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Max Heilmann
Akribischer Frankfurter Chronist

Sigrid Riedel / 04.04.2019, 06:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Am Sonntag, 7. April, wäre Max Heilmann, einer der bedeutendsten Chronisten Frankfurts, 150 Jahre alt geworden. Das Museum Viadrina und das Stadtarchiv würdigen den Grafiker und Kunstmaler mit einer Einzelausstellung.

Gezeigt werden 30 Werke Heilmanns. Darunter 24 Grafiken aus dem Stadtarchiv, die durch Ölbilder und Aquarelle aus dem Bestand des Museums ergänzt werden, vorrangig aber einen Bezug zur Stadt haben. Ergänzt werden die Bilder durch Fotos, Dokumente, Briefe, aber auch Druckplatten, Werkzeuge und Werkstoffe aus dem Nachlass Heilmanns, die von der Familie Reinhold zur Verfügung gestellt wurden.

Max Heilmann wurde am 7. April 1869 im schlesischen Schmiedeberg geboren und verbrachte die längste Zeit seines Lebens in seiner Wahlheimat Frankfurt (Oder). Einen beachtlichen Teil seines Schaffens bildeten Radierungen, in denen er mit akribischer Genauigkeit z.B.  Szenen aus dem Frankfurter Stadtpanorama und dem Umland festhielt. Liebevoll skizzierte er bekannte Frankfurter Bauwerke, wie das Rathaus, St. Marien, die Georgenkirche oder den Bahnhof. Seine Radierungen wurden in hoher Auflage gedruckt und fanden Einzug in viele Bürgerhäuser und öffentliche Häuser der Stadt sowie in Kunstmuseen auch außerhalb Frankfurts.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Frankfurter Kunsthalle im damaligen Stadttheater im Februar 1926 – da war Heilmann bereits auf dem Höhepunkt seines Schaffens –  hieß es am 23. Februar 1926 im "Frankfurter Volksfreund": "Die Motive sind nicht gesucht, sondern gefunden. Heilmann verzichtet auf jede Effekthascherei … Er holt überall das Wesentliche heraus. Einer Erklärung bedürfen die Bilder Heilmanns eigentlich nicht."

Die handwerklichen Fähigkeiten hierfür erwarb Heilmann, der eigentlich Architekt werden wollte, in seiner Lehrzeit als Maurer und Bauzeichner. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Breslau studierte er ab 1885 an der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule sowie an der Kunstakademie zu Weimar. 1895 legte er die Prüfung als akademischer Zeichenlehrer ab. Damit besaß er die besten Voraussetzungen, um sich für die am Frankfurter Friedrichsgymnasium ausgeschriebene Stelle zu bewerben. 1896 wurde er als Lehrer für Zeichnen, Musik und Sport dorthin berufen.

Gemeinsam mit seiner Frau Marta, (geb. Augstein), seiner Jugendliebe, die er 1896 geheiratet hatte, bezog er nun in Frankfurt seine erste Wohnung in der Fürstenwalder Straße. Auch außerhalb des Unterrichts widmete sich Heilmann der Förderung begabter Schüler in Malzirkeln, hielt Fachvorträge im Kunstverein und schuf selbst zahlreiche Werke, die nun immer häufiger in den Schaufenstern der Buch- und Kunsthandlungen der Stadt oder auf Ausstellungen zu sehen waren.

Doch Heilmann machte sich mit seinem künstlerischen Schaffen weit über die Oderstadt hinaus einen Namen: In der Berliner Großen Kunstausstellung, im Münchner Glaspalast, in Düsseldorf, Hannover und Dresden waren seine Werke zu bewundern. Selbst zur Weltausstellung in Chicago versandte er Arbeiten.

Weniger bekannt ist, dass Max Heilmann aktives Mitglied der Freimaurer war. Seit 1906 gehörte er zur Frankfurter Sankt Johannisloge "Zum aufrichtigen Herzen". An der künstlerischen Ausgestaltung des Logensaals war er maßgeblich beteiligt. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: "In Frankfurt brachte ich viele Wochen (vermutlich um 1929, d.Verf.) mit der Ausmalung der Wände in der Loge IV zu, die zur allgemeinen Bewunderung ausfiel (in Wachs-Kasein-Farbe)." Die Freimaurerloge wurde 1935 durch die Nationalsozialisten verboten. Das Frankfurter Logengebäude hat das Ende des Zweiten Weltkrieges unbeschadet überdauert.

