Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wirtschaft
Handel mit Polen wächst und wächst

Dietrich Schröder / 16.03.2019, 07:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Polen gehört zu den Top Ten der deutschen Handelspartner, für Brandenburg ist es sogar der größte. Im Gegensatz zu den politischen Beziehungen entwickeln sich die wirtschaftlichen weiterhin sehr dynamisch. Jetzt sollen sie auch im Hochtechnologiebereich auf ein neues Niveau gehoben werden.

Russland ist ein wirtschaftlicher Riese und Polen nur ein Zwerg? Noch immer besteht in vielen Köpfen diese Vorstellung. Doch die Bilanz des deutschen Außenhandels ergibt seit Jahren ein anderes Bild: Mit einem Handelsvolumen von 118 Milliarden Euro lag Polen 2018 erneut auf Platz 7 der wichtigsten deutschen Partnerländer. Davor rangieren nur noch China (mit dem Waren und Dienstleistungen für 195 Milliarden Euro gehandelt wurden), die Niederlande und die USA, Frankreich, Großbritannien und Italien. Russland liegt mit knapp 60 Milliarden Euro erst auf Platz 13 dieser Liste, Japan auf Platz 15, Indien an 26. Stelle.

Umgekehrt ist Deutschland für Polen der mit Abstand wichtigste Handelspartner. 2017 gingen über 27 Prozent des polnischen Exports in die Bundesrepublik.

Angesichts der Verstimmungen auf politischer Ebene ist auch die Dynamik der Wirtschaftsbeziehungen beachtlich. "Das Handelsvolumen unserer Länder ist 2018 zum zweiten Mal in Folge um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen", hebt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier hervor. Darauf, dass "die polnische Wirtschaft seit Jahren stärker als die deutsche wächst", verweist auch eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Während in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner seit 2010 um 11,7 Prozent anstieg, wuchs es in Polen um fast ein Drittel (32,6 Prozent).

Freilich muss das Nachbarland noch immer aufholen. Als es vor 15 der Europäischen Union beitrat, lag die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung bei 47 Prozent des EU-Durchschnitts. Inzwischen ist sie auf 70 Prozent angestiegen.

Die national-konservative Regierungspartei PiS verfolgt ehrgeizige Ziele: Laut Ministerpräsident Mateusz Morawiecki soll bis 2030 der EU-Durchschnitt erreicht werd. Dafür soll sich das Land aus einer verlängerten Werkbank für arbeitsintensive Produkte in ein Hochtechnologie-Land verwandeln. Auch soll zumindest ein Teil der anderthalb Millionen Polen, die seit 2004 wegen besser bezahlten Jobs in den Westen ausgewandert sind, mit qualifizierten Angeboten zurückgeholt werden.

Weil auch aus deutscher Perspektive angesichts der Konkurrenz aus China und der Sanktionspolitik der USA die Kooperation mit den europäischen Partnern im Hochtechnologie- und Digitalbereich immer bedeutender wird, haben die beiden Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Jadwiga Emilewicz zu einem Wirtschaftsforum in Berlin eingeladen, das am kommenden Montag stattfindet.

Das Forum, zu dem sich laut Ministerium mehr als 370 Teilnehmer angemeldet haben, soll unter anderem der Vernetzung der Digital- und Start-Up-Szene beider Länder, einer möglichen Kooperation im Bereich der Europäischen Raumfahrt sowie im Bereich Windenergie auf See dienen, heißt es vorab. Neue Kooperationen in diesen Bereichen könnten sowohl durch bilaterale Programme, wie auch auf europäischer Ebene – etwa durch die Initiative "Start-up Europe" – gefördert werden Darin bestünden gerade auch Chancen für bestehende und neue Unternehmen aus den grenznahen Bundesländern.

Für Brandenburg ist das östliche Nachbarland schon jetzt der wichtigste Handelspartner, selbst wenn Russland durch die Erdöllieferungen an das PCK Schwedt bei den Importen noch vorn liegt. Umgewandelt in Benzin oder Diesel ergeben sich daraus zahlreiche Exporte nach Polen. Auch die Arcelor Mittal GmbH in Eisenhüttenstadt bezieht jährlich 1,5 Millionen Tonnen Koks und Kalk aus dem Nachbarland und liefert eine Million Tonnen Stahlerzeugnisse dorthin. Zu diesen großen Posten kommen zahlreiche andere Erzeugnisse – von Nahrungsmitteln, über Papier, Möbel, chemische Erzeugnisse bis hin zu modernen Maschinen und Technik. Seit einigen Jahren arbeiten auch immer mehr polnische Software-Entwickler für Brandenburger und andere deutsche Unternehmen.

"Mit 24 größeren Investitionen zählt Polen zudem zu den Top 10 der internationalen Investoren in Brandenburg", sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB), Steffen Kammradt. Darunter sind namhafte Unternehmen wie der Hygieneartikel-Produzent TZMO in Biesenthal bei Bernau oder das Chemieunternehmen Grupa Azoty ATT Polymers in Guben.

"Das Interesse von polnischen Unternehmen an Investitionen in Brandenburg ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen", so Kammradt weiter. Denn Brandenburg habe einen klaren Standortvorteil: Die Wege zwischen den polnischen Mutterhäusern und ihren hiesigen Tochtergesellschaften sind kurz. Allein bei der IHK Ostbrandenburg sind inzwischen 772 Unternehmen registriert, deren Inhaber, Geschäftsführer oder Gesellschafter die polnische Staatsangehörigkeit haben.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG