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Frauenwoche
„Ich möchte etwas zurückgeben“

Frauen im Ehrenamt: Portraits von Franziska Bach, Jutta Thieme, Kornelia Thiemann, Sabine Brandt und Teresa Wiegand (v.l., im Uhrzeigersinn) zeigt eine Ausstellung anlässlich der Frauenwoche im Freiwilligenzentrum der Caritas. Christine Ehrmüller hat sich dafür mit 33 Ehrenamtlerinnen am Ort ihres Engagements getroffen.
Frauen im Ehrenamt: Portraits von Franziska Bach, Jutta Thieme, Kornelia Thiemann, Sabine Brandt und Teresa Wiegand (v.l., im Uhrzeigersinn) zeigt eine Ausstellung anlässlich der Frauenwoche im Freiwilligenzentrum der Caritas. Christine Ehrmüller hat sich dafür mit 33 Ehrenamtlerinnen am Ort ihres Engagements getroffen. © Foto: MMH
Annemarie Diehr / 05.03.2019, 08:45 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Sie organisieren Schachturniere, stellen Krippenspiele und den Weltgebets-tag auf die Beine, kochen für Bedürftige oder kümmern sich um herrenlose Katzen – Frauen im Ehrenamt. Eine gleichnamige Ausstellung im Freiwilligenzentrum der Caritas rückt sie ins Bild.

Als sie zusagte, sich mit einer Ausstellung an der Frauenwoche zu beteiligen, waren erst zwei Fotos gemacht. „Der Rest entstand innerhalb von vier Wochen“, sagt Christine Ehrmüller. Dafür besuchte die Koordinatorin des Freiwilligenzentrums der Caritas 33 Frauen dort, wo sie sich engagieren: bei der Freiwilligen Feuerwehr, der Hausaufgabenhilfe, in der Bibliothek. Eine Auswahl zeigt die Vielfalt des Ehrenamts:

Die Schachspielerin: Von ihrem Vater hat Sabine Brandt das Schachspiel gelernt. „So richtig konnte ich es aber nicht“, sagt die 52-Jährige. Dennoch zog ein Aushang der Gaselan-Schachgruppe im Rudolf-Harbig-Stadion ihre Aufmerksamkeit auf sich. „Die waren mir zu fortgeschritten“, stellte sie nach zweimal Hingehen fest. Wenig später, im Jahr 2014, kreuzten sich die Wege der Schachspieler erneut: Sabine Brandt informierte sich über die Angebote im Mehrgenerationenhaus, als sie auf die nun dort angesiedelte Schachtruppe stieß und auf Anfrage deren Leitung übernahm. „Ich kann es ja mal probieren“, habe sie sich damals gesagt. Seit fünf Jahren ist sie jetzt dabei. „Ich bin unter Leuten, habe was für den Kopf und werde besser im Schachspiel.“

Die Köchin: „Ich möchte etwas zurückgeben, weil mir hier sehr geholfen wurde“, sagt Franziska Bach. Die 28-Jährige stand mit ihren Kindern kurz vor der Obdachlosigkeit, als sie im Sozialen Zentrum „Haltestelle“ der Caritas Hilfe suchte. Mit der Zeit ging es ihr besser, doch die junge Frau ist geblieben: Seit zwei Jahren steht Franziska Bach in der Suppenküche an Töpfen und Pfannen; von Montag bis Freitag kocht sie ehrenamtlich für Bedürftige. „Es macht Spaß und ist besser, als zu Hause herumzusitzen“, sagt die Fürstenwalderin. Mit drei Kindern sei es schwer, einen passenden Job zu finden. Sie wolle dran bleiben und mit dem Ehrenamt die Zeit der Suche überbrücken.

Die Tafel-Helferin: Für Kornelia Thiemann ist die Zeit bei der Gesellschaft für Arbeit und Soziales eine wechselvolle: zwischen MAE-Maßnahme, Bundesfreiwilligendienst und Ehrenamt hofft die 61-Jährige weiterhin auf eine Festanstellung bis zur Rente. „Ein wenig mehr Anerkennung für das Ehrenamt wäre schön“, sagt sie. Weil es ohne die Arbeit der Freiwilligen eben auch nicht gehe. Nach Stationen in der Forst, im Tierpark und im Jugendclub hilft die frühere Reifenwerkerin seit zehn Jahren bei der Tafel mit. „Viele kommen nicht aus, mit dem was sie haben. Es ist schön, ihnen hier etwas geben zu können.“

Die Tierfreundin: Als Kind erforschte sie Regenwürmer, in Berlin ging sie mit ihren Katzen spazieren, in Fürstenwalde engagiert sich Jutta Thieme seit knapp zehn Jahren für freilebende Tiere. Sie leitet den Tierschutzverein in der Buchholzer Chaussee, der aktuell 32 Katzen versorgt und sich um 150 weitere Tiere in der Region kümmert. „Wir bestücken Futterstellen, etwa auf alten Fabrikgeländen, und sind dafür auf Spenden angewiesen“, sagt die 78-Jährige. Seit 30 Jahren sei sie im Tierschutz aktiv; sie liebe Tiere über alles, sagt Jutta Thieme: „Ich lebe für die Tiere und dafür, den Verein zu erhalten. Dafür engagiere ich mich“.

Die Glaubensbringerin: Im Hauptberuf bei der Caritas, im Ehrenamt bei der Katholischen Kirchengemeinde – ohne Teresa Wiegand und andere Engagierte Kirchenmitglieder wäre das Gemeindeleben um einiges ärmer. Seit 2005 ist die 52-Jährige in Fürstenwalde in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv; organisiert Krippenspiele und den Kinderbibeltag. Zufällig, weil sie einst Afrika bereist hat und mit ihrem Wissen zur Vorbereitung des Weltgebetstages beitragen konnte, organisiert sie seit 2008 in der Gemeinde auch ihn. Die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Menschen, sagt Teresa Wiegand, sei der größte Gewinn, den sie aus dem Ehrenamt ziehe.

Diese und weitere Portraits zeigt die Ausstellung bis 21. März, montags und mittwochs 9 bis 12 Uhr, donnerstags 14 bis 17 Uhr, Eintritt frei

Was noch los ist

Frauenstammtisch

„Was uns bewegt – was wir bewegen“ ist das Motto des lockeren Austauschs bei Snacks und Getränken, heute, 19 Uhr, Kulturfabrik

Treff im Bürgerbüro

„Pflegeberufe nur für Frauen?“, fragt Elisabeth Alter Betroffene und Interessierte am Mittwoch, 14 Uhr, Eisenbahnstraße 9

Improvisationstheater

Einen Workshop für Spontane gibt das Caritas-Freiwilligenzentrum, Mittwoch, 18-20 Uhr, Frankfurter Straße 98

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