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Im Heimatmuseum wird derzeit das Bildarchiv der Fotografenmeisterin Ursula Raschke gesichert. Eine Ausstellung soll vorbereitet werden.

Heimat
Müllroser Foto-Schätze

Frank Groneberg / 07.05.2019, 06:30 Uhr
Müllrose (MOZ) Das Heimatmuseum in Müllrose verfügt über einen echten Schatz. Einen Schatz, der jetzt Stück für Stück gehoben wird. Einen Schatz, der das Leben in Müllrose, wie es sich in den Jahren 1965 bis 1982 abgespielt hat, im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich darstellt. Die Rede ist vom Nachlass der Fotografenmeisterin Ursula Raschke, die in der Zeit von 1963 bis 1984 ein Fotostudio in Müllrose betrieben hatte.

Dieser Nachlass wird seit dem Jahr 2017 nach und nach gesichert und so bearbeitet, dass er irgendwann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Und dass die Realisierung ihre Zeit braucht, wird schnell klar: Mehr als 16 000 Negative von Außen- und Studioaufnahmen gehören dazu. Außerdem mehr als 600 Positive und ein Glasplatten-Foto. All diese Aufnahmen müssen gesichtet, geordnet und vor allem für die Zukunft erhalten und geschützt werden. "Die Negative befanden sich alle noch in den von Ursula Raschke beschrifteten Briefumschlägen aus der DDR, in genau 2874 Umschlägen", erinnert sich Museologin Romy Werner an den Start der großen Sichtung. Teilweise hätten mehrere Negative in einem Umschlag gelegen. "Diese Aufbewahrungssituation musste natürlich schnellstens geändert werden, um die Negative erhalten zu können."

Land fördert die Sicherung

Der Müllroser Ruheständler Lutz Boltz, selbst leidenschaftlicher Amateurfotograf, kümmert sich seit gut zwei Jahren ehrenamtlich im Museum um den Nachlass der Fotografenmeisterin. Seine erste Aufgabe war die Umverpackung der Negative in Schutzhüllen. "Auf Anregung des Museumsverbandes des Landes, in dem das Heimatmuseum Mitglied ist, beantragte das Amt Schlaubetal für die Stadt Müllrose eine finanzielle Unterstützung beim Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur", berichtet Romy Werner. Von dem Geld sollten für die digitale Sicherung der Negative und für den Erwerb von für Fotonegative geeignete Schutzverpackungen bezahlt werden. Das Ministerium bewilligte den Antrag und stellte 2017 eine Förderung von 5209,26 Euro zur Verfügung.

Dank dieser Förderung konnten zum einen die Schutzverpackungen gekauft werden. Zum anderen war es Anliegen des Antrags, die Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Erschließung des Fotoarchivs Ursula Raschkes schaffen zu können. Der Berliner Fotograf Lorenz Kienzle, der über die notwendige technische Ausrüstung verfügt, konnte damit beauftragt werden, die sehr umfangreiche Negativsammlung zu digitalisieren.

Lutz Boltz hat in mehrmonatiger mühseliger Arbeit alle Negative einzeln in neue Schutzhüllen gesteckt. Dazu muss man wissen, dass es sich nicht um komplette Negativ-Kleinbildfilme, wie sie früher im privaten Gebrauch üblich waren, handelt, sondern überwiegend um einzeln archivierte Fotonegative im Format 6x6 cm vom ORWO-Mittelformatnegativfilm. "Parallel archivierte er das Material und dokumentierte alle sorgsam von Frau Raschke betitelten Briefumschläge", so Romy Werner weiter.

Zeugnisse der DDR-Geschichte

Manfred Felgendreher, Neffe der Fotografenmeisterin, hatte das Fotoarchiv 1996 dem Heimat­museum übergeben. Dort wurde es zunächst im Depot eingelagert – die einstige Stadtschule wurde gerade zum Haus des Gastes umgebaut. Über die Jahre interessierte sich niemand intensiver für das Bildarchiv. Erst vor gut zwei Jahren, als der Sammlungsbestand des Museums neu dokumentiert wurde, erhielt es neue Aufmerksamkeit. "Das Fotoarchiv von Ursula Raschke ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis", betont Romy Werner. "Die Motive repräsentieren einen bedeutenden Zeitraum in der DDR-Geschichte." Mit der Sicherung und Digitalisierung seien die Voraussetzungen geschaffen worden für weitere Projekte wie digitale Präsentationen aber auch Ausstellungen.

Das Heimatmuseum wird eine Ausstellung vorbereiten, welche die Arbeit Ursula Raschkes in einem Querschnitt widerspiegeln und die Arbeit der Fotografenmeisterin würdigen soll. Allerdings: Bei einem Großteil der Bilder handelt es sich um Personenaufnahmen. Und bevor diese veröffentlicht werden dürfen, muss das Einverständnis der abgebildeten Personen eingeholt werden. Eine wahre Mammutaufgabe. Immerhin: Eine Auswahl von 20 Aufnahmen kann bereits im Internet betrachtet werden, auf dem Portal von Museum digital.

Zur Person:Ursula Raschke

Geboren wurde Ursula Raschke am 23. August 1919 in Kliestow. 1958  bestand sie die Prüfung zur Fotografenmeisterin. Am 2. Januar 1963 eröffnete sie ihr Fotostudio in Müllrose, Frankfurter Landstraße 23. Im November 1969 zog sie mit dem Fotostudio um in die August-Bebel-Straße 7 (heute Bahnhofstraße 1). Neben der Porträt- und Hochzeitsfotografie sowie Auftragsarbeiten für örtliche Geschäftstreibende widmete sie sich in ihrer Arbeit der Müllroser Baukultur. 1984 meldete sie ihr Gewerbe ab. Ursula Raschke verstarb am 5. Juni 1996.Fotoauswahl im Internet: www.brandenburg.museum-digital.de⇥gro

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