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Aus Syrien ins Frankfurter Kino

Christopher Braemer / 27.02.2019, 09:15 Uhr - Aktualisiert 28.02.2019, 18:07
Frankfurt (Oder) (MOZ) Bei einem geförderten Filmprojekt haben Schüler des Oberstufenzentrums im Dezember eine Woche lang an mehreren Filmen gearbeitet. Dabei standen die Amateure vor und hinter der Kamera – nur der Schnitt wurde von einer Firma übernommen. Die Veranstalterin ist zufrieden.

Als sie gefragt wurde, welche Rolle sie im Film spielen soll, zögerte Shefaa Alfrag keinen Moment: Schauspielerin. „Ich habe vor zwei Jahren mal bei der Bürgerbühne im Kleist Forum mitgemacht“,  sagt die junge Frau, die nur so vor Selbstbewusstsein strotzt.  Und die junge Syrerin, die im Oberstufenzentrum lernt, hat ihre Rolle gut gespielt. Im Film „Maybe“ mimt sie ein Wg-Mitglied, das überlegt ob sie ausziehen will – eine Persiflage auf den Brexit.

Eine knappe Woche lang haben rund 30 einheimische und geflüchtete Jugendliche vom Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum im Mehrgenerationenhaus Mikado in Frankfurt Kurzfilme zum Thema: „Perspektive: Europa“ gedreht. Sie kommen aus Afghanistan, Deutschland, Eritrea, Polen und Syrien. Begleitet wurden sie von professionellen Filmemachern und Medienpädagogen. Bei der Vorstellung im Cinestar Frankfurt war der Kinosaal gut gefüllt, viele Familien und Freunde der Schauspieler kamen zur Vorstellung des Films. Das integrative Bildungsprojekt „Mix it“ der Deutschen Filmakademie und des Vereins „bilderbewegen“ in Kooperation mit der Schwarzkopf-Stiftung wird vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert.

„Erst war es überraschend, aber dann hat es doch Spaß gemacht“, sagt Shefaa Alfrag, die bei einer Gastfamilie im Frankfurter Ortsteil Lichtenberg wohnt. Der Kontakt kam über das Krankenhaus zustande. Vor fünf Jahren kam sie nach Deutschland, per Gummiboot aus der Türkei nach Griechenland und dann zu Fuß über die Balkanroute.  Mittlerweile ist sie in Frankfurt angekommen.

Die Organisatoren zeigten sich zufrieden mit dem Projekt. „Es sind zwei unterschiedliche Filme geworden, lustige Kommentare auf Brexit – und es ist klargeworden, dass Grenzen nicht nur Knebel sind, sondern auch eine Chance“, sagt Gabriele Zorn, Künstlerische Leiterin  von „bilderbewegen“. Sie führt das Projekt seit 2016 durch, war mit ihrem Team in verschiedenen Städten in Brandenburg unterwegs: Cottbus, Schwedt, Teltow, Templin, es ging ja um Europa und Frankfurt Oder. „Frankfurt ist ein spannender Ort, Europa spielt hier eine große Rolle“, weiß Zorn. Nach der ein oder anderen Anlaufschwierigkeit lief es gut. „Dann war die Verunsicherung überwunden und ich denke, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann“, sagt die Berliner Filmemacherin zufrieden.

Der Film hat den Alltag der Jugendlichen verändert. „Der Zusammenhalt ist gewachsen, meine Schüler kommen aus sechs verschiedenen Nationen – Syrien, Afghanistan, Benin, Eritrea, Senegal, Gambia – früher stand die Ethnie im Vordergrund, jetzt zählt die Person mehr“, lobt Christine Kanzius-Wolf, die seit über zwei Jahren am Oberstufenzentrum arbeitet. Nach ihrer Meinung sei das Demokratieverständnis gewachsen. So sei vor kurzem ein Klassensprecher aus Senegal gewählt worden, obwohl er in der Minderheit war. „Da habe ich echt gestaunt, das war sonst immer anders“, sagt die Lehrerin. Früher war es immer so, dass die Gruppe zählt und nicht die einzelne Person.

„Es war am Anfang schwer, auf Deutsch zu improvisieren, dann wurde es immer leichter“, verrät Shefaa Alfrag. Die junge Frau mit der offenen Art ist erleichtert, dass sie keine Texte auswendig lernen musste. Das sei vor zwei Jahren auf der Bürgerbühne im Kleist Forum anders gewesen. Ein bisschen hat ihr der Film auch das Ankommen in der Oderstadt erleichtert.

Die bisher entstandenen Kurzfilme finden Sie unter: youtube.com/mixitfilmprojekt

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