Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Technik
Sieben Antennen für weltweite Kontakte

Spezialist für den Tastenfunk: Der Storkower Wolfgang Löffler ist als Funkamateur Vorsitzender des für ganz Brandenburg zuständigen Verbandes. Er selbst beherrscht Sprech- und Tastenfunk.
Spezialist für den Tastenfunk: Der Storkower Wolfgang Löffler ist als Funkamateur Vorsitzender des für ganz Brandenburg zuständigen Verbandes. Er selbst beherrscht Sprech- und Tastenfunk. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 09.04.2019, 07:00 Uhr
Storkow Sein Anwesen mitten in einer Eigenheimsiedlung ist ein schön gepflegtes und gestaltetes Grundstück, von dem Signale um die ganze Welt gehen. "Ja", lacht der 77-jährige Wolfgang Löffler, "meine Frau kann gut kochen und ihr Hobby ist der Garten." Wolfgang Löffler aber geht in die Luft. Nach oben zeigt sich ein Antennenwald, die größte zehn Meter hoch. Aber da schüttelt er den Kopf. "Mit meinen sieben Antennen bin ich ein Waisenknabe. Andere haben viel mehr."

Geboren ist Wolfgang Löffler im heutigen Tschechien. 1946 kam die Familie per Zug nach Storkow, erst in ein Quartier in der Kaserne, später in das evangelische Ferienheim Hirschluch. Der Vater war im Krieg gefallen, und Onkel und Großvater bauten das Haus, das Wolfgang Löffler von seiner Mutter übernahm.

Man kann sagen, dass er ein echter Storkower ist. Mit seinen Mitschülern der Einschulungsklasse von 1948 in der Altstadtschule trifft er sich heute noch, und für das, was sein Leben bestimmt, legte Gerhard Rabaschuss in einer Schularbeitsgemeinschaft, in die Wolfgang Löffler von der 5. bis zur 8. Klasse ging, den Grundstein. "Bei ihm habe ich aus alten Röhren, Kondensatoren, Widerständen, Transformatoren und Lautsprechern meine ersten Radios gebaut", erzählt er mit Stolz. Die Teile wurden in kleine Pappkoffer eingesetzt, mussten allerdings ans Netz angeschlossen werden. Anleitung bot die Zeitschrift "Jugend und Technik". Das Material kauften sich die Schüler im Radiogeschäft Georg Barth in der Straße Altstadt, weiß er noch, und es wurde auf Deponien gesucht und untereinander getauscht. In der Familie gab es ein standardmäßiges Radio, aber "ich war fasziniert von der Nachrichtentechnik, wollte wissen, wie drahtlos Informationen übertragen werden können", war seine Motivation. Das bezog sich anfangs nur auf die technische Seite. Sein wissenschaftliches Interesse, wie alles physikalisch funktioniert, entstand später. Nach der 8. Klasse nahm Wolfgang Löffler eine Ausbildung als Fernmeldemonteur in Frankfurt auf, nachdem es mit einer Lehrstelle als Rundfunkmechaniker nicht geklappt hatte. "Hier konnte ich mir handfeste handwerkliche Erfahrungen aneignen", ist er dankbar. Ein Jahr arbeitete er in der Fernmeldedienststelle Beeskow, wo er Telefonanlagen in Privathaushalten montierte. Danach wurde Wolfgang Löffler Lehrmeister in der Berufsschule der Deutschen Post, qualifizierte sich zum Ingenieur der Nachrichtentechnik und schloss ein Hochschul-Fernstudium für Elektrotechnik und Elektronik als Diplomingenieur-Pädagogik ab. 1991 wechselte er in den Computerservice der Telekom und ging 1995 in den Vorruhestand. Was an Antennen auf dem Grundstück des Funkamateurs zu sehen ist, hat sich im Laufe der Jahre von der DDR-Zeit her angesammelt. Ein weiterer Mast wird nicht mehr kommen, "mehr kann ich nicht – altersbedingt", gibt er zu.