Abgesehen von seinen bildkünstlerischen Tätigkeiten war Heilmann auch musikalisch begabt. Die Liebe zur Musik hatte er wohl von seinem Vater, der Kapellmeister und später Gastwirt war, geerbt. Er trat gelegentlich auf öffentlichen Konzerten mit seiner Laute auf und komponierte eigene Lieder.

Im Verein "Wandervogel" schätzte er das gesellige Miteinander, gemeinsames Musizieren und Wanderungen in die märkische Landschaft. Neben Radierungen entstanden Aquarelle und Ölbilder, in denen er seine Liebe zur märkischen Landschaft zum Ausdruck brachte.

Darüber hinaus war er als  "Gebrauchsgrafiker" tätig, fertigte Urkunden, illustrierte Bücher und Zeitschriften, lieferte Vorlagen für Postkarten und vieles mehr. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens konnte Max Heilmann auf ein beachtliches Werk zurückblicken. Allerdings ging während des Zweiten Weltkrieges ein großer Teil seiner Werke verloren.

Am 1. Oktober 1929 – im Alter von 60 Jahren – trat Heilmann in den Ruhestand. Für seine Verdienste als Zeichenlehrer – die Qualität seines Unterrichtes wurde mit der einer Kunstschule verglichen – hatte man ihm den Titel "Studienrat" verliehen. Er arbeitete nun als freischaffender Künstler weiter, erhielt jedoch ab 1933 nur noch wenige öffentliche Aufträge. Er nutzte die Zeit für Bildungsreisen, unter anderem nach Italien, das ihn durch seine landschaftliche Schönheit und antiken Bauwerke stark beeindruckte und zu weiteren Werken inspirierte: So entstanden Gemälde des antiken Theaters in Syrakus und des Poseidontempels in Paestum. Das gleichnamige Ölbild schenkte er 1931 dem Friedrichsgymnasium.

1945 – als die Stadt zur Festung erklärt wurde – musste Heilmann sein Haus in der Hegelstraße, das sein Schwiegersohn als Architekt nach seinen Wünschen entworfen hatte, verlassen. In Adendorf bei Lüneburg fand er Aufnahme bei Freunden.  Eine schwere Erkrankung verhinderte in den letzten Lebensjahren das weitere Schaffen, auch eine Rückkehr nach Frankfurt war ihm nicht mehr möglich. Jedoch blieb er der Stadt durch Briefwechsel mit Frankfurtern, wie zum Beispiel mit Archivarin Elfriede Schirrmacher, weiterhin verbunden und gab 1953, anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Stadt Frankfurt, seine Arbeiten zum Druck einer 10-teiligen Postkartenserie frei.

Am 27. Januar 1956 verstarb Max Heilmann in Scharnebeck bei Lüneburg. In ihrem Nachruf (Kulturspiegel, 1956) schrieb Elfriede Schirrmacher: "Uns Frankfurter hat er mit seinem Schaffen reich beschenkt und er hat unserer alten Stadt den wertvollsten Dienst erwiesen, als er ihre schlichte, architektonische Schönheit und ihr buntes Leben und Treiben in seinen Bildern festhielt. So wenig wie wir konnte er damals ahnen, dass er damit Dokumente schuf, die der aufwachsenden Generation das alte Bild unserer Stadt bestens zu vermitteln vermögen, ja einen Hauch von ihrem Geiste spüren lassen."

Die Autorin Sigrid Riedel ist Mitarbeiterin im Stadtarchiv Frankfurt (Oder). Zusammen mit Dr. Sonja Michaels vom Museum Viadrina hat sie die Ausstellung kuratiert. Beide eröffnen diese an diesem Sonntag, 7. April, um 11 Uhr im städtischen Museum Viadrina, Junkerhaus, wo die Werke Max Heilmanns bis zum 2. Juni zu sehen sein werden.

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