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Stadt zahlt für Kultur-Gutachten 35.717 Euro

Auch im Staatsorchester, hier bei einem Schulkonzert mit Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ in der Konzerthalle, hat das Kultur-Gutachten Unruhe ausgelöst.
Auch im Staatsorchester, hier bei einem Schulkonzert mit Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ in der Konzerthalle, hat das Kultur-Gutachten Unruhe ausgelöst. © Foto: Winfried Mausolf
Heinz Kannenberg / 22.02.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 22.02.2019, 09:06
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das Gutachten einer Leipziger Unternehmensberatung zur städtischen Kulturstruktur hat bei Mitarbeitern des Brandenburgischen Staatsorchesters und der Messe- und Veranstaltungs GmbH (MuV) Unruhe ausgelöst – das Kulturministerium sieht die Situation noch „entspannt“.

Das Land Brandenburg unterstützt mit 10,6 Millionen Euro pro Jahr Kultureinrichtungen in Frankfurt. Allein das Brandenburgische Staatsorchester mit Sitz in Frankfurt erhält 2019 rund 6,6 Millionen Euro. Das sind  80 Prozent der Gesamtkosten. Die am 28. Januar im Kulturausschuss vorgestellte Vorzugsvariante der Gutachter, das Staatsorchester in einen Eigenbetrieb zu überführen, führte nun jedoch im Orchester zu Irritationen. Denn obwohl am 6. Dezember 2018 Stadtverordnete und Leiter großer Kultureinrichtungen von der Rathausspitze erstmals über Ergebnisse des Gutachtens informiert wurden, wie Dezernentin Milena Manns am 28. Januar im Kulturausschuss berichtete, erreichte der schriftliche Ergebnisbericht das Kulturministerium erst am 29. Januar. Das Land ist der Hauptfinanzier des Staatsorchesters. Ministeriumssprecher  Stephan Breiding sieht die Situation „entspannt“: „Wir wurden im Januar über die Ergebnisse des Gutachtens  informiert.“ Es seien Gespräche über das weitere Verfahren verabredet. So lange diese laufen, würde sich das Ministerium öffentlich nicht zu einzelnen Varianten äußern.

Bereits 2016 legte die städtische Beteiligungssteuerung einen Zwischenbericht zur Kulturstruktur vor. Dieser enthält umfangreiche Daten. Beispielsweise ist die grafische Darstellung einer großen Kultur-Einrichtung, die von den externen Gutachtern ebenfalls favorisiert wird, inhaltlich identisch mit der Grafik der Leipziger Unternehmensberatung (Seiten 19 bzw. 30 der jeweiligen Konzepte). Einziger Unterschied: Die externen Gutachter integrieren das Staatsorchester in die große Kultur-Einrichtung. Die Stadt zahlt nun für das Gutachten und die erweiterte Untersuchung zu vier Aufgaben 35 717 Euro, teilt Manns mit. Das Staatsorchester wurde damals nicht berücksichtigt. Denn 2016, so Milena Manns, hätte es noch die Zielstellung gegeben, das Orchester in eine Stiftung zu überführen. „Mit Veränderung der Finanzierungsbedingungen für das Orchester wird aktuell das Stiftungsmodell nicht mehr diskutiert“, betont sie. Daher sei „durch politische Antragstellung das Staatsorchester in den Prüfantrag der Verwaltung erweitert“ worden.

Manns verweist darauf, dass sich  derzeit auf das Staatsorchester bezogen sowohl ein großer Eigenbetrieb bzw. eine Kultur-Holding mit als auch ohne Staatsorchester noch im Diskussionsprozess befänden. „Das Ziel der Kulturstrukturuntersuchung besteht darin, Strukturen effizienter zu gestalten, mehr  Geld in Inhalte und weniger in Strukturen fließen zu lassen. Von den untersuchten Varianten werden derzeit zwei Varianten einer vertiefenden Betrachtung und Diskussion unterzogen. Am Ende des Prozesses sollen bessere Arbeitsbedingungen, verzahnte, effiziente Strukturen und kooperative Beziehungen zu anderen Akteuren und Einrichtungen stehen.“ Die beiden bevorzugten Varianten sehen jedoch laut Gutachten vor, Aufgaben der MuV beim neuen Eigenbetrieb anzusiedeln. Wie dies ohne Auflösung der MuV GmbH dann erfolgen kann, darauf geht Milena Manns nicht ein. OB René Wilke hat nun Mails an mehr als 900 Mitarbeiter des Rathauses und der MuV geschrieben sowie zur Mitarbeiterversammlung im Kleist Forum heute eingeladen.

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Kultur Milena Manns Gutachten Stephan Breiding Staatsorchester

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