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Bahnradsport
"Ich will ein guter Profi werden"

Hannes Wilksch geht nach den Erfolgen in diesem Jahr die Junioren-Weltmeisterschaften zuversichtlich an.
Hannes Wilksch geht nach den Erfolgen in diesem Jahr die Junioren-Weltmeisterschaften zuversichtlich an. © Foto: michael benk
Thomas Juschus / 13.08.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 13.08.2019, 10:53
Frankfurt (Oder) Ich sollte nicht immer nur zu Hause rumhängen", erinnert sich Hannes Wilksch an einen Wunsch von MutterAnett und Vater Maik. Das war im Jahr 2009. Zehn Jahre später ist der 17-Jährige eines der größten Nachwuchstalente im deutschen Radsport, sammelt in diesem Jahr Erfolg auf Erfolg auf Straße und Bahn. In dieser Woche geht Wilksch als eine der deutschen Medaillenhoffnungen und einziger Brandenburger im 20-köpfigen deutschen Aufgebot bei den Junioren-Weltmeisterschaften ab Mittwoch in der Frankfurter Oderlandhalle  an den Start.

Nach einem eher erfolglosen Ausflug zum Fußball ("Das war irgendwie nichts. Ich war wohl auch nicht gut genug und saß fast immer auf der Bank.") schloss sich der in Wriezen geborene und in Sternebeck aufgewachsene Wilksch 2010 dem RSC Strausberg an. "Das hat gleich viel Spaß gemacht. Und erste Erfolge kamen auch schnell", erinnert er sich. Es folgte der Wechsel an die Sportschule in Frankfurt, im Oktober 2016 der Wechsel nach Cottbus, wo er im Frühjahr 2022 sein gestrecktes Abitur ablegen will.

Trainer lobt Zielstrebigkeit

In Cottbus trainiert Wilksch, der für den RC Luckau fährt, bei Michael Max. Der 63-Jährige hat in seiner Trainerkarriere schon viele Talente kommen und gehen sehen, einige von ihnen wie Danilo Hondo, Andreas Klöden, Martin Reimer und Roger Kluge zu erfolgreichen Profis geformt. Junge Fahrer wie Wilksch – Typ grazil und gleichzeitig muskulös – hat er eher selten. "Hannes hat viel Talent, er ist sehr vielseitig und für sein Alter unglaublich zielstrebig. Ich muss ihn manchmal sogar bremsen", erklärt Max, dessen Schützling im Juli von den Junioren-Europameisterschaften auf der Bahn in Gent mit zweimal Bronze (Mannschaftsverfolgung, Punktefahren) zurückkehrte.

Fast die gesamte Saison fährt Wilksch auf einer Erfolgswelle. "Ich hatte es so nicht erwartet, hatte aber keine großen Ausfälle und konnte mein Pensum durchziehen", berichtet er. Bei der renommierten Junioren-Etappenfahrt rund um Cottbus Mitte April belegte er den zweiten Platz. Bei dem noch höher angesehenen Straßen-Etappenrennen "LVM Saarland Trofeo" holte er sich Ende Juni im Trikot der Nationalmannschaft den Gesamtsieg. Nach der JEM in Gent gewann er bei den deutschen Bahn-Meisterschaften Gold in der Mannschaftsverfolgung und im Punktefahren.

"Ich habe nach der Europameisterschaft ein bisschen rausgenommen, lange Einheiten trainiert und eine kleine Rundfahrt in Polen absolviert", sagt Wilksch. "Die letzten Höhepunkte liefen echt gut – ich bin relativ zuversichtlich." Er wird in der Verfolgermannschaft (Mittwoch, Donnerstag) und im Punktefahren (Freitag) zum Einsatz kommen. Familie und viele Freunde werden in der Oderlandhalle dabei sein. "Druck macht mir das nicht. Im Gegenteil: Ich freue mich über jeden Zuschauer, der uns anfeuert. Das ist ein Riesenbonus", sagt Wilksch.

Die Bahn in der sanierten Oderlandhalle ist sein zweites Zuhause. "Man hat sich daran gewöhnt. Sie liegt mir", hofft der 17-Jährige auf einen kleinen Heimvorteil. In den nächsten Tagen werden auch Rituale wichtig sein. "Wir versuchen schon seit Tagen, den Zeitrhythmus ab dem Frühstück an die WM-Zeiten anzupassen. Ich höre Lieder, die pushen, schaue Fotos an. Und ich werde in den Schuhen und Socken fahren, die ich bei den deutschen und den Europameisterschaften getragen haben", erzählt der Brandenburger.

Ziel ist eine Profi-Karriere

Die Bahn-Rennen und -Erfolge sind für Wilksch auch eine Art Bonus. "Der Traum ist die Tour", schrieb die "Märkische Oderzeitung" im Juni 2017 über den aufstrebenden Radsportler. "Einmal Olympische Spiele zu erleben, wäre schon toll. Ich setze auch alles daran, Bahn und Straße unter einen Hut zu bekommen. Aber das große Ziel ist, ein guter Straßen-Profi zu werden", sagt Wilksch, der auch zum Junioren-Kader für die Straßen-WM in Yorkshire (22. bis 29. September) gehört. "Ich möchte nicht schnellstmöglich Profi werden, sondern möglichst auch mit dreißig Jahren noch als Profi fahren", sagt er selbstbewusst. Das Sunweb Developement Team aus den Niederlanden, bei dem auch der Frankfurter Leon Heinschke fährt, soll die Fühler ausgestreckt haben.

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