Das Funken hatte Wolfgang Löffler bereits während der Lehre in der GST (vormilitärische Gesellschaft für Sport und Technik) gelernt, "mit alten Funkgeräten, mit denen nur ein paar Kilometer überbrückbar waren". Richtig ernsthaft wurde es in der Armeezeit, in der er als Telegraphiefunker an der Morsetaste im Funkwagen saß. "Wir haben das Morsen richtig auf Tempo trainiert, und obwohl ich nie der Schnellste war, hat es Spaß gemacht." Nach der Armee erwarb er in der GST seine Funklizenz, die heute noch gültig ist. Er weiß: "Heute kann kaum noch jemand die Morsetelegraphie. Sie ist ins Weltkulturerbe aufgenommen und wird nur noch hobbymäßig be-trieben."

Auf der Welt gibt es mindestens zwei Millionen Funkamateure, darunter auch reine Sprechfunkamateure. Wolfgang Löffler betreibt beides und kann theoretisch mit jedem Funker rund um die Welt in Verbindung treten. Dank seines Zehn-Meter-Mastes geht das auf Kurzwelle. Die Verständigung funktioniert auf Englisch, das er nach Abendschulkursen "hinreichend" beherrscht. Dank seines Schulunterrichtes klappe auch die Kommunikation auf Russisch, "aber bei anderen Sprachen sind nur allgemeine Höflichkeitsfloskeln möglich", lächelt der 77-Jährige. Man tauscht sich über die eigenen technischen Anlagen aus, über die Art der Antennen zum Beispiel, "um mehr aus der eigenen Anlage herausholen zu können". In DDR-Zeiten durfte man mit einigen Ländern nicht kommunizieren und mit den erlaubten nicht über private und politische Angelegenheiten sprechen, denkt er zurück: "Aber es wurde trotzdem getan."

Nachwuchs ist schwer zu finden

Die Funkamateure bilden gern zwanglose Funkrunden. Wolfgang Löffler beteiligt sich an der "Märkischen Runde", die aus 25 Funkern besteht. "Wir kennen uns alle aus Treffen persönlich", ist ihm wichtig. An nationalen und internationalen Wettkämpfen beteiligt sich der Storkower nicht mehr. Dabei geht es darum, wer in einer bestimmten Zeit am meisten mit den entferntesten Stationen Verbindung hatte. Die Platzierung wird in Amateurfunkzeitschriften veröffentlicht. Wolfgang Löffler war schon mal in den Top-Ten, meist bei verbandsinternen Contesten.

Gern würde der Diplom-Ingenieur-Pädagoge sein Wissen und Können an die Jugend weitergeben. Von 2006 bis 2009 hatte er mit Schülern eine Arbeitsgemeinschaft mit seiner eigenen Technik in der ehemaligen Kita in Küchensee betrieben. Als das Gebäude geräumt wurde, war damit Schluss. Mit dem Funkamateur Jan Arnold hat er jedoch genug zu tun, um die von ihnen selbst gebaute Technik auf dem Rauener Fernmeldeturm, wo der Verband eine Relaistation mit betreiben darf, zu warten und weiterzuentwickeln, zum Beispiel, was die Digitalisierung betrifft.

Sieben Fragen an Wolfgang Löffler

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?

Wohl die Großeltern. Mein Großvater war nach dem Krieg hier in Storkow einige Zeit als Berufsschullehrer tätig. Er hatte einen mittelständischen Betrieb, eine Bau- und Kunstschlosserei, in seinem Geburtsort gehabt.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?

Darüber müsste ich nachdenken.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?

Mehr Sicherheit im Land.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?

Nein.

Träumen Sie gern?

Nein.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie noch mal woanders hinziehen?

Ich bin Storkower, kenne und schätze die Leute hier und lebe in dem von meiner Mutter geerbten Haus. Was will ich mehr?

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG