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Porträt
Frischer Wind für Kulturszene

Kulturförderer: Philipp Murawski, 30, stand als Kind mit seinen Eltern im Grenzstau in der Słubicer Straße. Vor zwei Jahren gründete er den Verein Doppelstadtkultur.
Kulturförderer: Philipp Murawski, 30, stand als Kind mit seinen Eltern im Grenzstau in der Słubicer Straße. Vor zwei Jahren gründete er den Verein Doppelstadtkultur. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 10.03.2019, 08:00 Uhr - Aktualisiert 10.03.2019, 16:40
Frankfurt (Oder) (MOZ) Jahrelang organisierte Philip Murawski das Unithea-Festival, heute hilft der Student jungen Frankfurtern dabei, ihre eigenen Kulturprojekte umzusetzen. Dazu gründete er den Verein Doppelstadtkultur. An Kreativität und Willen mangelt es nicht, sondern an Geldern.

Abends in den oberen Etagen des Kleist-Forums rauchen die Köpfe. Tastenklimpern hallt durch den Raum, aus dem Fenster sieht man die Nacht.  Ein halbes Dutzend junger Frankfurter sitzt zu Feierabendstunde vor ihren Laptops, um an ihren Ideen für die Kulturszene der Stadt zu feilen – mit Käppis, Tattoos am Unterarm und jugendlicher Frische. "Wir müssen an den Konzepten feilen, um die Auflagen von ‚Demokratie bewegt’ zu erfüllen", sagt Philipp Murawski. Er, 30, schwarzes Käppi und braune Augen war es, der die jungen Menschen in den sozialen Medien köderte. Dazu gründete er eigens einen Verein: Doppelstadtkultur. "Projektleiter im Lebenslauf klingt cool. Ist es auch. Trau dich", heißt es in einem Facebookpost. Der verweist auf eine eigene Internetseite. Ein Flamenco-Festival, ein Sport-Event, eine Spieleabendreihe oder gleich ein neues Woodstock, zählt diese nur einige Projektideen auf. Philipp Murawski hatte Erfolg. Eigentlich wollte er nur drei Projekte fördern, dann waren es plötzlich doppelt so viele, erzählt er gutgelaunt.

"Eigentlich hab ich viel mehr Anfragen, das hat mich positiv überrascht, weil es immer hieß ‚Die Jugend will nicht‘. Aber das stimmt nicht", sagt Murawski bei einer Tasse Kaffee im neu eröffneten Co-Working Space. Der Student der Kulturwissenschaften organisierte vier Jahre lang zusammen mit Adrianna Rosa das Unithea-Festival. Dort hat er Frankfurts Kulturszene kennengelernt. Und er hat bemerkt, was hier fehlt – aber auch, dass es Potential in der Stadt gibt. Dann hat sich der junge Mann entschlossen, anderen Menschen bei ihren Projekten zu helfen. Die Stadt vertraute ihm bei seinem Vorhaben. Er bekam eine vierstellige Summe.

Zurück im Kleist Forum: Die Ideen der jungen Menschen sind vielseitig. Ein Uni-Mitarbeiterin plant eine Open-Air-Reihe am Campus oder auf dem Ziegenwerder, bei dem Frankfurter Swing lernen können. "Sie ist eine Ukrainerin, die hier geblieben ist, weil sie Frankfurt mag", verrät Murawski. Die zwei coolen Jungs mit Käppi und Tatoos am Oberarm wollen Hip Hop vermitteln, dazu soll es Workshops für Flow-Technik und Graffiti-Spraying geben. "Eine Hip-Hop-Crew aus Frankfurt, total motiviert und engagiert", sagt Murawski. Ein Student und Künstler will ein Portrait der Doppelstadt erstellen. Dazu will er Videointerviews mit Menschen aus Polen und Deutschland durchführen. Die Antworten sollen dann als großes Kunstwerk an einem grenznahen Ort gesprüht werden.

"Ich glaube fest daran, dass wir alle Ideen umsetzen können", sagt der Kulturmacher. Sein Optimismus wirkt ansteckend, er nimmt seinen Job ernst. Das Ziel des von den Kultureigenbetrieben geförderten Projektes sind drei umgesetzte Ideen. Murawski will mehr und dafür tut er was. Er lässt seine Kontakte spielen, sucht Sponsoren, er weiß worauf es beim Formulieren der Förderanträge ankommt. "Es nützt allen, wenn man junge Menschen dazu motiviert, Kultur zu konsumieren und zu machen", weiß Murawski. Das binde junge Menschen an die Stadt. Und es führe zu einer Verjüngung der Kulturszene. "Es fehlt an Nachwuchs und mein Ziel ist es den zu generieren."

Murawski, selbst gebürtiger Berliner, hat eine enge Verbindung zu Frankfurt, wo er seit zehn Jahren lebt. Zunächst studierte er Jura, ist dann zu Kulturwissenschaften gewechselt. "Früher habe ich Frankfurt gehasst", verrät er.  Das liegt daran, dass er als kleiner Junge mit seinen Eltern regelmäßig stundenlang vor der Grenze stand, um das Wochenende auf der Datscha in Osno Lubuskie zu verbringen. "‘Vielleicht wirst du mal hier studieren‘ hat meine Mutter damals zu mir gesagt", erinnert sich Murawski. Das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, die Słubicer Straße war damals hässlich und grausig. Dann ist Frankfurt aufgeblüht und Murawski kam zum Studium an die Oder. Heute weht ein frischer Wind in der Stadt, die es überregional in die Schlagzeilen schaffte. Und Murawski will ihn weiter anfachen.

Dabei spürt er Gegenwind: Die Mittel für Kultur sind gerade klamm in der Stadt, für die Projekte gibt es keine Gelder. "Durch die Finanzierung meines Projektes war klar, dass es weitere Projekte geben wird, für die jetzt Geld fehlt. Das ist schade und nicht nachvollziehbar", kritisiert Murawski. Die Finanzierung für sein eigenes Projekt ist nur bis Juni gesichert. Doch er gibt nicht auf, sucht neue Sponsoren. Teilweise mit Erfolg: Der Verein "Demokratie leben" aus Frankfurt fördert zwei Projekte, die Finanzierung für das Swing-Projekt steht noch aus. Er erwartet keine Vollfinanzierung, schon mit kleinen Summen von 200 bis 300 Euro könne viel erreicht werden.

"Die Kulturarbeit in der Stadt ist schwerer geworden", spricht Murawski aus Erfahrung. Ein Filmteam begleitet die Projekte, die in den Kinderschuhen stecken. Der Film soll jungen Leuten zeigen, dass es möglich ist, Kultur in der Stadt zu machen. Und wenn Murawski eines kann, dann ist es das: Motivieren.

Mehr im Internet unter: www.doppelstadtkultur.de/projektidee

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