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Aktion
Kranichkette für Friedensbewegung wächst

Thomas Gutke / 09.04.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 09.04.2019, 09:37
Frankfurt (Oder) (MOZ) Mehr als 2400 Papierkraniche sind es schon, die in der Wohnung von Familie Eckardt in Kisten verstaut darauf warten, für Frieden zu werben. Doch das ist eigentlich nur die Spitze eines riesigen Berges aus aufwendig gefaltetem Papier, der mittlerweile zusammengekommen ist. "Überall in der Stadt wird gebastelt. Bislang hatten wir nur keine Möglichkeit, die Kraniche zu lagern. Das wird sich bald ändern", berichtet Jaqueline Eckardt, die ehrenamtliche Kinderbeauftragte.

Zwei Millionen bunt gefalteter Vögel sollen es bis zum 6. August 2020 werden und eine gut 150 Kilometer lange Kette von der Stadtbrücke bis nach Prenzlau bilden. An diesem Tag jährt sich der Atombombenabwurf auf Hiroshima zum 75. Mal. Bei dem ersten Kernwaffeneinsatz in einem Krieg überhaupt kamen 1945 etwa 90 000 Menschen zu Tode; weitere bis zu 160 000 in den Wochen, Monaten und Jahren darauf. Darunter auch das Mädchen Sadako Sasaki, das mit dem Falten von Kranichen hoffte, wieder gesund zu werden (siehe Infokasten). "Warum machen Menschen so etwas?", hätten sie ihre Töchter gefragt, als sie die Geschichte hörten – es sei die Geburtsstunde für das Kranichprojekt gewesen, erzählte Jacqueline Eckardt vor Kurzem in der Stadtverordnetenversammlung, als sie eine erste Bilanz im Amt zog. Anfang Januar startete ihr gemeinsam mit Anja Kreisel auf den Weg gebrachtes Projekt – "Frankfurt macht Frieden". Für 2020 planen beide eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen. Die Rekord-Kranichkette ist nur eine davon. Hunderte haben bereits mitgebastelt. Grundschulkinder ebenso wie Senioren, die Verwaltungsspitze oder Kommunalpolitiker. Und nicht nur in Frankfurt. Erst vor wenigen Tagen beschlossen die Cottbusser Stadtverordneten, sich an der Friedensbewegung zu beteiligen. Ihr Motto: Frankfurt macht Frieden und Cottbus macht mit. "Auch Königs Wusterhausen ist mit dabei. Viele weitere Städte haben wir angefragt", erzählt Jacqueline Eckardt.

Dass Kinder mit Kindern in Kontakt kommen, die Kriegserfahrungen mitbringen, sei Alltag in vielen Kitas und Schulen. Daher beantworte sich die Frage, warum sich auch Frankfurt für den Frieden stark machen sollte, von selbst. "Frieden geht uns alle an. Kindern zu vermitteln, wie wichtig es ist, in Frieden aufzuwachsen, ist unsere Aufgabe."

Im Oktober übernahm Jacqueline Eckardt das Ehrenamt. Neben dem Friedensprojekt hat sie seitdem einige weitere Initiativen angestoßen. Dazu gehört etwa ein Briefkasten im Rathaus, in den Kinder Postkarten mit Ideen und Kritik einwerfen können. Außerdem initiierte die 43-Jährige das Oderküken – ein Preis von Kindern für jemanden, der Kindern Gutes tut. Sie sagt: "Kinder haben ein Recht darauf, gehört zu werden und mitzubestimmen."

Hiroshima, das Mädchen Sadako und die Kraniche

Am 6. August 1945 zerstörte eine Atombombe die japanische Stadt Hiroshima. Das Mädchen Sadako Sasaki war damals zwei Jahre alt und lebte nur wenige Kilometer vom Explosionsort entfernt. Sie überlebte, zunächst. Einige Jahre später wurde ihr im Sportunterricht plötzlich schwindelig. Sie stürzte. Kurz darauf diagnostizierten die Ärzte Leukämie. Im Krankenhaus erzählte ihr eine Freundin von der Kranich-Legende: Wenn eine kranke Person 1000 Kraniche faltet, wird sie wieder gesund. Sadako schaffte 644, dann starb sie. Ihre Schulklasse gründete einen Papierkranich-Club, faltete die 1000 Exemplare zu Ende – und gab damit den Anstoß für viele weitere.⇥thg

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Sadako Sasaki Anja Kreisel Anfragen Kranichkette Papierkranich

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