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Für Mitarbeiter und Kunden wird manches anders

Sparda-Bank
Bankgeschäfte bei Kaffee und Kuchen

Bankberatung 2019: Sparda-Mitarbeiterin Isabell H. (vorn) und die langjährige Kundin Christina B. haben den Coworking-Space in Frankfurt (Oder) schon einmal getestet.
Bankberatung 2019: Sparda-Mitarbeiterin Isabell H. (vorn) und die langjährige Kundin Christina B. haben den Coworking-Space in Frankfurt (Oder) schon einmal getestet. © Foto: Chris Gonz/Sparda-Bank Berlin
Ina Matthes / 19.03.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Sparda-Bank wagt in Frankfurt (Oder) etwas Einzigartiges in Deutschland: Sie zieht in einen Coworking-Space. Für Mitarbeiter und Kunden wird manches anders.

Sie müssen sich auf einiges Neues gefasst machen, die fast 8000 Kunden der Frankfurter Sparda-Bank. Zum Beispiel darauf: Sie ziehen die Glastür zur Filiale auf – und es strömt ihnen Kaffeeduft entgegen. Ab 25. März, ab kommenden Montag. Dann öffnet die Bank zum ersten Mal in ihrem neuen Haus: dem "Blok 0" in Frankfurt (Oder).

"Blok 0" ist eines dieser neuen Gemeinschaftsbüros: ein  Coworking-Space, untergebracht in einem ehemaligen Kaufhaus mit weiten Glasfronten. Im Erdgeschoss stehen Tische, dazwischen wie eine Insel – eine Theke mit Kaffee und Kuchen. "Blok 0" ist offen für jeden, der dort seinen Laptop ausklappen und arbeiten möchte. Gäste können hier aber auch einfach nur einen Barista-Kaffee trinken. Oder eben Geld überweisen.

Die Sparda-Bank zieht nach eigenen Angaben als erstes Kreditinstitut in Deutschland in einen Coworking- Space. Es wird dort keinen klassischen Bankschalter geben mit dem Schild "Diskretion – Bitte Abstand halten". Dafür sieben Sparda-Angestellte mit Laptops und wechselndem Arbeitsplatz. Kunden können sich von ihnen bei einem Kaffee im Erdgeschoss die aktuellen Konditionen für Hauskredite erläutern lassen. Sie können bei einem Service-Mitarbeiter der Bank an der Theke einen Überweisungsauftrag abgeben. Oder sich mit ihrem Berater zum vertraulichen Gespräch zurückziehen. "Es ist ein großes Umdenken. Viele Gewohnheiten ändern sich", sagt Nancy Mönch von der Sparda-Bank. Für die Mitarbeiter und die Kunden.

Diese finden ihre Bank derzeit noch am Rand des Frankfurter Stadtzentrums in einem Bürohaus. Der Mietvertrag läuft aus und die Bank schaute sich nach etwas Neuem um. In Frankfurts Magistrale stand das ehemalige Kaufhaus leer. Ein zweigeschossiger Betonbau aus den 1950er Jahren. Als "Block 0" ist das Haus in alten Bauplänen verzeichnet. Sie hängen als vergrößerte Kopie an der Wand des Erdgeschosses von "Blok 0". Blok – so heißt Block auf Polnisch. Auch polnische Gäste sollen sich eingeladen fühlen in dieses Gebäude, das in der DDR ein Kinderkaufhaus war. Nach der Wende zogen wechselnde Mieter ein, schließlich stand das Gebäude leer. "Für uns allein wäre es zu groß gewesen", sagt Nancy Mönch. Die Bank nahm Kontakt auf zu Ansgar Oberholz, dem Chef von St. Oberholz  – einem Zentrum der Berliner Gründerszene und Vorreiter des Coworkings. Bank und Oberholz stellten fest, dass sie etwas gemeinsam haben: den Genossenschafts-Gedanken. St. Oberholz steht für eine neue Art des Arbeitens – Fremde kommen in einer Mischung aus Café und Büro in Kontakt, finden vielleicht zu gemeinsamen Geschäften. Die erste Sparda-Bank wurde  als Genossenschaftsbank gegründet – 1896 von Eisenbahnern in Karlsruhe. Das war damals für die Eisenbahner die einzige Möglichkeit, bezahlbare Kredite zu bekommen.

