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Auseinandersetzung zwischen Syrern im Mai 2018 / Die Geschädigten sitzen als "Frosch"-Beteiligte in U-Haft

Prozess
Messerattacke vorm Rathaus verhandelt

Tatort: Vor der Rathaustür ereignete sich im vergangenen Mai eine Messerstecherei. Der Täter wurde jetzt verurteilt.
Tatort: Vor der Rathaustür ereignete sich im vergangenen Mai eine Messerstecherei. Der Täter wurde jetzt verurteilt. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Ines Weber-Rath / 12.03.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 12.03.2019, 13:47
Frankfurt (Jan-Henrik Hnida) Eine Messerstecherei, die sich im Mai vorigen Jahres vor der Rathaustür zutrug, ist jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Der 29-jährige syrische Täter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt ist.

Es fühlt sich nach verkehrter Welt an, was da im Saal 002 des Amtsgerichts geschieht: Nicht der Angeklagte, der Syrer Ahmad A., wird in Handschellen vorgeführt, sondern es sind die Hauptzeugen und Geschädigten, die aus der Untersuchungshaft zur Verhandlung gebracht werden. Die beiden Landsleute des Beschuldigten sind im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Club "Frosch" angeklagt.

Diesmal hat Richterin Martina Koch zu klären, wie es dazu kam, dass Ahmad A. am 31. Mai 2018, gegen 12 Uhr, vor der Tür des Frankfurter Rathauses auf seine Landsleute einstach. Den einen, Mohamed M. (23), verletzt er am Hals. Der Angriff geht nur glimpflich aus, weil das Opfer zurück weicht. Beim zweiten Stich rammt Ahmad A. das Messer mit der acht Zentimeter langen Klinge tief in den Oberarm von Allah S. (22). Ein Notarzt muss die Erstversorgung übernehmen.

Der Auseinandersetzung sei ein Streit um die politischen Verhältnisse in Syrien voraus gegangen, heißt es in der Anklageschrift. Worum genau es dabei ging, bleibt unklar.

Die Vorgeschichte schildern die Beteiligten vielmehr als eine private Fehde, die ihren Ursprung in finanziellen Differenzen und diversen Beleidigungen haben soll. Und die zwei Wochen vor der Messerstecherei am Kauflandmarkt im Zentrum kulminierte. Dort soll der stark alkoholisierte Angeklagte randaliert und beleidigt haben. Der tätliche Angriff auf die Polizeibeamten, die ihn in Gewahrsam nahmen, wird Anfang April vorm Amtsgericht verhandelt.

Die Darstellungen zum Hergang der Messerstecherei gehen vor Gericht jedenfalls weit auseinander. Während sich Ahmad A. angeblich von seinen Landsleuten bedroht sah und nur "die Nerven verloren" hätte, sprechen die Geschädigten von einem "unvermittelten" Angriff.

Das Messer hatte Ahmad A. übrigens schon einstecken, als er seine Behördengänge im Rathaus absolvierte. Das Gericht verurteilte den Syrer, der inzwischen aus Frankfurt weggezogen ist und im Saarland lebt, zu zehn Monaten Freiheitsentzug, der zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die beiden Geschädigten warten im Gefängnis auf ihren Prozess. Die Hauptverhandlung soll Anfang Juni eröffnet werden. Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang Februar beim Frankfurter Landgericht gegen fünf Beschuldigte Anklage im Fall "Diskothek Frosch" erhoben. Dem 20-jährigen Haupttäter wird versuchter Totschlag, schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung vorgeworfen. Die anderen Beschuldigten sind unter anderem des schweren Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

In der Nacht des 27. August vorigen Jahres hatte eine Gruppe junger Flüchtlinge mit Messern und Stangen Gäste des Frankfurter Club "Frosch" angegriffen. Die Männer sollen wahllos auf Gäste eingeschlagen und sie mit Steinen verletzt haben. Klubmitarbeiter hatten die Gäste, die zum Rauchen vor der Tür standen, zurück in den Club gedrängt und die Tür verschlossen. Am nächsten Tag trafen Clubgänger und zwei Männer aus Syrien in der Heilbronner Straße wieder aufeinander. Abermals bedrohten die Syrer die Clubgäste mit einem Messer. Sie wurden daraufhin verhaftet. Oberbürgermeister René Wilke leitete in der Folge Ausweisungsverfahren gegen sieben gewalttätige Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und den Palästinensergebieten ein.

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