73 Meter große Kraftsportler. Er entschied sich für den Sport, trainierte beim ASK an der Sportschule, begann bald, das Pensum zu erhöhen und nach Plänen zu arbeiten.

„Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen, machte eine weitere Ausbildung zum Personaltrainer und zog vor 15 Jahren nach Hamburg. Frankfurt war für dieses Berufsfeld leider kein guter Standort“, begründet er seinen Schritt in die Elbestadt, in der er heute Wurzeln geschlagen hat. „Dass ich jedoch irgendwann auf den großen Bodybuilding-Bühnen stehen würde, hätte ich nie gedacht.“

Motivation schöpfte Jobs aus Sportzeitschriften. „Die ganzen Profis zu sehen, war für mich Ansporn. Nach den ersten drei Jahren in Hamburg entschied ich mich, auch auf die Bühne zu gehen.“ Er machte eine Diät, um herauszufinden was unter den Schichten steckt, wie trainiert er wirklich ist. „Olaf Peters, mehrfacher Weltmeister und eine echte Koryphäe im Bodybuilding, hat mich aufgenommen und vorbereitet. Er hat mich zu meinen ersten Wettkämpfen gebracht und begleitet“, sagt Jobs. Fortan betrieb er Bodybuilding als Wettkampfsport.

Zahlreiche Titel sollten folgen. Jobs nahm an regionalen Wettkämpfen in Hamburg, Kiel und Berlin teil. „Von Jahr zu Jahr habe ich mehr Wettkämpfe gemacht, um irgendwann vielleicht mal bei den großen Meisterschaften dabei zu sein. Ich habe mich Stück für Stück hochgearbeitet.“ Er schaffte es zur Deutschen Meisterschaft – und siegte prompt. „Das war mehr als ich je erwartet hatte.“ Doch sein Titeldurst war noch lange nicht gestillt. Jobs wechselte den Trainer. Marcus Ringe, der selbst auf zahlreiche Erfolge im Bodybuilding zurückblicken kann, wurde sein neuer Coach. „Ab dann habe ich es international versucht.“ Jobs und Ringe reisten nach Dänemark zum „Loaded Cup“, eine besondere Meisterschaft. „Dieser Wettkampf ist hoch dotiert und man kann nur mitmachen, wenn man bereits etwas geleistet hat und eingeladen wird“, erklärt Jobs, der in der 80-Kilo-Klasse an den Start geht. Im Anschluss folgte die zweite Deutsche Meisterschaft und 2015 Bronze bei den Europameisterschaften in Santa Susanna (Spanien).

„Das war großartig. Weil ich aber unbedingt noch einmal international starten wollte, schauen wollte, wo die Reise hingehen kann, ließ ich mich operieren. Ich hatte einen Nabelbruch. Der kann unter anderem durch Pressatmung entstehen. Die Operation war eher eine kosmetische Geschichte. Das sieht einfach nicht schön aus im Wettkampf“, erklärt Jobs.

In den folgenden Jahren konzentrierte er sich auf das Training, versuchte sich weiter zu verbessern. Und 2018 stand die WM-Qualifikation in Bochum an. Jobs setzte sich – zu seiner eigenen Überraschung – gegen alle Kontrahenten durch und landete im A-Kader des DBFV (Deutscher Bodybuilding und Fitness Verband), der Nationalmannschaft. „Das war eine super Sache“, sagt er glücklich. „Der ganze Tag war großartig, denn am selben war auch noch die Deutsche Meisterschaft. Mein Coach meinte, ich solle noch mitmachen, wenn wir schon mal hier waren. Und die habe ich dann auch noch gewonnen.“

Manchmal kann Jobs gar nicht fassen, was er alles erreicht hat. Wenn ihm auf der Bühne Medaillen um den Nacken gehangen werden, ist er oft den Tränen nah. Viel Last fällt dann von ihm ab, gibt er zu. „So eine Wettkampfvorbereitung beginnt vier Monate vorher. Das ist nicht so einfach für die Familie und Freunde. Meine Liebste betreibt den Sport auch in der Bikini-Klasse. Das macht es einfacher. Doch mein Umfeld muss dann immer etwas zurückstecken. Gerade auf Diät ist alles ein bisschen anders.“ Doch sein großer Moment sollte noch folgen.

Im spanischen Tarragona fand vom 7. bis 10. Dezember die WM statt. Der Verband übernahm alle Kosten für die Athleten. „Und da“, sagt Jobs fast schon etwas ungläubig, „lief alles optimal, das muss man schon sagen.“ Er selbst sei keiner, der an solche Sachen siegessicher herangeht, aber man fahre natürlich auch zu einem Wettkampf, um ihn zu gewinnen.

„Man weiß jedoch nicht, wer da alles kommt. Und bei der WM kommen sie aus aller Herren Länder – und es sind die Besten. Das ist dann schon eine Hausmarke, wenn du die Leute siehst. Da bekommst du dann schon das Schlucken“, berichtet der Familienvater. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, schaffte es ins Finale unter die Top 6. „Da geht es darum, sich noch einmal mit den besten Athleten zu messen und seine Kür mit eigener Musik zu absolvieren.“ Und dann kamen die Siegerehrung. Sandy Jobs durfte sich fortan Weltmeister nennen. „Mehr geht nicht. Das ist irre. Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt er heute und lacht. „Auf der Bühne, wenn der ganze Druck abfällt, man dir sagt, dass du der Beste an diesem Tag warst, dann heulst du wie ein Schlosshund. Ich bin da fast zusammengebrochen. Ich hatte ganz weiche Knie.“

Jetzt lässt Sandy Jobs es erst mal ruhiger angehen. „Die Familie steht jetzt im Vordergrund. In zwei Jahren kann ich vielleicht nochmal was in Angriff nehmen. Die ´Arnold Classics´ oder Olympia der Amateure. Eigentlich ist der WM-Titel der Höhepunkt meiner Karriere, aber ich weiß auch, dass ich meine Füße nicht stillhalten kann.“

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