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Fußball
Mecklenburger ist an der Oder heimisch

Gerd Schuth im Trikot des FC Vorwärts
Gerd Schuth im Trikot des FC Vorwärts © Foto: MICHAEL BENK
Eberhard Fehland / 03.05.2019, 02:15 Uhr - Aktualisiert 06.05.2019, 20:52
Frankfurt Gegenspieler nannten ihn beinhart, Mitspieler etwas liebevoller "Eisenfuß". Damit hat Gerd Schuth nie ein Problem gehabt. "Ich war ehrgeizig, habe selbst im Training immer scharf, aber stets fair gekämpft", sagt der einstige Fußballer des FC Vorwärts über sich. Heute wird der gebürtige Mecklenburger 70.

Athletik, Einsatz- und Zweikampfstärke gehörten zu seinen Tugenden. Ein Filigrantechniker war er nie, Schwächen hatte er bei der schnellen Ballmitnahme, im Spiel nach vorn. Andere, menschliche Vorzüge zeichnen ihn heute noch aus, wie einstige Mitspieler und Trainer aufzählen. "Geradlinig, kompromisslos, solide – einer, der sich selbst nicht in den Vordergrund rückt", sagt Axel Geisler, "zuverlässig als Spieler und Mannschaftsleiter. Er hat nicht viele Tore gemacht, aber schöne", weiß Frieder Andrich.

Die Ecke kam von Rainer Withulz

Sieben Treffer erzielte der Verteidiger in 236 Punkt- und Pokalspielen. Darunter einen, der in die Geschichtsbücher einging. Ältere Fans erinnern sich gern, Schuth selbst natürlich auch. Am 18. September 1974 machte er im Europacup-Spiel gegen Juventus Turin das 1:0. "In der vierten Minute brachte Rainer Withulz einen Eckstoß, ich stand zufällig richtig und köpfte gegen die Torwart-Legende Dino Zoff ein – mein Highlight vor 20 000 Zuschauern im Stadion der Freundschaft, unvergesslich. Wir haben 2:1 gewonnen, hatten aber beim 0:3 im Rückspiel keine Chance", sagt Schuth, der auch nach 47 Jahren den mecklenburgischen Dialekt nicht verheimlichen kann.

Kein Wunder: Geboren im vorpommerschen Jarmen, aufgewachsen in Kartlow, führte ihn der sportliche Weg über Post zu Vorwärts Neubrandenburg. Eigentlich sollte und wollte er als 20-Jähriger zu Hansa Rostock delegiert werden, doch seine wahrheitsgemäß angegebene "West-Verwandtschaft ersten Grades" in Gestalt von Vater Gerhard machte einen Strich durch diese Rechnung. Erstaunlich, dass er 1972 ausgerechnet zum FC Vorwärts durfte. Der Armeeklub war ein Jahr zuvor von Berlin nach Frankfurt verpflanzt worden. "Generalmajor Walter Herkner, Chef der Armeesportvereinigung, hatte persönlich sein Okay gegeben."

Nach der Wende blieb der Bauingenieur und Diplom-Sportlehrer dem Fußball treu, trainierte unter anderem Motor Eberswalde und fast zehn Jahre den FFC Viktoria. Im Bau- und Technikstab des Klinikums Markendorf verdiente er bis zur Rente seine Brötchen. Und er kümmerte sich um das Hochhalten der FCV-Tradition, organisierte mit Sponsor Alexander Wolf zahlreiche Oldie-Vergleiche einstiger Oberliga-Rivalen.

Gerd Schuth, in zweiter Ehe verheiratet und Vater zweier Töchter, ist an der Oder heimisch geworden. "Wir blicken auf den Strom. Die Helene und die Wälder sind nicht weit, dazu das Kulturangebot in der Stadt. Und wir haben viele Freunde gefunden. Was will man mehr ..."

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