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FWA will geplante Genehmigung wegen Sulfatbelastung anfechten / Ausbau des Wasserwerkes Müllrose beginnt

Sulfatbelastung
Widerstand gegen Ostsee-Flutung

Blick über den ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord: Aus der Grube soll der größte künstliche See Deutschlands mit etwa 19 Quadratkilometern Wasseroberfläche entstehen – der Ostsee.
Blick über den ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord: Aus der Grube soll der größte künstliche See Deutschlands mit etwa 19 Quadratkilometern Wasseroberfläche entstehen – der Ostsee. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Thomas Gutke / 20.03.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 20.03.2019, 19:17
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die FWA wird angesichts zunehmender Sulfatbelastung umgehend mit dem Ausbau des Wasserwerkes Müllrose beginnen. Das beschloss der Aufsichtsrat am Montag. Gegen die geplante Genehmigung der Flutung des Cottbuser Ostsees will das Unternehmen Einspruch einlegen.

In der Sitzung hatte die Geschäftsführung der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft den Aufsichtsrat über die Entwicklung der Sulfatwerte in der Spree durch die lange Trockenheit 2018 informiert. Aus der aufgezeigten Gefährdung für die Trinkwasserversorgung zog das Gremium nunmehr Konsequenzen und beschloss, "mit dem Ausbau des Wasserwerkes Müllrose unmittelbar zu beginnen", teilte FWA-Sprecherin Anne Silchmüller mit. Die Reaktivierung des Werkes koste 10 Millionen Euro; eine Investition, die ohne Gegenfinanzierung auf die gut 65 000 Einwohner im Versorgungsgebiet umgelegt werden müsste. Die Folge wäre eine Wasserpreiserhöhung von 20 Cent je Kubikmeter, was einer Mehrbelastung für einen Vier-Personen-Haushalt von im Schnitt 40 Euro im Jahr entspricht.

Bereits seit Jahren wird in der Spree eine erhöhte Belastung mit den Salzen der Schwefelsäure gemessen – verursacht durch den jahrzehntelangen Braunkohleabbau in der Lausitz. Die FWA gewinnt das Trinkwasser im Wasserwerk in Briesen etwa zur Hälfte aus Spreewasser. Nur durch technologisch aufwendige, teure Verfahren gelang es dem Unternehmen bisher, die angeschwemmten Bergbaureststoffe aus dem Wasser zu entfernen und unter den Richtwerten zu halten. "Am einfachsten und preiswertesten ist die Verdünnung. Eine kurzfristige und effektive Maßnahme ist daher die Ertüchtigung des Wasserwerkes Müllrose sowie der Bau einer neuen Trinkwasserleitung bis zur bestehenden Fernleitung nach Frankfurt", erläutert Anne Silchmüller. 2020 könnte das dort geförderte Grundwasser das Spreewasser weitgehend ablösen.

Die FWA fordert, dass der Stromerzeuger LEAG und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) als Bergbausanierer die Kosten dafür tragen. Beide Unternehmen seien angeschrieben worden, beide hätten abgelehnt. Doch die FWA bleibe bei ihren Ansprüchen und wolle nunmehr – mit Rückendeckung des Aufsichtsrates – definitiv Einspruch gegen die geplante Genehmigung der Flutung des Cottbuser Ostsees erheben. Der stillgelegte Vattenfall-Braunkohletagebau soll ab dem Frühjahr in den nächsten Jahren zum größten künstlichen See Deutschlands werden. Voraussetzung ist ein Planfeststellungsbeschluss zur Wasserrechtlichen Genehmigung durch die zuständigen Wasserbehörden des Landes. Die FWA will den Beschluss anfechten, sobald er vorliegt. Denn, so Anne Silchmüller, in der Sohle des Ostsees sei viel Sulfat gebunden, das in die Spree getragen werden könnte. Dies sei "im Rahmen der Anhörung vorgetragenen Einwendungen der FWA bisher nicht berücksichtigt" worden, sagt sie.

Uwe Steinhuber, Leiter der Kommunikationsabteilung bei der LMBV, sieht dagegen derzeit keine rechtliche Grundlage für die LMBV zu einer Mitfinanzierung. Erst kürzlich habe man im Braunkohleausschuss berichtet, dass die für die LMBV relevanten Immissionsrichtwerte an entsprechenden Pegeln an der Spree jahresdurchschnittlich unterschritten worden seien. "Nach vorliegenden und auch im Land und bei der FWA bekannten Studien ist zudem nicht zu erwarten, dass sich die Sulfatsituation in der Spree signifikant verändern (verschlechtern) wird und sich daraus derzeit kein Handlungsbedarf ergibt", sagt er.

Die FWA und auch die Stadt sind anderer Meinung. Im Hauptausschuss informierte Oberbürgermeister René Wilke am Montag über Gespräche mit der LEAG vor wenigen Tagen. Den Verhandlungsführern sei dabei ein Vorschlag zur Mitfinanzierung gemacht worden, der – sollte der Unternehmensvorstand zustimmen – die Kosten teilweise abfedern würde. "Das wäre gut für Frankfurt, auf das Ergebnis warten wir aber noch", so der OB.

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