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Dr. Motte
Friede, Freude, Eierkuchen

Am 1. Juli 1989 meldete Matthias Roingh, alias Dr. Motte, die erste Loveparade an. Der Straßenumzug entwickelte sich zum Millionenspektakel. 1999 sollen 1,5 Millionen Menschen dabei gewesen sein. Nach den Anfangsjahren kam der Kommerz, dann der Umzug ins Ruhrgebiet und 2010 die Katastrophe.
Am 1. Juli 1989 meldete Matthias Roingh, alias Dr. Motte, die erste Loveparade an. Der Straßenumzug entwickelte sich zum Millionenspektakel. 1999 sollen 1,5 Millionen Menschen dabei gewesen sein. Nach den Anfangsjahren kam der Kommerz, dann der Umzug ins Ruhrgebiet und 2010 die Katastrophe. © Foto: promo
Jan-Henrik Hnida / 11.07.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 11.07.2019, 08:18
Frankfurt (MOZ) Mit Liedern wie "You cant stop us" (Ihr könnt uns nicht aufhalten) begeisterte er als DJ ein Millionenpublikum. Vor seinem Auftritt beim Bunten Hering sprach Dr. Motte über die Anfänge der Loveparade und seine Liebe zum Techno.

Dr. Motte, trauerst Du den Anfangszeiten der Loveparade vor 30 Jahren nach?

Dr. Motte: Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Wir haben ja damals etwas neues gemacht, indem wir auf der Straße mit Musik demonstriert haben – für eine bessere Welt. Bis heute tanzen die Leute zu elektronischer Musik. Und sie hat sich weiterentwickelt und etabliert, was wir uns vor 30 Jahren nicht vorstellen konnten. Toll!

Hättet ihr damals gedacht, dass aus drei Wagen eine riesige Parade mit Millionen Menschen wird?

Von Anfang an haben wir für "Friede, Freude, Eierkuchen" getanzt. Abrüstung, Völkerverständigung und gerechte Nahrungsmittelverteilung waren unsere Ziele. Durch jährliche Wiederholungen sollten alle Menschen auf der Welt Freunde werden und Weltfrieden entstehen.

Wurde eure Vision erfüllt?

Heutzutage feiern so viele Leute zu elektronischer Musik. Wir kommen einer besseren Welt immer näher. Das sehe ich in Polen, beim Ozora-Festival in Ungarn oder bei der Streetparade in Zürich. Überall Harmonie, Freude und gute Musik.

Mit der Katastrophe in Duisburg endete 2010 die Loveparade. Wie denkst du heute darüber?

Ich bin ja seit 2005, als die Parade verkauft wurde, nicht mehr dabei. Natürlich war es dann ein herber Schlag, dass Unwissende uns belogen haben. Am Ende wollte er (Anm.: Rainer Schaller, Geschäftsführer von McFit) die Loveparade nur als Werbung für seine Fitnesskette ausnutzen. Das war Betrug an der ganzen Techno-Szene. Ich halte ihm bis heute vor, dass 21 Menschen gestorben sind und keiner dafür verurteilt wurde. Es wurde so nie der Auslöser für die Katastrophe ans Licht gebracht.

Wird es irgendwann wieder eine Loveparade in Berlin geben?

Alleine die Vorbereitungen würden zwei Jahre dauern. Dazu braucht es viel Geld, ein hohes Maß an Sicherheit und einige Behördengänge. Im Augenblick kann ich mir das nicht vorstellen.

Anderes Thema: Wie bereitest Du dich auf einen Auftritt vor?

Jedes Mal achte ich auf eine vielfältige Auswahl meiner Musik, Neues und Altes. Für das Planetarium in Bochum, wo ich vor Kurzem gespielt habe, dauerte die Vorbereitung einen Monat. Das war andere Musik, als im Club. Ich lege jedes Wochenende woanders auf. In Chemnitz, Schwedt und im Saarland war ich beispielsweise letzte Woche.

Was ist Dein Wiedererkennungsmerkmal beim Techno?

Mein Stil ist klassisch – "On the floor". Das bedeutet: Es macht bum, bum, bum. Wozu die Besucher sich eben gut bewegen können. Mit viel Rhythmus und etwas Gesang ist dann die Party perfekt. Je nach Publikum spiele ich mal schnellere und mal langsamere Sets.

Warum stehst Du noch immer hinterm DJ-Pult? Was ist Dein Antrieb?

Ich kann nicht anders. Der Beruf ist genau das, was ich will. Ich liebe es, laute Musik zu spielen. Wenn dann die Leute auch noch dazu tanzen, dann tun wir das gemeinsam.

Beim Bunten Hering wird das Publikum ein anderes sein als im Techno-Club. Was erwartest Du?

Natürlich freue ich mich auf meine Fans – und neue Gesichter. Ich gehe immer offen mit den Leuten um, schaue, welcher Techno-Stil zu ihnen passen könnte. Nach dem Auftritt geht’s direkt nach Berlin, wo ich im Suicide Circus auflege – auf meiner eigenen Geburtstagsparty (Anm.: Dr. Mottes Geburtstag war am 9. Juli) Das wird nicht Arbeit, sondern ein schönes Fest werden.

Zur Person

Dr. Motte ist ein deutscher Techno-DJ und Musiker. Sein bürgerlicher Name ist Matthias Roeingh. Er wurde am 9. Juli 1960 im Berliner Bezirk Spandau geboren. Bekannt wurde Roeingh als Mitbegründer und Organisator der Musik- und Tanzveranstaltung Loveparade in Berlin, zu der Millionen Besucher kamen. Die erste Parade fand 1989 als angemeldete politische Demonstration statt. Schon mit 12 Jahren nahm er an einer Anti-Vietnamkriegs-Demo teil. Später zeigte er auf Demonstrationen für Freiheit und Bürgerrechte sowie für eine solidarische, multikulturelle und offene Gesellschaft Flagge. 

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