123 Jahre später versucht die Bank gemeinsam mit St.Oberholz am östlichen Rand Deutschlands den Aufbruch in eine neue Arbeitswelt. Der sieht im Moment so aus: Im Erdgeschoss gibt es den Café-Raum mit einem Wandbild des Fürstenwalder Grafikers Gerhard Gossmann. Eine Treppe führt ins zweite Geschoß. An den Längsseiten liegen dort Büros mit Glasfronten. Eines davon ist ein Raum für die sieben Sparda-Mitarbeiter, in den sie sich bei Bedarf zurückziehen können. Alle anderen Büros stehen allen Nutzern offen. Zum Beispiel die Besprechungs-Box. Darin sollen die Sparda-Mitarbeiter mit ihren Kunden alles Vertrauliche bereden, denn das Bankgeheimnis muss gewahrt bleiben. Neu ist für die Bank-Mitarbeiter: Sie müssen diesen Raum vorab für ihr Gespräch reservieren. Getestet haben sie das schon, mit langjährigen Kunden wie Christina B. "Sie fand die Atmosphäre schön", sagt Nancy Mönch. Im Moment sieht es im Obergeschoss noch nach Baustelle aus. Unter anderem werden die Bankautomaten eingebaut.

Dort können die Kunden wie gewohnt Geld abheben – nur zunächst nicht rund um die Uhr und an allen Tagen. Sonntags bleibt "Blok 0" geschlossen für die Öffentlichkeit. Die Bank sucht aber nach einer Lösung, sagt Nancy Mönch, wie die Automaten auch sonntags zugänglich gemacht werden.

Der Einzug in die neue Arbeitswelt ist ein Experiment. Die Frankfurter Filiale ist die einzige innerhalb der Bank, die es wagt. "Wir werden hier sehr viel ausprobieren. Es kann sein, dass nicht alles klappt am Anfang. Dann werden wir nachjustieren", sagt Nancy Mönch. Das fängt bei den Arbeitsabläufen an und hört bei den Möbeln auf. Die bequemen Sessel und die runden Tische in der Beratungs-Box zum Beispiel sind geleast. Erweisen sie sich als unpraktisch, können sie ausgetauscht werden.  Was in Frankfurt probiert wird, ist in gewisser Weise einmalig, es ist kein Modell, das für alle Standorte passen muss.  In Berlin will die Bank zum Beispiel keinen Coworking-Space einrichten – die gibt es dort schon zuhauf.

In Frankfurt (Oder) rückt Sparda jetzt ins Zentrum. Auch wenn die Bank noch einzieht, der Coworking Space ist bereits offen. Vor allem junge Leute sitzen tagsüber an ihren Notebooks. Abends gibt es Veranstaltungen – Gründer reden übers Scheitern, Bio-Gärtner stellen sich vor. Sparda-Kunden kommen auch schon. Eine ältere Frau, bepackt mit Einkaufstüten, betritt zögernd das Erdgeschoss. "Wann geht es denn los hier?", will sie von einer Mitarbeiterin des Coworking-Teams wissen. "Am 25. März." "Ach so", sagt die Besucherin, nickt, schaut sich verunsichert um. Und geht zur Tür. Sie ist etwas zu früh dran. Der Barista hinter der Theke wirft gerade die Kaffeemaschine an. Ab 11 Uhr gibt es frischen Kaffee.

Wer im "Blok 0" arbeiten möchte, kann das montags bis sonnabends von 9-19 Uhr. Die Tageskarte kostet 15 Euro. Wer eine Mitgliedschaft erwirbt, hat rund um die Uhr Zutritt.

Service- bzw Beratungszeiten der Sparda-Bank ab 25. März:

Montag, Dienstag und Donnerstag: 9-13 und 14-18 Uhr; Mittwoch und Freitag: 9-13 Uhr

Das Café hat von Montag bis Sonnabend, 11-19 Uhr, geöffnet:

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Daniel Felscher 19.03.2019 - 14:49:21

Null Blok oder lieber Blok O?

Ich wünsche diesem Konzept weiterhin viel Erfolg. Aber heißt das nicht Blok O und nicht Blok 0? Siehe blok-o.de

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